Stellenabbau bei Schweizer Banken beschleunigt sich

Schweizer Banken haben im ersten Halbjahr fast 5 Prozent ihrer Stellen in der Schweiz abgebaut. Zudem gingen die Handelsumsätze sowie die Zahl der in der Schweiz operierenden Banken zurück. Derzeit erwirtschafte die Branche noch gute Erträge, sie stehe aber aufgrund des Niedrigzinsumfelds vor großen Herausforderungen, sagt die Bankiersvereinigung.

Die Schweizer Banken haben im ersten Halbjahr 4,1 Prozent ihrer Arbeitsplätze in der Schweiz abgebaut, berichtet die Schweizerische Bankiersvereinigung. Dies entspreche fast 3.500 Stellen, zitiert Bloomberg aus dem Bericht. Im vergangenen Jahr habe der Abbau hingegen nur etwa ein Prozent betragen. Der Stellenabbau ist Teil einer ganzen Reihe von Maßnahmen, mit denen die Finanzinstitute die Kosten senken wollen. Im Ausland hingegen wurden im ersten Halbjahr 6.700 Stellen geschaffen, vornehmlich in Ländern, in denen niedrigere Löhne gezahlt werden.

„Im Bereich Beschäftigung zeigt sich ein Trend dazu, vermehrt Arbeitskräfte im Ausland aufzubauen; ein Indiz dafür, dass die Exportfähigkeit des Finanzplatzes ein Thema ist. Dieser Trend muss jetzt durch verbesserte Rahmenbedingungen umgekehrt werden. Namentlich müssen wir zu einer kostengünstigen Regulierung finden“, sagt der Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung.

„Das anhaltende Niedrigzinsumfeld und der verstärkte Wettbewerb führen zu erheblichem Druck auf die Gewinnmargen. Der Druck wird durch gestiegene Kosten noch erhöht“, heißt es in der Studie. Diese widrigen Faktoren hätten auch dazu beigetragen, dass das Handelsvolumen der Schweizer Bankhäuser um fast 9 Prozent zurückgegangen sei.

In der Vermögensverwaltung konnte die Schweiz ihre starke Position behaupten. Offenbar verlassen aber immer mehr ausländische Banken und Finanzdienstleister das Land aufgrund mangelnder Profitabilität, Regulierungskosten und juristischen Risiken. Die Anzahl der Banken, die in der Schweiz operieren, sank vergangenes Jahr zum zehnten Mal in Folge. Ende 2015 waren es demzufolge 266 Institute verglichen mit 275 Ende 2014. Die verwalteten Vermögen sanken um 1,3 Prozent auf insgesamt 6,67 Billionen Schweizer Franken. Ende Mai des laufenden Jahres waren es nur noch 6,42 Billionen Franken.

Insgesamt stehe die Branche angesichts des negativen Umfeldes ganz gut dar, berichtet die Bankiersvereinigung: „Auch in einem herausfordernden nationalen und internationalen Umfeld stehen die Banken in der Schweiz solide da. Sie konnten ihren Geschäftserfolg im Jahr 2015 um fünf Prozent auf 64,6 Milliarden Schweizer Franken steigern und versorgten die Wirtschaft und Privatpersonen ungebrochen mit Krediten. In der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung ist der Finanzplatz Schweiz mit einem Weltmarktanteil von 25 Prozent weiter die Nummer 1.“

Viele Banken stünden aber vor großen Herausforderungen: „Das Jahr 2015 stellte die Banken in der Schweiz vor zahlreiche Herausforderungen. Einerseits führten das anhaltend niedrige Zinsumfeld und der starke Wettbewerb zu großem Margendruck. Regulierungen in Sachen Eigenkapital oder Steuertransparenz treiben die Kosten in die Höhe. Zusätzlich beeinflusste die Digitalisierung die Banken-Großwetterlage markant und beschleunigte den Strukturwandel in der Branche. Noch offen ist, wie sich durch den Entscheid der Briten, die EU zu verlassen (Brexit), die Bedingungen für die Schweizer Banken verändern werden.“

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