Trump als Kandidat der Republikaner bestätigt

Der umstrittene Immobilienmagnat Donald Trump zieht für die Republikaner in den Kampf um die US-Präsidentschaft. Der 70-Jährige wurde auf dem Nominierungsparteitag am Dienstagabend in Cleveland mit überwältigender Mehrheit zum Kandidaten gewählt.

Sein gleichnamiger, ältester Sohn verkündete mit den Worten „Wir lieben dich“ das Erreichen der notwendigen Stimmenzahl. Trumps Aufstieg ist eine der größten Überraschungen in der modernen US-Politik. Er tritt am 8. November mit aller Wahrscheinlichkeit gegen die Demokratin Hillary Clinton an, die kommende Woche nominiert werden soll. Nach einer aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos liegt Clinton noch sieben Prozentpunkte vor Trump nach 15 Punkten in der vergangene Woche.

Für Trump stimmten am Abend in der Quicken Loans Basketball-Arena 1725 Delegierte und damit deutlich mehr als die erforderliche Zahl von 1237. Der Nächstplatzierte, Senator Ted Cruz aus Texas, kam auf 475. Trump soll am Donnerstag (Ortszeit, Freitagmorgen MESZ) zum Abschluss des Parteitags die Nominierung in einer großen Rede annehmen. Zum Kandidaten für die Vize-Präsidentschaft wurde erwartungsgemäß der 57-jährige erzkonservative Gouverneur von Indiana, Mike Pence, gewählt.

Als Trump am 15. Juni 2015 vom Trump Tower in New York aus seine Kandidatur verkündete, war der Milliardär vielen Amerikanern hauptsächlich aus seiner Reality-TV-Show „The Apprentice“ bekannt. Noch nie war er in ein öffentliches Amt gewählt worden. Im Vorwahlkampf musste er gegen 16 andere Republikaner antreten, zu denen Größen des Parteiestablishments wie der ehemalige Gouverneur Jeb Bush gehörten, aus dessen Familie bereits zwei Präsidenten hervorgegangen sind. Viele Experten räumten Trump zunächst keine Chance ein.

Dann aber setzte sich Trump innerhalb von wenigen Wochen in Umfragen an die Spitze des Bewerberfeldes, getragen von einer Welle der Unzufriedenheit in Teilen der amerikanischen Gesellschaft über die traditionelle Parteienlandschaft und die Folgen der Globalisierung. Unter dem Motto „Make America Great Again“ verspricht er, die USA zu alter Stärke zurückzuführen. Seine Anhänger halten ihm zugute, Sorgen der Bürger anzusprechen, die ihrer Ansicht nach von den Berufspolitikern beider Parteien nicht ernst genommen werden. Dazu zählen etwa die Themen Einwanderung und Sicherheit.

Allerdings sorgte der streitbare Milliardär unter anderem mit Forderungen nach einer Mauer zwischen Mexiko und den USA, einem Einreiseverbot für Muslime und frauenfeindlichen Aussagen für Aufschreie auch in der eigenen Partei. Viele hochrangige Mitglieder sind dem Treffen in Cleveland fern geblieben. Auch bei Partnerstaaten der USA provoziert Trump Argwohn. „Er will Amerika einerseits wieder stark machen, andererseits aber das US-Engagement im Ausland reduzieren. Das ist widersprüchlich, und es macht mir Sorgen“, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier im Reuters-Interview.

Entsprechend ist der Parteitag zu einem großen Teil darauf ausgerichtet, die Reihen vor dem eigentlichen Wahlkampf wieder zu schließen. Der letzte Versuch von parteiinternen Gegnern, die Nominierung zu verhindern, war am Montag erfolglos geblieben. Am Dienstag lobte dann Senator Jeff Sessions aus Alabama Trump als „einen Krieger und einen Sieger“. Der ranghöchste Republikaner im Kongress, der Vorsitzende des Repräsentantenhauses Paul Ryan, wie auch der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, lobten Trump in ihren Reden. Noch vor wenigen Wochen hatten sich beide zurückhaltend oder gar offen kritisch über den Kandidaten geäußert.

Clinton verlor ihrerseits keine Zeit, gegen ihren Rivalen in Stellung zu gehen. Kurz nach der Nominierung Trumps rief sie ihre Anhänger über Twitter auf dafür zu sorgen, dass „er niemals einen Fuß in das Oval Office setzt“, dem Büro des US-Präsidenten im Weißen Haus. Das erste Fernsehduell der beiden Präsidentschaftskandidaten ist für den 26. September angesetzt.

 

 

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