Österreich: E-Mobilität bietet großes, ungenutztes Potential

Die VW-Abgasaffäre hat auch in Österreich Spuren in der Autoindustrie hinterlassen. Doch der langsame Durchbruch bei der E-Mobilität kann hier gerade national viel erreichen. Eine neue Studie rechnet mit einer zusätzlichen Wertschöpfung von mehreren Milliarden Euro. Einige österreichische Mittelständler sind hier schon vorne mit dabei.

Die Ereignisse rund um die Abgas-Affäre haben zu einem schnelleren Umdenken in der Autoindustrie geführt. Waren E-Autos bisher nur im Hinterstübchen entwickelt und kaum beworben worden, so sind sie seit einem halben Jahr breit in der öffentlichen Diskussion angekommen. Und dabei zeigt sich, dass nicht nur US-Unternehmen wie Tesla und Google führend auf dem Gebiet sein können. Auch deutsche Autohersteller sowie deutsche und österreichische Zulieferer sind ganz vorn mit dabei. Die Firma Kreisel Electric beispielsweise hat sich bereits im Bereich der E-Mobilität etabliert.

Doch noch immer wird das Potential der Elektromobilität in Österreich unterschätzt. „Um den Industriestandort Österreich zu stärken und das heimische Wachstum auszubauen, braucht es neue Märkte“, sagte Infrastrukturminister Jörg Leichtfried. „Die Elektromobilität bietet dafür besonders große Chancen. Wir können unsere Vorreiterrolle beim Umweltschutz ausbauen und gleichzeitig auch neue Arbeitsplätze schaffen.“ Deshalb soll bis 2020 eine flächendeckende Ladeinfrastruktur in Österreich entstehen. Eine aktuelle Studie des Klimafonds gibt ihm Recht. Statistik Austria zufolge fahren derzeit etwa 8.000 teil- und vollelektrische Autos in Österreich.

Demnach wird die österreichische Autoindustrie in den kommenden Jahren immer weniger stark von der herkömmlichen Autoindustrie Gewinne davon tragen können. Im Bereich der Elektromobilität sei dies jedoch möglich. So könnte die österreichische Automobilindustrie mit dem Ausbau der E-Mobilität bis 2030 eine Wertschöpfung im Umfang von 3,1 Milliarden Euro und 33.900 neue Jobs generieren, so das Ergebnis der Studie „E-MAPP: E-Mobility and the Austrian Production Potential“.

Vor allem bei den Komponenten und Subkomponenten sowie Infrastrukturlösungen und Produktionstechnologien könnten Österreichs Hersteller die Nase vorn haben. Kreisel Electric macht es vor. Das Unternehmen stellt erfolgreich leistungsfähige Batterien und auch Energiespeicher her. Derzeit lässt das Unternehmen in Oberösterreich eine neue Batterie-Fabrik bauen. Im März soll sie eröffnet werden. Die Fabrik soll über eine komplett automatisierte Fertigungslinie verfügen, die hier jedes Jahr Batteriepacks mit einer Kapazität von 800.000 Kilowattstunden produzieren kann. Zusätzlich dazu wird an einer neuen Superladestation gearbeitet, die in 18 Minuten Ladezeit eine Batterie mit einer Reichweite von 300 Kilometern aufladen kann.

Aber eins ist klar: „Nur mit gezielter Forschungsförderung und der Unterstützung zukunftsweisender Projekte kann es uns gelingen, innovative Technologien rasch in den Markt zu bringen“, sagt Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds. Wie stark die österreichische Wissenschaft bereits involviert ist, zeigte sich zuletzt bei Grazer Forschern. Diese haben gezeigt, wie einkristallines Silizium, aus dem der Mikrochip besteht, direkt als Batterieelektrode (Anode) genutzt werden kann. „Damit beherbergt der Mikrochip nicht nur die Elektronik, sondern ist gleichzeitig der wesentliche Teil einer Mini-Batterie, die elektrische Energie z.B. zum Senden und Empfangen von Informationen bereitstellt“, heißt es von Seiten der Uni Graz.

„Normalerweise kann man Einkristall-Silizium nicht ohne weiteres als Batteriekomponente verwenden, da es sich bei der Umsetzung mit Lithium stark ausdehnt, Risse bekommt und allmählich zerstört wird“ erklärt Michael Sternad, Mitarbeiter am Christian Doppler-Labor für Lithium-Batterien an der TU Graz. „Wir nutzen direkt das dotierte Halbleitersilizium des Chips. Dazu wird es jedoch vorher gezielt unter Kenntnis der Kristallachsen mikrostrukturiert und dann elektrochemisch in besonderer Weise aktiviert,“ so Sternad. Damit haben sie eine Art „Huckepack-Batterie für Mikrochips“ entwickelt, die nach intensiver Forschung auch für den Einsatz in der Autoindustrie interessant sein könnte.

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