Schweizer Export profitiert vom abgeschwächten Franken

Das seit Mitte des Jahres registrierte Wachstum im Schweizer Export hält weiter an. Die Exporte steigen um 2,4 Prozent. Vor allem die Chemie- und Maschinenexporte sind weiter stark im Ausland gefragt. Absatzprobleme haben indes die Uhrenindustrie und die Dienstleister.

Der Wirbel um den Brexit hatte auch in der Schweiz einige Stimmen laut werden lassen, die negative Auswirkungen für die Schweizer Wirtschaft beschworen. Bisher ist die Wirtschaft jedoch sehr gut aufgestellt. Vor allem die Exporteure des Landes profitieren von dem aktuellen Kurs des Schweizer Franken und der erhöhten Nachfrage aus den USA. Im Juli kostete der Euro zwischen 1,090 und 1,080 Schweizer Franken. Abgesehen von Spitzen im Januar und im Mai war damit der Franken in diesem Jahr deutliche schwächer als 2015 – als die SNB die Koppelung an den Euro beendete. So waren die Exporte im Juli um 7,9 Prozent (real 2,4 %) gegenüber dem Vorjahresmonat an. Aber auch gegenüber dem Vormonat Juni stiegen die Exporte noch einmal real um 5,5 Prozent.

Sieben von zehn Warengruppen erlebten demnach im Juli eine umsatzmäßige Zunahme. Die Schmuckindustrie (+37 %), die chemisch-pharmazeutischen Produkte (11 %) und die Nahrungs- und Genussmittel (+11 %) gehörten zu den größten Gewinnern. „Bei Letzteren ist dieser Anstieg auf die Mehrumsätze bei den Roh- und Grundstoffen (+ 36 %), pharmazeutischen Wirkstoffen (+ 27 %) und immunologischen Produkten (+ 10 %) zurückzuführen“, so die Eidgenössische Zollverwaltung.

Bei den Uhren gingen die Exporte gegenüber Juni allerdings um 5,9 Prozent zurück. Das entspricht dem Trend des ersten Halbjahres. Während die Ausfuhren der Uhrenindustrie gegenüber dem 1. Halbjahr 2015 um 10,6 Prozent und die der Maschinen- und Elektronikindustrie um 0,7 Prozent zurückgegangen sind, kletterten die chemisch-pharmazeutischen Produkte um 15 Prozent nach oben.

Bemerkenswert ist dabei insgesamt die breite Nachfrage nach Schweizer Produkten. Mit Ausnahme von Afrika und Ozeanien konnten die Exporte in allen Kontinenten gesteigert werden. Gerade in Nordamerika und Asien gab es zweistellige Wachstumszahlen. Im speziellen steigen beispielsweise die Exporte in die USA um 15 Prozent, nach Japan um 37 Prozent und nach China um 14 Prozent. Nach Europa wurden 7 Prozent mehr Schweizer Produkte exportiert als noch im Jahr zuvor. Hier war die Nachfrage vor allem in Deutschland, Frankreich und Österreich gewachsen. Die Ausfuhren nach Großbritannien schrumpften jedoch um 13 Prozent.

Insgesamt dürften die Exporte 2016 deutlich größer sein als 2015. „Nach einem kräftigen Wachstum im Jahr 2014 erlitt die verarbeitende Industrie durch die Aufhebung des Mindestkurses EUR/CHF einen Rückschlag und verbuchte eine leicht negative Entwicklung (-0,9%) ihrer Wertschöpfung.“ Aber selbst 2015 war die pharmazeutische, chemische Industrie einer der besten Performer der Schweizer Exporte. Neben der massiven Aufwertung des Franken wurde die Schweizer Wirtschaft im vergangenen Jahr auch von einer Umstrukturierung des Bankensektors und dem Einbruch der Ölpreise gekennzeichnet. Beide sehr wichtige Branchen der Schweizer Wirtschaft. Die Folgen hier sind auch 2016 noch spürbar.

Auffällig ist in diesem Zusammenhang zumindest auch der Produktionsrückgang in der Industrie und im Baugewerbe im zweiten Quartal 2016. So sank die Industrieproduktion gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,6 Prozent. Im Baugewerbe waren es sogar 4,1 Prozent. Die Umsätze zeigten ein ähnliches Bild. In der Industrie fielen sie im 2. Quartal um 2,3 Prozent, im Baugewerbe um 4,1 Prozent.

Entsprechend sank der Einkaufsmanager Index im Juli um 1,4 Punkte auf 50,1 Zähler. Damit liegt er jedoch weiterhin über der Wachstumsgrenze von 50 Zählern. „Der Stillstand in der Schweizer Industriekonjunktur ging mit einem leicht niedrigeren Auftragsbestand und sinkenden Einkaufsmengen einher. Zudem wurde der Personalbestand im Juli wieder abgebaut, nachdem er sich in den zwei Monaten davor von einem beinahe anderthalbjährigen Abbau erholt hatte“, so die Credit Suisse.

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