Schweizer Notenbank hält mehr Facebook-Papiere als Zuckerberg

Die Schweizerische Notenbank hält mehr öffentlich handelbare Aktien an Facebook als Firmengründer Mark Zuckerberg. Ihre Beteiligung an dem weltgrößten Online-Netzwerk von 0,28 Prozent war zuletzt 741 Millionen Dollar wert.

Zuckerberg hält noch 0,17 Prozent – kontrolliert die Firma aber weiterhin über eine andere Aktienkategorie. Für die SNB sind die Facebook-Papiere Teil ihres umfangreichen Aktienportfolios, das mittlerweile 127 Milliarden Franken umfasst. Etwa die Hälfte dieser Summe haben die Schweizer Notenbanker in US-Aktien investiert, wie aus Unterlagen der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht.

Unter den großen Notenbanken nimmt die SNB damit eine Sonderstellung ein: Denn die EZB und die US-Notenbank Fed investieren nicht in Aktien. Die SNB kauft nach einer Gesetzesänderung seit 2005 auch Anteilsscheine von Firmen – um damit ihr umfangreiches Devisenportfolio möglichst breit zu streuen. Wie andere Zentralbanken auch, versucht sie ihre Währung zu schwächen, um damit Schweizer Waren im Ausland günstiger zu machen und so die Exporte und die Wirtschaft anzukurbeln. Um das zu erreichen, verkaufen die Währungshüter Franken und kaufen Aktien und Anleihen in Euro, Dollar, oder anderen Währungen.

Derzeit besteht das 635 Milliarden Franken umfassende Devisenportfolio der SNB zu 20 Prozent aus Aktien – doch der Anteil wächst stetig: 2010 lag er noch bei zehn Prozent, 2015 waren es 17 Prozent. Für viele Analysten ist diese Strategie gut nachvollziehbar: „Das macht für die SNB Sinn, und ich könnte mir vorstellen, dass sie ihren Aktienanteil noch weiter ausbauen“, sagte Raiffeisen-Analyst Alexander Koch.

UBS-Ökonom Alessandro Bee sieht wenig andere Investitionsmöglichkeiten: „Der Bondmarkt trocknet aus, also wenden sie sich verstärkt den Aktien zu“, sagt er. Die Experten weisen jedoch auch auf die Risiken der steigenden Aktieninvestments hin – etwa durch Wertverluste bei Marktturbulenzen. Im ersten Halbjahr hat das Aktien-Portfolio der SNB 200 Millionen Franken an Wert verloren – obwohl die Notenbank im selben Zeitraum 1,7 Milliarden Franken an Dividenden erhalten hat.

Zu den Details ihrer Investitionsstrategie äußert sich die Notenbank nicht. Sie verrät lediglich, dass sie keine Einzelaktien auswählt, sondern sich an der Gewichtung von Firmen in verschiedenen Börsenindizes orientiert. Verwaltet wird das Portfolio von einem eigenen Team bei der SNB – unterstützt durch externe Asset Manager. Bei Abstimmungen verhält sich die SNB vornehmlich wie ein passiver Investor: Erst seit vergangenem Jahr stimmt sie bei Hauptversammlungen über einen Vertreter ab – etwa bei Entscheidungen zu Managergehältern oder Firmenstrukturen.

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  1. Hans von Atzigen sagt:

    Das die Notenbanken die Geldmenge nur bedingt unter Kontrolle
    halten können ist bekannt. Im zuge der sog.Deregulierung und Globalisierung des
    Kapitalmarktes, wurden diese begrenzten Möglichkeiten weiter eingeschränkt
    bis in hohem masse Ausgehebelt.
    Innzwischen kann man davon ausgehen, das schlicht ALLE einen wenigstens einigermassen brauchbaren Gesamt- Überblick komplet verloren haben.
    Die Möglichkeiten der Notenbanken auf das Währungsgefüge korrigierend einzuwirken
    schwindet zunehmend und tendiert gegen Null.
    Bedenklich auch der offenbare Umstand, das die Notenbanken sich wie übliche
    Geschäftsbanken verhalten, losgelöst von Ihrer Kernaufgabe, bestmögliche Überwachung der Geldmenge und bestmöglicher erhaltung der Geldwertstabilität.
    Faktisch bleibt den Notenbanken nur noch, Kriesenhafte Verwerfungen im Kapitalmarkt
    mittels zusätzlicher Geldschöpfung zu Kompensieren.
    Das dumme an der Sache, das ist sicher legale, jedoch in der Wirkung ganz
    Profan Blüten= Falschgeldproduktion.
    Wie lange das noch funktioniert und kann ist völlig offen.
    Nachhaltig kann und wird das nie und nimmer funktionieren.
    Die Gefahr ist in hohem masse gegeben das zum bitteren Ende
    auch die Notenbanken schlicht kollabieren.
    Es gehört zu den Weitverbreiteten Märchen, Notenbanken könnten nicht Pleite gehen.
    Ein Märchen ein Irrglaube,Notenbanken könnten nicht Pleite gehen.
    Solange die Geldschöpfung Wirkung im Kapitalmarkt erzeugt funktioniert
    das sicher. Verflüchtigt sich jedoch diese Wirkung, tja dann sind eben auch die
    Notenbanken faktisch Pleite.
    Absehbar da droht ein Synchrones absaufen des Kapitalmarktes UND der
    Realwirtschaft.
    Auch wenn das zu viele nicht wahrhaben wollen, Geld= Kapital und Realwirtschaft
    sind untrennbar ineinander verwoben.Die lassen sich nicht trennen.
    Schlicht ein Ding der faktischen Unmöglichkeit.