Pharmabranche stützt Schweizer Exporte

Die Schweizer Exporte sind dank der Pharmabranche in den ersten sechs Monaten um 5,1 Prozent gestiegen. Die Schweizer Industrie steht vor einem Wandel. Während die Pharma- bzw. Chemiebranche weiter Aufwind erhält, versuchen die Uhren und Maschinenbauern ihre Verluste zu begrenzen.

Ohne die chemisch-pharmazeutische Branche wären die Schweizer Exporte im ersten Halbjahr zurückgegangen. Durch den Aufschwung der Branche konnte jedoch ein Plus von 5,1 Prozent erreicht werden. Die Importe stiegen um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Insgesamt erreichten die Exporte im ersten Halbjahr ein Volumen von 105,4 Milliarden Franken, die Importe 86 Milliarden Franken. Während die Ausfuhren der Uhrenindustrie gegenüber dem 1. Halbjahr 2015 um 10,6 Prozent und die der Maschinen- und Elektronikindustrie um 0,7 Prozent zurückgegangen sind, kletterten die chemisch-pharmazeutischen Produkte um 15 Prozent nach oben. Hier waren vor allem die Medikamente sehr gefragt (+23 Prozent). Auch die Textil- und die Nahrungsmittelbranche konnte sich behaupten.

Besonders gefragt waren die Schweizer Produkte erneut in Nordamerika. Hier nahmen die Ausfuhren um 16 Prozent zu. In Europa konnten die Schweizer Exporteure vor allem in Belgien mehr absetzen. In Asien und Lateinamerika hingegen waren die Ausfuhren stabil bzw. teilweise auch stark rückläufig – wie etwa in Argentinien mit -23 Prozent.

Auch beim Import war die chemische-pharmazeutische Branche stark vertreten. In diesem Bereich erhöhten sich die Einfuhren um 27 Prozent. Auch hier zeigte sich die Bedeutung der USA für die Schweizer Exporteure. Neben Medikamenten waren es vor allem Verkehrsflugzeuge, die im ersten Halbjahr importiert wurden.

Es ist jedoch angesichts der aktuellen Lage der Weltwirtschaft und der Unruhefaktoren wie dem Brexit, Asien und Türkei davon auszugehen, dass die Exporte der Uhren- und Maschinenindustrie in der zweiten Jahreshälfte weiter zurückgehen. In zahlreichen Ländern fiel der Einkaufsmanager-Index. Der Brexit, Chinas Abschwung und die nicht absehbare Entwicklung der Rohstoffpreise tragen dazu genauso bei wie die Ungewissheit über eine mögliche Anhebung des europäischen oder des amerikanischen Leitzinses. Hinzu kommen die Spannungen im Südchinesischen Meer. Diese könnten verheerende Auswirkungen auf den globalen Handel haben, warnt die Ratingagentur Fitch.

Viele PMIs zeigten zuletzt eine Stagnation in der Produktion der Industrie weltweit. So fiel der Global Composite Output PMI im Februar auf ein 40-Monats-Tief von 50.8 Punkten. Seitdem ist der Index kaum gestiegen. Im Juni lag er nur bei 51,1 Punkten. Damit war das zweite Quartal in diesem Jahr das schwächste seit dem letzten Quartal 2012. Die ebenfalls gesunkenen Ausgaben bei den Investitionsgütern zeigen, dass die Industrie auch in den kommenden Monaten nicht mit einer besseren Auslastung rechnet.

Besonders interessant könnte es neben den Brexit-Verhandlungen und der allgemein schwachen Aufstellung der Weltwirtschaft vor allem mit Blick auf das Südchinesische Meer werden. Seit Monaten gibt es Spannungen in der Region. Erst diese Woche hat China hier ein neues Militärmanöver gestartet. Die Volksrepublik China hatte nach der Entscheidung des Schiedsgerichts in Den Haag erklärt, sie werde an ihren Souveränitätsrechten festhalten und habe das Recht, über den umstrittenen Gewässern eine Luftverteidigungszone einzurichten. In der Entscheidung hieß es, China habe in den Gewässern keine historischen Ansprüche und verletze mit der Suche nach Öl und Gas Hoheitsrechte der Philippinen. Unter dem Südchinesischen Meer werden reiche Öl- und Gasvorkommen vermutet. Außerdem ist das Gebiet für die Fischerei wichtig und liegt auf der direkten Schifffahrtsroute zwischen Europa und Ostasien. China untermauert seine Ansprüche unter anderem mit der Schaffung künstlicher Inseln. Zudem hält es seit mehreren Jahren philippinische Fischer mit Patrouillenbooten vom Scarborough-Riff fern.

„Sollte sich der Konflikt zuspitzen, wären die Konsequenzen für den Welthandel gigantisch“, zitiert die CNBC Francois Godement, Direktor für Strategie des Asien-Zentrums in Paris und Leiter des Asien-Programms des European Council on Foreign Relations (ECFR). Die „Ratingagentur Fitch warnte ebenfalls vor einer Eskalation: „Die möglichen wirtschaftlichen Implikationen (eines geopolitischen Risikos in Asien) könnten im Falle einer plötzlichen Eskalation verheerend sein.“

Die Region ist für den weltweiten Handel extrem wichtig. Hier verkehren mehr als 5 Billionen des jährlichen Schiffshandelsvolumens. Das entspricht fast einem Drittel des gesamten Handelsvolumens. Müsste die Region umfahren werden, würde das erhebliche Mehrkosten nach sich ziehen und die Schiffe müssten immense Umwege in Kauf nehmen.

Die Schutzmacht Washington werde voraussichtlich mit einer großen diplomatischen Kampagne Pekings Haltung zum Schiedsspruch aus Den Haag angreifen und durch zusätzliche Marinepräsenz unterstreichen, dass die USA Chinas Ansprüche nicht akzeptieren, warnt auch Thomas S. Eder vom Mercator Institute for China Studies (merics). „Es droht eine Eskalationsspirale, wenn China ebenfalls seine Aktivitäten verstärkt, um seine Ansprüche zu unterstreichen.“ Vermehrte Zusammenstöße auf See würden das Risiko militärischer Auseinandersetzungen, etwa durch Fehlreaktionen oder eigenmächtiges Vorgehen vor Ort, erhöhen.

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