Schweiz droht Atomausstieg zu verfehlen

Die Energiestrategie 2050 sieht einen rapiden Ausstieg aus der Atomenergie vor. Doch es gibt nicht ausreichend Alternativen für den Strom. Wind- und Solarenergie reichen dem Think Tank Avenir Suisse zufolge nicht aus. Stromimporte würden notwendig und weitere Subventionen für Erneuerbare Energien wären die Folge.

Im Zuge der Ereignisse von Fukushima hat nicht nur Deutschland einen neuen Weg in Sachen Kernenergie eingeschlagen. Auch die Schweizer Politik entschied sich für einen Abschied. Doch es zeigt sich, dass hier möglicherweise vorschnell gehandelt wurde. Die „Energiestrategie 2050“ sieht vor, dass bis 2035 alle Kernkraftwerke der Schweiz abgestellt werde sollen.

Ein Blick auf die bis jetzt gebauten und noch geplanten neuen Windräder und Solaranlagen zeigt jedoch, dass die gänzliche Abschaltung der Werke nicht möglich sein würde, wenn die Schweiz sich weiterhin selbst hauptsächlich mit Strom versorgen soll. Zwar sollen 2035 mehr als 500 Windraftanlagen gebaut und etwa 50km² mit Photovoltaik-Anlagen gepflastert werden, „die bis dahin zugebauten, erneuerbaren Energiequellen, schwergewichtig Photovoltaik- und Windkraftanlagen, könnten aber dannzumal selbst im günstigsten Fall nur rund ein Drittel des Nuklearstroms ersetzen“, so der Think Tank Avenir Suisse.  Um die Stromversorgung sicherzustellen, müssten also Stromimporte und nationale Gaskraftwerke aushelfen. „Die CO2-Bilanz des im Inland konsumierten Stroms würde sich verschlechtern, was mit Blick auf die Emissionsziele der Schweiz durch weitere Lenkungsmaßnahmen in anderen Energiebereichen aufgefangen werden müsste.“

Zusätzlich dazu dürften weitere Subventionen für die Erneuerbaren Energien die Staatskassen belasten. Zwar sind die Produktionskosten der Wind- und Photovoltaikanlagen gesunken, doch die in Europa und besonders in Deutschland verbreiteten Subventionen für Erneuerbare Energien hätten generell zu einem künstlich tiefen Preisniveau im Großhandel geführt. Viele Anlagen sind noch immer nicht ausreichend rentabel, wichtige Investitionen wurden aufgeschoben. Es drohe daher ein Teufelskreis der Subventionen.

Der Versuch, staatlich eine Technologiewende herbeizuführen, ist dem Think Tank zufolge ein riskantes Spiel. Vor allem dann, wenn bisher wenige Großkraftwerke den Strom produzierten, aber eine stärkere Dezentralisierung gefordert sei. Tatsächlich müsste neben den zu erwartenden Subventionen auch mit höheren Kosten durch neue Anforderungen an den Netzausbau gerechnet werden. „Gleiches gilt für die Kosten der Zwischenspeicherung des nicht bedarfsgerecht anfallenden Sonnen- und Windstroms.“ In beiderlei Hinsicht gehe die „Energiestrategie 2050“ – analog zur Wirtschaftlichkeitsentwicklung von Erneuerbaren Energien – von optimistischen Annahmen aus. Staatlich verordnete „Technologiewenden“ seien daher besonders in infrastrukturlastigen Sektoren riskante und potenziell sehr kostspielige Wissensanmaßungen.

Kommentare

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  1. Jürgen Baumann sagt:

    Wissenschaft sagt was ist. Politik sagt was sein soll. Insofern ist der Schweizer Weg weg von fossilen und nuklearen Energieträgern nur konsequent um die Abhängigkeit von über 70% bei der Energie heute zu reduzieren. Eine temporäre Zunahme der Importe beim Strom ist tolerierbar und kommt allen Produzenten entgegen.

  2. ASasse sagt:

    Sehr lustiger Werbetext der Atomlobby. Das erinnert mich daran, dass die Atomlobby in Deutschland vor etwa 20 Jahren behauptet hat, aus physikalischen Gründen könne in Deutschland nie mehr als rund 4% des Stromes aus erneuerbaren Energien stammen. Heute sind es fast 40%.

    Wenn die Atomlobby selbst glaubt, dass sie die Erneuerbaren stoppen könnte oder ernsthaft erst in rund 20 Jahren in der Schweiz keine AKW mehr laufen, dann läuft sie Gefahr, die technische Entwicklung zu verpassen – und wie in Deutschland die RWE an der eigenen Verblendung zu Grunde zu gehen. Selbst wenn die uralten schweizerischen AKW bis 2035 (!) hoffentlich ohne größere Störungen laufen sollten.

    • Christian Wetzel sagt:

      Wasserkraft hatte schon vor 20 Jahren einen Anteil > 4%, die Aussage hat es so nie gegeben.

    • Markus Saurer sagt:

      Aber sicher ist fast alles machbar. Allerdings um den Preis eines markant sinkenden Realeinkommens. Und peinlich mutet an, das trotz Wind und Sonne in Deutschland die CO2-Belastung der Stromproduktion steigt und steigt und steigt….