Schweizer Notenbank erwägt Eingriff

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) sieht nach den Worten ihres Präsidenten Spielraum für weitere Eingriffe in den Devisenmarkt. Die aktuelle Lage sei schwierig, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan auf einer Zentralbanken-Konferenz auf der indonesischen Insel Bali. Er verwies dabei unter anderem auf einen überbewerteten Franken und eine negative Inflationsrate.

„Die gegenwärtige Herangehensweise ist die richtige: Expansion in der Geldpolitik und eine Bereitschaft zu intervenieren“, sagte Jordan. Die SNB will verhindern, dass sich der Franken zum Euro weiter aufwertet. Denn dies ist Gift für die stark exportorientierte Wirtschaft des Landes.

Die Notenbank stemmt sich schon seit längerem mit milliardenschweren Devisengeschäften gegen eine zu starke Franken-Aufwertung. Zuletzt griff sie ein, als die Währung unmittelbar nach dem Brexit-Votum der Briten an Wert gewann. Anders als sonst üblich machte die SNB das diesmal öffentlich. Der Franken gilt bei Investoren als sicherer Hafen und ist daher bei Anlegern in turbulenten Zeiten besonders gefragt.

Wertzuwächse vor allem im Devisenportfolio haben der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im ersten Halbjahr zu einem Gewinn von 21,3 Milliarden Franken verholfen. Neben der günstigen Entwicklung an den Devisenmärkten profitierte die Notenbank Angaben zufolge auch vom gestiegenen Wert ihrer Goldbestände. Vor einem Jahr war noch ein Verlust von 50,1 Milliarden Franken angefallen. Die Ergebnisentwicklung der Zentralbank hängt maßgeblich von ihrem rund 600 Milliarden Franken schweren Fremdwährungsportfolio ab, dass sie über ihre Stützungskäufe am Devisenmarkt sukzessive ausgeweitet hat.

Wie die SNB hat sich nun auch die britische Zentralbank dazu entschieden, mit geldpolitischen Maßnahmen die nationale Wirtschaft zu stützen. Erstmals seit sieben Jahren hat die Bank of England ihren Leitzins gesenkt: von 0,5 auf 0,25 Prozent. Zudem stockte sie ihr Staatsanleihen-Kaufprogramm um 60 Milliarden auf 435 Milliarden Pfund (514 Milliarden Euro) auf. Bei allen beschlossenen Maßnahmen gebe es Spielraum für eine Ausweitung, sagte Gouverneur Mark Carney von der Bank of England. Er machte aber deutlich: „Ich bin kein Fan negativer Zinsen.“ Carney fügte hinzu, es gebe für ihn kein Szenario, in dem er einen solchen Schritt erwägen würde. Vielmehr gebe es andere Möglichkeiten, bei Bedarf für weitere Impulse zu sorgen. Carney appellierte an die Banken, die Zinssenkung an ihre Kunden weiterzureichen. Für die Institute gebe es „keine Ausrede“, dies nicht zu tun.

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