Viele Sparkassen Gelder in riskanten Märkten an

Viele Sparkassen werden ihrem Auftrag, die regionale Wirtschaft mit Krediten zu versorgen, offenbar immer weniger gerecht. Eine Studie kommt zu dem Schluss, dass die Mittel der Kunden stattdessen zunehmend an den Wertpapier- oder Aktienmärkten investiert werden. Einige Institute würden ohne diese Anlagen rote Zahlen schreiben. Dies geht aus einer kürzlich erschienen Studie hervor, welche das Anlageverhalten aller 413 deutschen Sparkassen im Jahr 2014 untersucht hat.

Demnach verwenden 72 Sparkassen (17 Prozent) weniger als die Hälfte ihrer Bilanzsumme für die Kreditvergabe. Bei acht Instituten liegt diese Quote unter 30 Prozent, berichten die Autoren der Studie. Stattdessen würden die Gelder der Kunden überwiegend in Schuldverschreibungen wie beispielsweise Anleihen angelegt.

„Diese Anlagepolitik hat mit der Erfüllung des gesetzlich verankerten öffentlichen Auftrags der Versorgung der regionalen Wirtschaft mit Krediten nichts mehr zu tun“, sagt Prof. Dr. Ralf Jasny von der Frankfurt University of Applied Sciences. „Es entsteht der Eindruck, dass sich manche Sparkassen mehr auf den Wertpapierhandel konzentrieren als auf das Kreditgeschäft mit regionalen Kunden. Die Filialschließungen vielerorts passen hier ins Bild.“

Auch in spekulative Anlageinstrumente wird den Autoren der Studie zufolge investiert. Rund 10 Prozent aller Sparkassen hätten 2014 mehr als 15 Prozent ihrer Bilanzsumme in Aktien und andere nicht festverzinsliche Formen der Geldanlage investiert. „Diese Sparkassen bewegen sich auf gefährlichem Terrain. Ohne die Erträge aus den fremdgemanagten spekulativen Wertpapieranlagen müsste jede achte Sparkasse in Deutschland operativ einen Verlust ausweisen. Es handelt sich dabei um ein Strukturproblem einzelner Sparkassen, das das ursprüngliche Geschäftsmodell in Frage stellt“, sagt Jasny.

 

Kommentare

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  1. Berthold Leibinger sagt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Leibinger,

    das hat mich schon beim Bereinigen um außerordentliche Gewinne (DVFA) der Volks- und Raiffeisenbanken und Sparkassen für die Rentenbank FFM gewundert.

    Der Stoß Volks- und Raiffeisenbanken war von mir nach 6 Wochen abgearbeitet. Für die Sparkassen war dann die, aus der Krankenzeit zurückgeholte humpelnde allein erziehende Sachbearbeiterin zuständig.

    Bei Nachfrage nach dem „der Erfüllung des gesetzlich verankerten öffentlichen Auftrags der Versorgung der regionalen Wirtschaft mit Krediten“ hat man mich nur blöd angeschaut.

    Mit freundlichen Grüßen

    Björn Zillig

  2. Brigitte sagt:

    Wer hat denn diese Studie herausgebracht?

    Banken benötigen das Geld der Anleger nicht um potentiellen Schuldnern Kredite zu geben. Es reicht zunächst ein Buchung innerhalb der Sparkasse und zwar Forderung gegenüber dem Kunden an Verbindlichkeit gegenüber dem Kunden und schwuppdiwupp erscheint auf dem Konto des Kunden ein Guthaben.

    Ausgehende und eingehende Zahlungen von Banken werden im Tagesverlauf gegengerechnet (Clearing, Netting), so das lediglich ein kleiner Saldo am Ende des Tages Banken belastet bzw. gutgeschrieben wird. Insofern werden auch hier die Gelder der Sparer kaum benötigt.

    Richtig jedoch ist, dass durch das Aufkaufprogramm der EZB und anderer Zentralbanken sehr viel Geld im Umlauf ist, welches eine sichere Anlagemöglichkeit sucht. So haben auch die Sparkassen unter der Politik der EZB zu leiden.

    Hinzu kommt, dass es vielen Personen, aufgrund mangelnder Sicherheiten, nicht mehr möglich ist einen Kredit zu erhalten. So möchte man die Anforderungen für einen Immobilienkredit verschärfen, nicht bedenkend dabei, dass doch Schuldner zur Entstehung von Gewinn benötigt werden. Na denn :-(

    Möchte nun der/die Schreiber dieser Studie Druck auf die Sparkassen ausüben, damit diese ihre Schleusen öffnen, Gelder „ausschütten“ und ihre Aktiva mit Ramschpapieren ala Immobilienkredite der USA füllen? Nun ja, vielleicht kann ja dann Herr Asmussen bei der Weiterverbriefung ein Wörtchen mitreden.