Deutsche Finanzinstitute in der Krise

Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben im zweiten Quartal sehr schlechte Ergebnisse erzielt. Bei beiden Unternehmen ist der Gewinn stark eingebrochen, was die Erhöhung der Kernkapitalquote erschwert. Diese ist aber entscheidend, vor allem mit Blick auf die Entwicklungen in Italiens Finanzsektor. Hier sind die deutschen Banken generell stark engagiert. Noch in dieser Woche werden die Ergebnisse der neuen Stresstests bekannt. Und den kleinen Banken wie den Sparkassen droht nun ebenfalls ein Stresstest.

Wenige Tage vor Veröffentlichung des Banken-Stresstests des EU-Aufsehers EBA sind die Anleger nervös. Die Finanzinstitute müssen erneut beweisen, dass ihre Kapitalpolster ausreichend dick sind, um eine neue Finanz- oder Wirtschaftskrise abzufedern. Die größten Sorgenkinder sind dabei die italienischen Banken, die auf einem 360 Milliarden Euro hohen Berg fauler Kredite sitzen. Das sind ein Drittel aller Problem-Darlehen in der Euro-Zone.

Die deutsche Banken geraten aber auch immer stärker in den Fokus. Sie haben nach Frankreich die zweithöchsten Verbindlichkeiten in den italienischen Bankensektor: 90 Milliarden Euro. Das italienische Bankensystem wackelt seit mehr als 6 jahren, doch in den letzten fünf Monaten hat sich die Situation zugespitzt, denn der italienische Staat allein hat nicht genug Reserven, um die eigenen Banken zu stützen. Zumal letztere auch noch der größte Gläubiger Italiens ist.

Ein deutsches Problemkind ist die Commerzbank. Der Überschuss der Commerzbank brach im zweiten Quartal um ein Drittel auf 209 Millionen Euro ein. Negativ werteten Investoren außerdem den überraschenden Rückgang der Kernkapitalquote auf 11,5 Prozent. „Allerdings liegt die Quote immer noch komfortabel über der Mindestkapitalanforderung der EZB für 2016, so dass wir derzeit kein steigendes Risiko für eine etwaige Kapitalerhöhung sehen“, betonte Experte Markus Rießelmann vom Analysehaus Independent Research. Ende März waren es noch 12,0 Prozent. Die Europäische Zentralbank will bei der Commerzbank bis 2019 eine Quote von 11,75 Prozent sehen. Der Grund für den jüngsten Rückgang: Offenbar bewertete die Commerzbank ihre Bilanzrisiken bislang zu lax – und musste nachbessern. Höhere Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen hinterließen ebenfalls Spuren.

Die Deutsche Bank enttäuschte ebenfallsmit ihrem Ergebnis vom zweiten Uqartal. Der Gewinn schrumpfte um 98 Prozent. . Am größten war der Einbruch im wichtigen Wertpapierhandel, wo die Deutsche Bank von ihren US-Rivalen zunehmend abgehängt wird. Hier gingen die Erträge um fast 30 Prozent zurück. Vorstandschef John Cryan erklärte, der anhaltende Umbau der Bank schlägt sich in den Ergebnissen wider. Die Deutsche Bank kommt angesichts magerer Gewinne mit der Stärkung ihrer Kapitaldecke nicht voran. Ende Juni kam das Frankfurter Geldhaus auf eine harte Kernkapitalquote (CET1) von 10,8 Prozent, wie es am Mittwoch mitteilte. Drei Monate zuvor waren es 10,7 Prozent, ein Jahr zuvor war die Bank allerdings noch auf 11,4 Prozent gekommen. Die Deutsche Bank setzt darauf, dass der schon vereinbarte Verkauf ihres 20-Prozent-Anteils an der chinesischen Bank Hua Xia die Kernkapitalquote um 0,4 Prozentpunkte aufbessern wird. Mit der Genehmigung der chinesischen Behörden sei bis September zu rechnen.

Weit entfernt von ihren Zielen ist die Deutsche Bank auch bei der Verschuldungsquote. Mit 3,4 Prozent tritt die Leverage Ratio auf der Stelle. Sie liegt zwar über den bisherigen Mindestanforderungen, die Bank will die Kennziffer bis 2018 auf 4,5 Prozent schrauben, weil sie für eine verschärfte Regulierung gewappnet sein will.

Aber auch bei den kleineren Finanzinstituten läuft es nicht wi geplant. Und die neuen Vorschriften zu Wohnimmobilienkrediten drücken hier zusätzlich aufs Bremspedal. „Der Gesetzgeber ist hier übers Ziel hinausgeschossen“, sagte der Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg, Peter Schneider. An einigen Punkten müsse das Gesetz nachgebessert werden. Seit ab Ende März die neuen Vorgaben gelten, sei die Kreditvergabe an Häuslebauer und -käufer im Südwesten um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 2,58 Milliarden Euro eingebrochen. Im zweiten Halbjahr werde das Minus voraussichtlich kleiner. Der Bundestag habe bei der Umsetzung einer entsprechenden EU-Richtlinie unnötig viel draufgesattelt, kritisierte der Sparkassenpräsident. Der Wert der finanzierten Immobilie darf nun nicht mehr so stark berücksichtigt werden wie in der Vergangenheit. Banken müssen sich somit vor allem an der Finanzkraft und dem Alter des Kreditnehmers orientieren. Vor allem Rentner hätten damit Schwierigkeiten, an Darlehen zu kommen.

Darüber hinaus ist ein Strestest für kleinere, deutsche Banken in Planung. Die Bundesbank will im kommenden Jahr zusammen mit der Finanzaufsicht BaFin prüfen, wie 1500 kleine und mittelgroße Banken in der Bundesrepublik mit den Belastungen durch rekordniedrige Zinsen zurechtkommen. Der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) mahnt dabei Augenmaß an. Für kleinere Banken sei ein solcher Test mit hohem Aufwand verbunden, sagte BVR-Vorstand Gerhard Hofmann. „Insofern müssen Nutzen und Kosten sorgfältig abgewogen werden.“ Die Behörden hatten Volks- und Raiffeisenbanken, Sparkassen und kleine Privatbanken bereits 2015 einem Mini-Stresstest unterzogen. Die nun anstehende Überprüfung soll auf den Geschäftszahlen der Institute 2016 basieren. Die Test-Ergebnisse sollen im zweiten Halbjahr 2017 veröffentlicht werden.

Kommentare

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  1. FRanz Josef sagt:

    DB: VB/EK=1664/68=24,4 *70Billionen Derivate

  2. Mazi sagt:

    Die Bankenaufsicht ist schon eine gute Sache, aber das rechtfertigt nicht, die Kosten-/Nutzen-Frage nicht zu stellen.

  3. Rudolf Steinmetz sagt:

    DIE BANKEN wollen nun auf Kosten der Steuerzahler ihre GIFT-PAPIERE loswerden.
    DAS IST KEIN Zufall sondern gut geplant.
    MÖGLICHE Gewinne sind Off-Shore ausgelagert.
    FRAG nach bei MERKEL!