Finanzkreise: Deutsche Bank und Commerzbank sprachen über Zusammenschluss

Die Spitzen von Deutscher Bank und Commerzbank haben Finanzkreisen zufolge vor kurzem lose über einen Zusammenschluss gesprochen.

„Es gab einen Sommerflirt, der aber erst einmal zu nichts führen wird“, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Auf Seiten der Deutschen Bank hätten Vorstandschef John Cryan und Finanzvorstand Marcus Schenck daran teilgenommen. Man sei sich aber einig gewesen, dass die beiden größten deutschen Banken erst einmal aufräumen müssten, bevor man über weitergehende Schritte nachdenken könne. Die Bankenaufsicht sei gar nicht erst eingeschaltet worden, sagten zwei Insider. Deutsche Bank und Commerzbank wollten sich nicht zu den Informationen äußern.

Am Mittwoch hatte sich der DeutscheBank -Chef John Cryan zudem erstmals offen für Fusionen unter Europas Banken aus. „Wir brauchen weitere Zusammenschlüsse – auf nationaler Ebene, aber eben auch über die Landesgrenzen hinweg“, sagte der Brite am Mittwoch auf der Tagung ‚Banken im Umbruch‘ in Frankfurt. „Nur dann können wir auf Dauer wirtschaftlich arbeiten. Und nur dann können wir international mithalten.“ Die „Kleinstaaterei“ in Europa müsse ein Ende haben. Ein Zusammenschluss der mitten in der Sanierung steckenden Deutschen Bank mit der Commerzbank ist für Cryan aber keine Option: „Wir wollen die Deutsche Bank eigentlich kleiner und einfacher machen.“

Börsianer ließen trotzdem ihre Fantasie spielen und griffen bei den zuletzt gebeutelten Finanztiteln zu: Die Aktien der Deutschen Bank verteuerten sich im frühen Handel um drei Prozent, die der Commerzbank um vier Prozent. Beide waren Spitzenreiter im Dax.

Cryan betonte, die Deutsche Bank müsse noch sehr viele Hausaufgaben machen, bevor sie wieder an Übernahmen denken könne. Dazu zählen vor allem die Abarbeitung der milliardenschweren Rechtsstreitigkeiten, die Stärkung der Kapitaldecke und der Verkauf der Postbank – damit der Konzern wie geplant schrumpfen kann, um die strengeren Anforderungen der Regulierer zu erfüllen.

Nach Cryans Einschätzung liegt das Problem in Deutschland aber nicht unbedingt bei den Großbanken. Hierzulande gebe es insgesamt zu viele Geldhäuser, die kleineren müssten bei der nötigen Marktbereinigung den Anfang machen. Anders als in Spanien, Frankreich oder Nordeuropa sei es nie zu einer Fusionswelle gekommen. „Das Ergebnis: weniger Skaleneffekte, mehr Konkurrenz, höherer Preisdruck.“ Auch der neue Commerzbank-Chef Martin Zielke betonte: „Wir haben zu viele Banken in Deutschland.“ Spekulationen über einen Zusammenschluss seines Hauses mit Branchenprimus Deutsche Bank sei allerdings ‚müßig‘.

Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon hält dagegen: Seiner Meinung nach sind Zusammenschlüsse kein Patent-Rezept, um die Probleme der Bankenbranche zu lösen. „Ich halte neuerliche Forderungen nach einer grundlegenden Konsolidierungswelle unter Kreditinstituten für nicht sachgerecht“, sagte er auf der selben Konferenz. In der Finanzkrise habe sich gezeigt, dass zu große Kreditinstitute, die sich von ihren Kunden entfernten, „Gift für die Stabilität von Finanzmärkten“ seien.

Die Zahl der Sparkassen ist im vergangenen Jahr um acht auf 409 Institute gesunken. Auch im laufenden Jahr rechnet Fahrenschon mit einigen Zusammenschlüssen, aber nicht mit drastischen Schritten. Bei den vier großen Landesbanken – LBBW, BayernLB, NordLB und Helaba – , an denen die Sparkassen beteiligt sind, sieht Fahrenschon keinen Fusionsbedarf.

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  1. Stefan Bode sagt:

    Deutsche Bank ist die anfälligste im gesamten Finanzsystem. Sie sollte eher gestern als heute deutlichste kleiner werden bevor sie kollabiert. Hier ein paar ältere Infos. http://www.zerohedge.com/news/2016-06-29/imf-deutsche-bank-poses-greatest-risk-global-financial-system