Österreich: Größter Stromkonzern findet keinen Weg aus der Krise

Österreichs größter Stromkonzern Verbund hat im zweiten Quartal aufgrund von Wertberichtigungen infolge der gesunkenen Strom-Großhandelspreise einen unerwartet hohen Gewinnrückgang verbucht.

Unter dem Strich brach der Konzerngewinn von Verbund um fast die Hälfte auf 71,5 Millionen Euro von 133 Millionen Euro im Vorjahresquartal ein, wie das Wiener Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Nettogewinn von 91,2 Millionen Euro gerechnet.

Den Wienern machten vor allem die niedrigen Strom-Großhandelspreise zu schaffen, die sich laut Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber auch nicht so schnell erholen werden. Manche Investitionen rechnen sich nun nicht mehr: Das Gas-Kraftwerk Mellach, dessen Bau den Konzern rund 550 Millionen Euro gekostet hatte, steht nach zahlreichen Abschreibungen noch mit 17 Millionen Euro in den Büchern.

Verbund prüft für dieses Werk weiterhin alle Optionen. „Wir gehen davon aus, dass wir bis Jahresende eine Richtungsentscheidung treffen können“, sagte Anzengruber. Bis dann soll entschieden werden, ob das Kraftwerk verkauft, eingemottet oder einzelne Komponenten verkauft werden.

Es gebe zwar Interessenten, ein Verkauf sei aber keineswegs eine beschlossene Sache, sagte Anzengruber. Das Kraftwerk, dessen Investitionskosten sich ursprünglich auf rund 550 Millionen Euro belaufen haben, hat laut Finanzchef Peter Kollmann nach zahlreichen Wertberichtigungen noch einen Buchwert von rund 17 Millionen Euro. Wie viele Interessenten es für das Kraftwerk in der Steiermark gibt, wollte Anzengruber nicht sagen. Laut einem Insider hat unter anderem der Essener Stromkonzern Steag Interesse an dem Kraftwerk. Medienberichten zufolge soll auch der Energiekonzern ContourGlobal interessiert sein.

Auf seine rumänischen Windparks schrieb Verbund 57 Millionen Euro ab. Auch bei den Wasserkraftwerken Gössendorf und Kalsdorf fielen Wertberichtigungen an. Insgesamt beliefen sich die Wertminderungen im zweiten Quartal auf 90 Millionen Euro, wie Finanzchef Peter Kollmann sagte. Im Vorjahr hatte Verbund noch von positiven Einmaleffekten profitiert.

Daneben spürte Verbund die niedrige Wasserführung der Flüsse, was die Stromerzeugung schmälerte. Verbund besitzt 126 Wasserkraftwerke an großen Flüssen wie der Donau in Österreich und Bayern. Je mehr Wasser in den Flüssen fließt, desto besser ist die Auslastung der Wasserkraftwerke.

Als Reaktion auf die stark gefallenen Strom-Großhandelspreise hat Verbund seit 2013 wiederholt Sparprogramme aufgelegt und hunderte Arbeitsplätze gestrichen. Bis 2020 sollen weitere 175 Stellen wegfallen, wie das Unternehmen ankündigte. Die Investitionen im Zeitraum 2016 bis 2019 werden auf knapp eine Milliarde Euro gesenkt. Davon sollen 400 Millionen Euro in Wachstum investiert werden, rund 560 Millionen Euro fließen in die Instandhaltung der Anlagen, wie Anzengruber sagte.

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