Handelsverband reduziert Aussichten für deutsche Exporte drastisch

Der Handelsverband BGA diagnostiziert eine deutliche Schwächung der deutschen Exporte. Der Austritt Großbritanniens aus der EU werde Deutschland in den kommenden Jahren zusätzlich „gewaltig belasten“. Kleiner Hoffnungsschimmer: Das Russland-Geschäft geht weniger dramatisch zurück als noch im Vorjahr.

Der Handelsverband BGA hat seine Prognose für das deutsche Exportwachstum in diesem Jahr mehr als halbiert. „1,8 bis 2 Prozent halte ich noch für machbar“, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Bislang war er von einem Plus von bis zu 4,5 Prozent auf einen Rekordwert von 1,25 Billionen Euro ausgegangen. Börner rechnet für die nächste Zeit mit einer weiteren Eintrübung und einer Stagnation der deutschen Ausfuhren. Wenn man zum Pessimismus neige, könnte das schon für 2017 gelten.

Als Hauptgründe nannte er die vielen Risiken in der Welt – etwa die Krisenherde in der arabischen Welt, gefolgt von der unsicheren Entwicklung in Russland und dem Auseinanderdriften der Europäischen Union. Die Folgen des Brexit-Votums seien noch nicht voll sichtbar. „Die Auswirkungen werden uns noch gewaltig belasten“, sagte Börner mit Blick auf den geplanten EU-Austritt Großbritanniens.

Der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft signalisiert – gewissermaßen als Hoffnungsschimmer – eine gewissen Erholung im Handel mit Russland und der Ukraine: „Erstmals seit dem Rekordjahr 2012 wachsen die deutschen Exporte in die vom Ost-Ausschuss betreuten Länder wieder stärker als die deutschen Ausfuhren insgesamt.“ Während die Gesamtausfuhren Deutschlands im ersten Halbjahr um 1,5 Prozent zunahmen, lag das Plus für die Länder Ost- und Südosteuropas im Durchschnitt bei 3,3 Prozent, sagte der Geschäftsführer des Ausschusses, Michael Harms laut Reuters. Im Gesamtjahr 2015 waren die Ausfuhren in die 21 Ost-Ausschuss-Staaten noch um fast 12 Prozent abgesackt.

Im Russlandgeschäft seien die Exporte im ersten Halbjahr 2016 allerdings immer noch um 3,2 Prozent gesunken. Im Vorjahreszeitraum war es ein Viertel. Der Ost-Ausschuss sprach hier von einer absehbaren „Bodenbildung“. In die Ukraine lieferten die deutschen Exporteure fast ein Drittel mehr Waren im ersten Halbjahr. Die Ukraine wird zu großen Teilen von europäischen und amerikanischen Steuergeldern über Wasser gehalten.

Besonders stark angestiegen sind den Angaben zufolge die deutschen Lieferungen nach Südosteuropa, wo die Zahlen für Rumänien, Serbien und Kroatien um jeweils rund 14 Prozent im Halbjahr zulegten. „Die Gesamtregion Südosteuropa ist eine echte Wachstumslokomotive“, so der Verband.

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