Azubis fehlen: Gewerkschaftsbund mahnt Qualität der Lehre

Restaurantfachleute, Fleischer, Lebensmittelfachverkäufer: Für diese Berufe lassen sich zu wenige junge Leute begeistern. Kritisiert werden Arbeitszeiten und der Umgangston. Tausende Lehrstellen bleiben unbesetzt.

Derzeit starten wieder zehntausende junge Menschen eine Berufsausbildung. Doch auch dieses Jahr dürften viele Lehrstellen unbesetzt bleiben. Vom Nachwuchsmangel besonders betroffen sind das Hotel- und Gaststättengewerbe oder das Lebensmittelhandwerk. Beide Branchen gelten für eine Ausbildung bei Jugendlichen als eher unattraktiv – vor allem wegen Arbeitszeiten, der Belastung und niedrigen Lohnes. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ruft die Unternehmen auf, gerade dort die Qualität der Lehre hochzuhalten.

Grund dafür sind Klagen aus Reihen der Auszubildenden, auf die sich die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack bezieht. „Die jungen Menschen beklagen eine schlechte fachliche Ausbildung, einen rüden Umgangston und Verstöße gegen den Jugendarbeitsschutz“, sagte die Gewerkschafterin der Deutschen Presse-Agentur. Es sei kein Wunder, wenn die Jugendlichen einen großen Bogen um diese Betriebe machten. „Wer junge Menschen für eine Ausbildung in einem Betrieb gewinnen will, muss ihnen eine gute Ausbildung und vernünftige Entwicklungsperspektiven bieten“, forderte Hannack.

Arbeitgebervertreter wiesen die Kritik zurück: „Permanent bringe der DGB die Branche in Misskredit“, klagte die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Ingrid Hartges. Die Realität sehe anders aus. „Natürlich gibt es vereinzelt schwarze Schafe – die werden aber auch keine Azubis bekommen.“ Der Zentralverband des Handwerks hielt die Vorwürfe ebenfalls für haltlos.

Zuletzt blieben überdurchschnittlich viele Ausbildungsplätze im Hotel- und Gaststättengewerbe oder dem Lebensmittelhandwerk frei, wie Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) ergaben. Die größten Besetzungsprobleme gab es demnach für Ausbildungen im Restaurantfach, zum Fleischer oder Lebensmittelfachverkäufer. In der Top Ten der Ausbildungsberufe mit besonders vielen freien Lehrstellen waren zudem Koch oder Bäcker vertreten.

„Wir müssen aber mehr denn je in die Qualität der Ausbildung investieren“, forderte Hartges mit Blick auf die vielen unbesetzten Lehrstellen. Gründe dafür sieht die Dehoga-Hauptgeschäftsführerin vor allem in der hohen Zahl junger Menschen, die sich nach der Schule eher für ein Studium statt für eine Ausbildung entscheiden.

Im vergangenen Jahr sank die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im Vergleich zu 2014 erneut leicht auf gut 522.000 (Stichtag 30. September). Deutschlandweit blieben in allen Branchen rund 41.000 Lehrstellen frei. Nach Daten des BIBB konnten in der Tourismus-, Hotel- und Gaststättenbranche 2015 gut 5000 Ausbildungsstellen nicht besetzt werden, in der Lebensmittelherstellung mehr als 4500. Zahlen für dieses Jahr liegen noch nicht vor.

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