Online-Konkurrenz setzt Einzelhandel unter Druck

Mit einem Plus von 1,2 Prozent konnte der österreichische Einzelhandel in den ersten sechs Monaten erneut ein Umsatzplus verbuchen. Allerdings wird dieser vor allem von der Kosmetik- und Lebensmittelbranche getragen. Im EU-Vergleich liegt der österreichische Einzelhandel mit dem Ergebnis auch deutlich unter dem Schnitt.

Der österreichische Einzelhandel kämpft mit der großen Konkurrenz aus dem Internet. Im ersten Halbjahr ist der Umsatz nominell um 1,2 Prozent gestiegen: von 32,4 auf 32,8 Milliarden Euro brutto. Real lag das Wachstum jedoch lediglich bei 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau. Allerdings konnten nur 43 Prozent der Einzelhandelsgeschäfte in den ersten sechs Monaten ein nominelles Umsatzwachstum erreichen. Bei 42 Prozent gingen die Erlöse zurück, wie die aktuellsten Daten der KMU Forschung Austria zeigen.

Der größte Wachstumstreiber war dabei der Lebensmitteleinzelhandel, wenngleich dieser auch weniger stark gewachsen ist als im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres. „Ausschlaggebend für den Aufwärtstrend im I. Halbjahr 2016 sind aber auch die umsatzstarken Branchen Elektroeinzelhandel und Einzelhandel mit Bau- und Heimwerkerbedarf“, so das Institut. Die positiven Effekte der Steuerreform sind den Wissenschaftlern zufolge aber noch nicht in den aktuellen Zahlen wiederzufinden.

Die Umsätze im Einzelhandel mit Lebensmitteln stiegen demnach um 2,2 Prozent, die mit Büchern und Schreibwaren um 1,9 Prozent und mit Elektrogeräten um 1,8 Prozent. Rückgänge im Umsatz gab es bei den Spielwaren, der Bekleidung, den Sportartikeln sowie bei den Einzelhändlern von Uhren und Schmuck. Im europäischen Vergleich schneidet der österreichische Einzelhandel dann auch schlecht ab. Das deflationäre Umsatzwachstum des EU-Einzelhandels lag Eurostat zufolge in den ersten sechs Monaten bei 2,87 Prozent, in Österreich bei 0,8 Prozent.

Die Online-Konkurrenz für den Einzelhandel ist riesig. Zwar gibt es im Lebensmittelbereich mittlerweile auch Online-Anbieter, aber diese sind bei weitem noch nicht so stark akzeptiert wie in anderen Branchen. Und so ist im vergangenen Jahr auch die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte weiter zurückgegangen: um 1.400 auf 38.500 (-4 Prozent). Die Verkaufsfläche sank demnach das dritte Jahr in Folge und ist niedriger als noch vor zehn Jahren. „Aus dem Markt ausgeschieden sind vor allem wieder inhabergeführte Einstandort-Unternehmen“, so die Wissenschaftler. „Der Verdrängungswettbewerb trifft aber auch filialisierte Einzelhändler, wie die Großinsolvenz einer Lebensmitteleinzelhandelskette 2015 gezeigt hat.“ Und weiter:

„Nach dem Rückgang der Konzentration 2013 sind für 2014 und auch für 2015 wieder steigende Konzentrationstendenzen festzustellen. Mittlerweile werden 39 Prozent der Einzelhandelsgeschäfte in Österreich von filialisierten Einzelhandelsunternehmen betrieben (Filialisierungsgrad), die in Summe erstmals 66 Prozent der gesamten Einzelhandelsverkaufsfläche auf sich vereinen (Filialflächenanteil). Beide Konzentrationsmaße – Filialisierungsgrad und Filialflächenanteil – erreichten 2015 die höchsten Werte der letzten Dekade. In allen Top-Branchen steigt 2015 der Filialisierungsgrad. Überdurchschnittliche hohe Konzentrationstendenzen weisen wiederum die Drogerien/Parfümerien, der Lebensmitteleinzelhandel sowie die modischen Branchen auf.“

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