KfW: Mittelstand hat bei Digitalisierung Nachholbedarf

Industrie 4.0, Nutzung von großen Datenmengen - die Digitalisierung gilt als wesentlicher Treiber für die künftige Wettbewerbsfähigkeit. Mittelständler in Deutschland hinken zum Teil noch hinterher.

Deutschlands Mittelstand droht einer Studie zufolge bei der Digitalisierung den Anschluss zu verlieren. „Die mittelständische Wirtschaft schöpft das Potenzial der Digitalisierung bisher bei weitem noch nicht aus“, sagte Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe am Donnerstag in Frankfurt. Etwa ein Drittel der Mittelständler befinde sich in einem «Grundstadium“ der Digitalisierung – selbst Anwendungen wie ein eigener Internetauftritt seien bei ihnen unterdurchschnittlich verbreitet. Vor allem Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern zählten zu den „Digitalisierungsnachzüglern“.

Zwar haben den Angaben zufolge vier von fünf kleinen und mittleren Unternehmen in den vergangenen drei Jahren Projekte umgesetzt und in neue Technologien investiert, der Umfang der Vorhaben sei jedoch meist überschaubar. Die Digitalisierung sei in der Breite im Mittelstand zwar angekommen, aber noch auf niedrigem Niveau, sagte Zeuner.

Knapp die Hälfte gibt den Angaben zufolge weniger als 10 000 Euro pro Jahr für Digitalisierungsprojekte, neue Technologien oder die Verbesserung der IT-Kompetenz der Belegschaft aus. Das gilt vor allem für kleinere Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten, so die dpa.

Die Ausgaben des gesamten deutschen Mittelstandes bezifferte die staatseigene KfW auf hochgerechnet etwa 10 Milliarden Euro im Jahr. Bis zum Jahr 2018 seien jährlich zusätzlich mindestens 3 Milliarden Euro notwendig, damit die Nachzügler aufholen könnten, sagte Zeuner.

Finanziert werden die Projekte zu 77 Prozent aus den laufenden Einnahmen der Unternehmen. Bankkredite spielen mit 4 Prozent eine untergeordnete Rolle.

„Für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands geht kein Weg an der Digitalisierung vorbei“, sagte Zeuner. Dafür müsse nicht nur in Soft- und Hardware, sondern auch in Wissen investiert werden. Bisher stecken die Unternehmen der Studie zufolge mehr Geld in die Technologie als in den Wissensaufbau. Zugleich beklagen 67 Prozent der Firmen, dass es ihren Beschäftigten an IT-Kompetenzen mangele.

Als weitere Hemnisse einer weitergehenden Digitalisierung nannten die Befragten Anforderungen des Datenschutzes und der Datensicherheit (62 Prozent) sowie die mangelhafte Geschwindigkeit der Internetverbindung (58 Prozent).

Die Untersuchung wurde vom ZEW in Zusammenarbeit mit dem infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag der KfW durchgeführt. Etwa 2100 Unternehmen wurden telefonisch befragt, unter anderem zum Grad der Digitalisierung. Welche Projekte wurden umgesetzt? Wie wurden sie finanziert? Welche Hemmnisse und Herausforderungen werden gesehen?

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