Schweiz ermittelt gegen Beckenbauer wegen WM 2006

Die umstrittene Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland hat für Franz Beckenbauer und drei weitere frühere DFB-Funktionäre ein juristisches Nachspiel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schweizer Justiz wirft Beckenbauer, den Ex-Verbandspräsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger sowie dem früheren DFB-Schatzmeister Horst Rudolf Schmidt Betrug, ungetreue Geschäftsführung, Geldwäscherei und Veruntreuung vor. Im Zuge der mit deutschen und österreichischen Behörden koordinierten Ermittlungen habe es am Donnerstag an acht Orten Hausdurchsuchungen gegeben, teilte die Schweizer Bundesanwaltschaft mit. Zudem seien Beschuldigte befragt worden.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht der Behörde zufolge eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro im Zusammenhang mit einer Galaveranstaltung. „Diesbezüglich besteht der Verdacht, dass die Beschuldigten wussten, dass der Betrag nicht der Mitfinanzierung der Galaveranstaltung diente, sondern der Tilgung einer Schuld, die nicht durch den DFB geschuldet war.“ Zuständig sieht sich die eidgenössische Bundesanwaltschaft, weil der „mutmaßliche Bereicherungsort“ in der Schweiz liegt. Alle vier Beschuldigten waren im Präsidium des Organisationskomitees der WM 2006.

Seit einem Pressebericht im vergangenen Oktober über Unregelmäßigkeiten besteht der Verdacht, dass die WM gekauft gewesen sein könnte. Die vom DFB mit einer Untersuchung beauftragte Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer fand in ihrem Abschlussbericht vom März keine Beweise dafür, dass für den Zuschlag im Jahr 2000 die Stimmen gekauft wurden. Allerdings konnte ein Betrug auch nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Beckenbauer, der damalige Chef des WM-Bewerbungskomitees, soll den Untersuchungen der Kanzlei zufolge direkt in eine ominöse Zahlung verwickelt sein.

Über die WM-Vergabe entscheidet der Fußball-Weltverband Fifa hinter verschlossenen Türen. Im Zuge des Fifa-Skandals, die unter anderem dem langjährigen Präsidenten Joseph Blatter den Job kostete, stellte sich heraus, dass die Vergabe für Bestechung anfällig ist.

Die vom deutschen Organisationskomitee an die Fifa überwiesenen 6,7 Millionen Euro hatte der ehemalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus dem DFB 2002 vorgestreckt. Jahre später landete die Summe von einem Fifa-Konto wieder bei ihm. In diese Überweisung soll Beckenbauer direkt verstrickt gewesen sein. Beckenbauer hat Fehler eingeräumt, ein Fehlverhalten aber stets zurückgewiesen. Am Donnerstag war er zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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