Trübe Aussichten für Schweizer Privatbanken

Schweizer Privatbanken haben im vergangenen Jahr so wenig neue Kundengelder anlocken können, wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Auch die verwalteten Vermögen schrumpften erstmals seit 2011. Beobachter rechnen damit, dass es zu weiteren Konsolidierungen in der Branche kommen wird.

Die Schweizer Privatbanken haben einer Studie zufolge 2015 so wenig neue Gelder eingesammelt, wie in den vergangenen fünf Jahren nicht. Die gesamte Branche erwirtschaftete bei der zumeist vermögenden Kundschaft Neugelder von netto 88 Milliarden Franken, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Erhebung der Unternehmensberatung Roland Berger bei 55 Instituten hervorgeht. Das ist ein Minus von knapp einem Fünftel im Vergleich zu 2011. Zudem schrumpften die verwalteten Vermögen im Vorjahr erstmals seit 2011 – und zwar um knapp zwei Prozent.

Die Bruttomarge schrumpfte auf mittlerweile noch 86 Basispunkte. „Drei Viertel aller Privatbanken haben in den letzten fünf Jahren einen Rückgang bei den Erträgen und/oder der Bruttomarge verzeichnet“, sagt Markus Strietzel, Partner und Co-Head Financial Services von Roland Berger. „Die Cost-Income-Ratio blieb allerdings dank bereits ergriffener Kostenmaßnahmen mit einem Wert von rund 79 Prozent stabil.“

Grund dafür ist zum einen der starke Franken, der die im Ausland erwirtschafteten Zuflüsse bei der Umrechnung in die Lokalwährung schmälert. „Aber es gab noch weitere Gründe“, sagte Roland-Berger-Partner Robert Buess. „Das Wachstum in Asien hat sich verlangsamt.“ Zudem haben sich viele Banken vor dem Hintergrund des harten Durchgreifens ausländischer Behörden gegen Steuersünder von Kunden getrennt oder diese haben ihre Gelder abgezogen.

Eine rasche Besserung ist nach Einschätzung von Buess nicht in Sicht. „Das Anziehen von Nettoneugeld dürfte sich auch dieses Jahr schwierig gestalten – mitunter vor dem Hintergrund, dass viele der großen Neugeldakquisiteure mit internen Anpassungen beschäftigt sind“, sagte er. Die Credit Suisse etwa befindet sich mitten in einem großen Umbau, den der seit gut einem Jahr amtierende Vorstandschef Tidjane Thiam angestoßen hat. „Insgesamt haben sich die Privatbanken in der Schweiz und in Liechtenstein in den vergangenen fünf Jahren verhalten positiv entwickelt“, sagt Robert Buess, Partner und Private Banking-Spezialist bei Roland Berger in Zürich. „Es wird aber immer schwieriger, weiteres Wachstum und höhere Gewinne zu realisieren.“

Besonders zu kämpfen hatten der Studie zufolge mittelgroße Privatbanken mit einem verwalteten Vermögen zwischen 25 und 100 Milliarden Franken – viele davon Privatbanken-Töchter ausländischer Großbanken. Die Unternehmensberater erwarten daher, dass sich die Konsolidierung auch in den kommenden Jahren fortsetzt.

Das derzeit vielbeachtete Thema der Digitalisierung böte grosse Chancen, aber auch Risiken. „Die Privatbanken müssen ihre Geschäftsmodelle neu definieren und ihre Operating-Modelle den neuen Gegebenheiten anpassen“, sagt Strietzel. Besonders wichtig sei es ausserdem für jedes Institut, schnell die richtigen individuellen Antworten auf die zunehmende Digitalisierung des Bankgeschäfts zu finden. Diese könnte die Branche nachhaltig verändern. „Die digitale Lücke zwischen den Polen der Schweizer Privatbanken ist gross. Dabei bietet das Thema auch Privatbanken große Chancen, wenn es institutsspezifisch richtig umgesetzt wird“, so Strietzel.

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