Brexit-Shock bleibt aus: Briten shoppen mehr

Entgegen aller Erwartungen hat sich der Konsum innerhalb Großbritanniens im Juli gesteigert. Investoren bleiben jedoch weiterhin kritisch. Die Folgen des Referendums werden erst in einiger Zeit sichtbar sein.

Ungeachtet des Brexit-Votums laufen die Geschäfte der Einzelhändler in Großbritannien gut. Begünstigt von Rabattaktionen und strahlendem Sommerwetter legten die Ausgaben der Verbraucher im Juli zum Vorjahr um 1,9 Prozent zu, wie der Wirtschaftsverband der Einzelhandelsunternehmen (BRC) am Dienstag mitteilte. Das ist das dickste Plus seit sechs Monaten. Auch Branchengrößen wie Next und Tesco berichteten zuletzt, dass sie keine Folgen des Anti-EU-Referendums vom Juni spüren. Für BRC-Chefin Helen Dickinson ist dies wenig überraschend: „Für die meisten Haushalte hat sich seit dem 23. Juni im Kern doch wenig verändert.“

Vor dem Brexit-Schock in Großbritannien haben die Fabriken auf der Insel über Monate sogar auf Hochtouren produziert. Sie steigerten den Ausstoß von April bis Juni gegenüber dem Vorquartal um 2,1 Prozent, wie aus Daten des Nationalen Statistikamtes ONS hervorgeht. Dies ist der größte Zuwachs seit 1999. Die Briten hatten am 23. Juni mehrheitlich gegen den Verbleib in der EU gestimmt. „Die Unsicherheit in der Zeit vor dem Referendum hat sich anscheinend kaum auf die Produktion ausgewirkt. Nur für sehr wenige in unserer Umfrage war das ein Thema“, betonte ONS-Chefökonom Joe Grice.

Derzeit ist allerdings unklar, ob das Land nach dem geplanten Brexit noch Zugang zum EU-Binnenmarkt haben wird. Die Industrie ging laut Forschungsinstitut Markit im Juli bereits rasant auf Talfahrt. Die Notenbank des Landes und auch viele Experten erwarten, dass sich die Unsicherheit über die künftige wirtschaftliche Verankerung des Vereinigten Königreichs bei den Investitionen bemerkbar machen wird. Die Verbraucher dürften erst später von den Folgen des Referendums erfasst werden, falls der Verfall der Landeswährung Pfund die Inflation anheizen und womöglich die Arbeitslosigkeit in die Höhe treiben sollte.

Premierministerin Theresa May hat angekündigt, die Wirtschaft mit einer neuen Industriepolitik fit für die Zeit nach dem EU-Austritt zu machen. Zudem hat sich die Bank of England (BoE) diesen Monat zu einer historischen Zinssenkung durchgerungen und den Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gekappt. Dies muss jedoch noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, wie BoE-Führungsmitglied Ian McCafferty signalisierte. Er schließt eine weitere Lockerung der Geldpolitik nicht aus, sollte sich die Lage der heimischen Wirtschaft verschlechtern. So könnten die Zinsen noch weiter in Richtung null Prozent gesenkt werden, schrieb er in der „Times“.

Kommentare

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  1. Uwe Borchert sagt:

    Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt! Die im Vorfeld vom Brexit und kurz nach der Abstimmung veröffentlichten Meinungsäußerungen in den Medien waren von Wunsch und Wahn geprägt, hatten nichts mit Wirklichkeit und Wahrheit zu tun. Es waren Drohungen an andere potentiell aufmüpfigen Länder, welche von einer immer schwächer werdenden EU ausgesprochen wurden. Falls die EU nicht (mehr) in der Lage ist diese durch einen Handelskrieg gegen und/oder einer Farbrevolution in GB umzusetzen könnte dies das Ende der EU sein.

  2. effe sagt:

    Ist doch komisch.

    Alle Eu Kommentatoren sagten den totalne Niedergang der britischen
    Wirtsdchaft vorraus und nun dies.