Stresstest: Raiffeisen-Aktien nach Ergebnis auf Talfahrt

Nach Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse haben sich die Anleger von Aktien der Raiffeisen Bank International (RBI) getrennt. Die RBI-Papiere brachen am Montag an der Wiener Börse um mehr als neun Prozent ein. Auch die Deutsche Bank und die Commerzbank schnitten nicht so gut ab.

Die RBI-Mutter Raiffeisen Zentralbank (RZB) kam beim europäischen Bankenstresstest am Freitag nur auf den vorletzten Platz. Die harte Kernkapitalquote würde in einem Stress-Szenario auf 6,12 Prozent von 10,2 Prozent Ende 2015 schrumpfen. Anders als 2014 gab es beim diesjährigen Test zwar keine bestimmte Mindestlatte – die Banken konnten also auch nicht durchfallen. Allerdings beäugen Analysten alle Institute kritisch, deren Quote unter sieben Prozent fällt.

Die Stärkung des Eigenkapitals sei eines der wesentlichen Ziele, teilte die RZB-Gruppe nach der Veröffentlichung des Stresstest mit. Die RBI bestätigte ihr Vorhaben, bis Ende 2017 die harte Kernkapitalquote auf mindestens zwölf Prozent zu steigern. Erreicht werden soll dies mit einem umfassenden Konzernumbau. Die angekündigten Schritte, zu denen unter anderem die Geschäftsverkleinerung in Russland und in der Ukraine zählen, sollen die harte Kernkapitalquote um insgesamt 2,4 Prozentpunkte verbessern, geht aus einer Präsentation der Bank hervor. Einen großen Effekt erwartet das Institut durch einen Verkauf der polnischen Tochter Polbank. Die Kapitalquote soll sich dadurch um einen Prozentpunkt erhöhen.

Die deutschen Privatbanken brauchen nach Einschätzung ihres Branchenverbands BdB nach dem europaweiten Stresstest keine Kapitalerhöhungen. Die Kapitalquoten der Geldhäuser hätten auch bei einer simulierten Krise über den gesetzlichen Mindestanforderungen gelegen, sagte BdB-Geschäftsführer Dirk Jäger am Montag in Frankfurt. „Deshalb ergibt sich unmittelbar kein Handlungsbedarf.“ Die Deutsche Bank und die Commerzbank waren unter den 51 geprüften europäischen Instituten unter den letzten zehn gelandet.

„Man kann jetzt schwer sehen, welche Schlüsse die EZB daraus zieht“, betonte Jäger. Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Stresstest-Resultate berücksichtigen, wenn sie den Instituten gegen Jahresende individuelle Kapitalvorgaben macht. Diese setzen sich ab diesem Jahr zusammen aus einer Mindestquote (die sogenannte SREP-Quote), die Banken auf jeden Fall erfüllen müssen, und einem empfohlenen zusätzlichen Puffer. Die Stresstest-Ergebnisse sollen in erster Linie beim empfohlenen Puffer berücksichtigt werden. Diesen müssen Banken jedoch nicht veröffentlichen, wie Jäger erklärte. Das sei in Großbritannien auch so – und werde dort von Investoren akzeptiert.

Dass die Landesbanken beim Stresstest allesamt besser abschnitten als Deutsche Bank und Commerzbank, führt Jäger vor allem auf die „schlechtere Ausgangsposition“ der Großbanken bei der Kapitalquote zurück. Zum anderen seien die privaten Institute im Stresstest wegen ihres Geschäftsmodells härter getroffen worden. Im Krisen-Szenario mussten Banken simulieren, dass es an allen Ecken gleichzeitig brennt, was nach Einschätzung von Experten Universalbanken benachteiligt hat. Aus Sicht von Jäger ist die Kernkapitalquote, die Banken im Stressszenario ausweisen, auch nicht die entscheidende Zahl. Wichtiger sei, wie stark die Quote im Stress gesunken sei. „Die Sensitivität ist fast wichtiger als der absolute Betrag, so lange der absolute Betrag ausreichend ist.“

So sieht es auch das deutsche Finanzministerium. „Insgesamt zeigen die Stresstest-Ergebnisse, dass die deutschen Institute auch für die im Stresstest simulierten erheblichen Verschlechterungen der weltwirtschaftlichen Lage ausreichend Polster gebildet haben“, sagte eine Sprecher des Finanzministeriums am Montag in Berlin. Die durchschnittliche Kapitalisierung der deutschen Banken liege oberhalb des Durchschnitts der europäischen Institute.

Die Deutsche Bank hält die juristischen Altlasten für den Hauptgrund für ihr schlechtes Abschneiden im europäischen Banken-Stresstest. Die sogenannten operationellen Risiken, zu denen Fehlverhalten von Mitarbeitern und unzureichende Kontrollen gehören, waren erstmals in den Stresstest einbezogen worden. „Dazu schreiben die Tester die Vergangenheit in die Zukunft fort“, erläuterte Risikovorstand Stuart Lewis der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ in einem Interview. Rechtsfälle haben die Bank seit 2012 mehr als zwölf Milliarden Euro gekostet. „Daran leiden wir bis heute, haben aktuell 5,5 Milliarden Euro dafür zurückgestellt. Wenn andere im Stresstest besser abschneiden, ist das der Grund“, sagte Lewis.

 

 

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