G20-Länder sehen sich gewappnet für Brexit-Folgen

Die G20-Staaten sehen der wirtschaftlichen Zukunft nach dem Referendum Großbritanniens relativ gelassen entgegen. Trotz der finanzpolitischen Unsicherheiten wolle man das Vereinigte Königreich zwar gern als Handelspartner behalten, den Austritt des Landes aus der EU jedoch vorantreiben. Die Analyse des abgeschwächten Konjunktur-Wachstums weltweit ergab hingegen keine neuen Erkenntnisse.

Die G20-Gruppe der führenden Schwellen- und Industrieländer sieht sich gut aufgestellt, um die wirtschaftlichen Folgen des britischen Brexit-Votums zu bewältigen. „Der Ausgang des Referendums über die EU-Mitgliedschaft hat zu weiteren Unsicherheiten in der globalen Wirtschaft beigetragen“, heißt es in einem Entwurf des G20-Kommuniques, das der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag vorlag. Mit möglichen wirtschaftlichen und finanzpolitischen Konsequenzen der Entscheidung in Großbritannien könnten die Mitgliedsländer aber umgehen. „Wir hoffen, dass Großbritannien auch künftig ein enger Partner der EU bleibt“, versichern die G20-Länder in der Erklärung.

Kritisch merkten die Staaten der Gruppe an, dass der wirtschaftliche Aufschwung in der Welt schwächer als gewünscht verlaufe. Das Wachstum müsste generell breiter zwischen den Ländern verteilt werden, damit möglichst viele daran teilhaben könnten. Die Risiken für die Weltwirtschaft, auch aus dem politischen Raum, nähmen drastisch zu. Als Beispiele wurden die Flüchtlingskrise, der Terrorismus oder geopolitische Konflikte, etwa im Nahen Osten, genannt. Die G20 versichern, alle Anstrengungen zu unternehmen, um mehr Vertrauen in der Wirtschaft zu schaffen und das Wachstum auf nachhaltiger Basis zu fördern. Grundsätzlich müssten zur Erreichung dieses Ziels alle Politikfelder genutzt werden – die Geld-, die Finanzpolitik und die Strukturpolitik. Die Geldpolitik alleine könne die Probleme nicht bewältigen. Eine entscheidende Rolle komme daher den Strukturreformen zu.

Die G20 erneuerte ihre Zusicherung, sich jedes Abwertungswettlaufs bei ihren Währungen zu enthalten und keine gezielte Wechselkursbeeinflussung zu betreiben, um sich damit Handelsvorteile zu sichern.

Keine Ausgabenprogramme zur Brexit-Folgeabschwächung

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht momentan keinen Grund für Partnerländer Großbritanniens, mit größeren Staatsausgaben die Folgen des Brexit-Votums abzudämpfen. Zur Notwendigkeit solcher Konjunkturimpulse sagte Schäuble nach einem Gespräch mit dem britischen Kollegen Philip Hammond beim G20-Treffen: „Ich glaube, das ist eine Sache, die die Briten selber miteinander machen“. Für die Partner aus EU und G20 sehe er keinen Handlungsspielraum. Auf die Frage, ob mit dem sinkenden Pfund-Kurs nach dem Brexit-Votum neue Gefahren für die Finanzmärkte aufkommen, antwortete er: „Wir haben eigentlich nicht den Eindruck, dass im Augenblick eine besondere Gefahr an den Märkten ist“.

Nun sei es an der britischen Regierung, sich zu überlegen, wie sie den Austritt gestalten wolle“, sagte Schäuble. Sobald dazu eine Entscheidung getroffen sei und der Austritt beantragt sei, könnten die Verhandlungen beginnen. „Darüber hinaus sind wir uns darüber einig, dass wir den Schaden aus dieser Entscheidung so gering wie möglich halten wollen für alle Beteiligten“, sagte der deutsche Minister nach dem Treffen mit seinem britischen Kollegen.

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  1. Martin Schulz, Buchhandlungsgehilfe o.G. sagt:

    Ja, das glaube ich auch.
    Es gehen schließlich nicht alle pleite.
    Nur

    Frankreich,
    Italien,
    Portugal,
    Spanien,
    Griechenland,
    Belgien
    Bulgarien und
    Rumänien.

    Die andern werden überleben. Als Agrarstaaten.