Arbeitgeber-Institut: Bürger müssen bald bis 73 arbeiten

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft fordert eine Heraufsetzung des Rentenalters. Bis zum Jahr 2041 müsste dieses bei 73 Jahren liegen. Die Vorschläge laufen faktisch auf Rentenkürzungen im großen Stil heraus, sagen Beobachter.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) plädiert für eine weitere Heraufsetzung des Rentenalters – und bekommt dafür teils scharfe Kritik zu hören, meldet die dpa. Nur durch längeres Arbeiten könnten steigende Rentenbeiträge und ein sinkendes Rentenniveau vermieden werden, sagte IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt. „Wenn nicht stärker privat und betrieblich vorgesorgt wird, müsste das Eintrittsalter weiter erhöht werden: bis 2030 auf 69 Jahre und bis 2041 auf 73 Jahre.“

Unter Berufung auf neue Daten der Rentenversicherung Bund berichtet das Blatt, dass Ruheständler so lange Rente bezögen wie nie zuvor. Im vergangenen Jahr sei die durchschnittliche Bezugsdauer bei Frauen auf 22,8 Jahre (reguläre Altersrente), bei Männern auf 18,78 Jahre gestiegen. 2010 erhielten Frauen im Durchschnitt noch 22,09 Jahre Rente, Männer 17,51 Jahre.

Angesichts der neuesten Zahlen zu einem längeren Rentenbezug in Deutschland werden in der Union Forderungen nach einem höheren Eintrittsalter laut. „Ich wünsche mir eine klare Kurskorrektur der Bundesarbeitsministerin, die ja die Fakten kennt“, sagte Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

1960 hätten Männer durchschnittlich zehn Jahre Rente bezogen, Frauen durchschnittlich elf Jahre, sagte Fuchs. Heute seien es 19 und 23 Jahre. Eine solche Mehrbelastung halte keine Rentenversicherung auf Dauer aus. „Wir kommen deshalb nicht umhin, das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln“, forderte der CDU-Politiker am Dienstag.

Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) will den Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge quasi als drittes Standbein der Rentenfinanzierung forcieren. Zudem hat sie einen Entwurf für eine Flexi-Rente vorgelegt, der mehr Menschen zum Arbeiten bis zur Regelaltersgrenze motivieren soll. Mittlerweile ist demnach mehr als die Hälfte der 60- bis 64-Jährigen erwerbstätig. Um Ältere möglichst lange im Erwerbsleben zu halten, solle der Übergang in den Ruhestand flexibler werden.

Das Geschäftsführende Vorstandsmitglied der IG Metall, Hans-Jürgen Urban, erklärte: „Bekanntlich führt die Anhebung der Regelaltersgrenze nicht zu einem längeren Verbleib in den Betrieben, sondern zu drastischen Rentenkürzungen.“ Dass die Rentenbezugszeiten länger würden, sei ein bekannter Trend, der den Rentenreformen der letzten Jahre zugrunde liege. Wer jetzt eine drastische Anhebung des Renteneintrittsalters fordere, versuch „ein bekanntes Phänomen zu skandalisieren“.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, kritisierte: „Solche Vorschläge gehen vollkommen an der Realität vorbei. Die Beschäftigungssituation für Ältere ist nach wie vor kritisch. Die meisten haben doch schon Mühe, ihren Job bis 65 oder gar 67 auszuüben. Ältere Menschen müssen am Arbeitsmarkt bessere Chancen bekommen.“ Die Vize-Vorsitzende der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, forderte, die „rentenpolitische Geisterfahrt“ zu stoppen. „Diese schwachsinnige Diskussion muss sofort beendet werden.“

Vor kurzem hatte die deutsche Versicherungswirtschaft deutlich gemacht, dass die Bürger künftig länger bis zur Rente arbeiten müssten als heute. Denn ohne deutlich spätere Rente drohten eine enorme Belastung der Steuerzahler und ein rapides Absinken des Rentenniveaus. Auch die Jugendorganisation der CDU, die Junge Union, dringt darauf, die Rente zukunftsfest zu machen. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) trat für eine Koppelung des Rentenalters an die steigende Lebenserwartung ein.

Kommentare

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  1. Foster sagt:

    Nur wie sollen alle beim Staat unter kommen ? Die Arbeitgeber aus der freien Wirtschaft haben heute schon von den 55 jährigen+ die Schnauze gestrichen voll. Deshalb auch die verstärkende Verlagerung ins Ausland, Dauerbeschäftigung von Leiharbeitern usw.
    Aber macht so weiter, dann sitzen die hälfte mit ende 50 Zuhause, egal was dann einem passiert, ich schliesse mich an.

  2. SELL sagt:

    Mit immer späteren Renteneintrittsalter, werden die Alten praktisch in H4 gezwungen.
    Den H4 war bisher oft billiger als Rente.
    Und H4 gibt es auch erst ab erreichen der Bedürftigkeit (Armut), also müssen immer mehr Alte von Ersparnissen leben, sofern welche vorhanden sind.
    So presst der Stadt viel Geld, für „externe“ Ausgaben.

  3. SELL sagt:

    Und wo endet das Ganze?
    Ggf. bei dynamischen Renteneintrittsalter mit festen Bezug zum durchschnittlichen Sterbealter.
    Z.B. Renteneintrittsalter = durchschnittliches Sterbealter + 5 Jahre.

  4. H. J. Weber sagt:

    Das Problem ist, dass der Michel nicht merkt, dass er ja überhaupt nicht bis über 70 arbeiten soll, sondern er soll seine Erwerbsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit mit dem finanzieren, was er sich privat für die Zeit angespart hat, wenn er in Rente geht.
    Denn wenn der Michel es merken würde, dann würde er seine private Altersversorgung in Edelmetallen Investieren, die bis zu 15.000 Euro pro Kauf anonym gekauft werden können.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber