Schweiz: Firmen versichern Bargeld gegen Diebstahl

Statt ihr Geld in einer Bank zu deponieren, lagern Schweizer Unternehmen dieses lieber selbst ein. Das Vertrauen in die eigene Bank schwindet zusehends.

Unternehmen vertrauen mehr auf die Sicherheit von Schlössern als auf ihre Bank. (Foto: Flickr/jasleen_kaur/CC BY-SA 2.0)

Unternehmen vertrauen mehr auf die Sicherheit von Schlössern als auf ihre Bank. (Foto: Flickr/jasleen_kaur/CC BY-SA 2.0)

Die wachsenden Bargeld-Bestände in Schweizer Unternehmen lassen die Versicherungsbranche florieren. Um das Geld vor Diebstahl oder Schaden zu schützen, schließen die Firmen vermehrt Policen ab. Schuld an dieser Entwicklung hat das niedrige Zins-Niveau der Banken.

Anfang 2015 hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) Zinsen unter null eingeführt. Finanzkonzerne müssen seither für überschüssige Einlagen bezahlen. Viele Banken wie UBS Group AG und Credit Suisse Group AG hätten zumindest einen Teil der Belastungen an vermögende Kunden wie Asset Manager oder große Unternehmen weitergereicht, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Doch es werden auch andere Auswege gesucht. „Aufgrund des tiefen Zins-Niveaus stellen wir eine höhere Nachfrage nach Versicherungslösungen für das Einlagern von Bargeld fest“, zitiert die Zeitung Philipp Surholt von der Zurich Insurance Group AG. „Die angefragten Versicherungssummen bewegen sich im Rahmen von 100 Mio. bis 500 Millionen Franken.“

Für die Unternehmen liegt der Vorteil der Bargeld-Hortung offenbar auf der Hand. Denn die Bargeldversicherung kostet nur Bruchteil der Verwahrung bei einem Geldinstitut. So berechne etwa die Helvetia Holding AG eigenen Angaben zufolge rund 1000 Franken (912 Euro) pro Jahr, um eine Million Franken zu versichern. Das sei deutlich weniger, als jene 7500 Franken, die ein Unternehmen für das Parken desselben Betrags pro Jahr bei einer Bank zahlen würde – vorausgesetzt, die Bank reichten die vollen Kosten weiter. Nicht enthalten sind hier allerdings weitere Kosten, wie sie unter anderem für Transport oder Sicherheitsvorkehrungen wie verstärkte Wände, Wachmänner und Alarmsysteme anfallen.

Ein weiterer Grund für die hohen Bargeld-Bestände liege der Zeitung zufolge im Festhalten der Schweiz an Banknoten mit hohem Nennwert. Diese machen das Verwahren großer Summen relativ unkompliziert. Rund eine Million Franken bestehend aus 1000-Franken-Scheinen könnten demnach in eine kleine Kiste passen.

Nach Ansicht der SNB überwiegen derzeit noch die positiven Aspekte ihrer Geldpolitik. Die SNB hat nach eigenen Angaben bislang keine Belege für ein breites Horten von Bargeld in der Schweiz gesehen. Trotz der wachsenden Kritik an den rekordtiefen Negativzinsen will sie nun an ihrem geldpolitischen Kurs festhalten, so Reuters. Damit will sie den aus ihrer Sicht deutlich überbewerteten Franken für Anleger weniger attraktiv machen und die Wirtschaft ankurbeln, wie die Währungshüter nach ihrer vierteljährlichen Zinsentscheidung erklärten.

Offenbar mit Erfolg: Schon jetzt gewinnt die Schweizer Wirtschaft zunehmend an Fahrt: Die SNB erhöhte ihre Schätzung für das Wachstum im laufenden Jahr auf rund 1,5 Prozent. Zuvor war sie von einer Bandbreite zwischen einem und 1,5 Prozent ausgegangen.

In der Schweiz sind die Zinsen so tief wie nirgends sonst in größeren Volkswirtschaften. In den vergangenen Wochen haben sich Stimmen von Politikern und Ökonomen gemehrt, die ihre Abschaffung fordern. Denn Pensionskassen und Versicherungen haben angesichts der tiefen Zinsen Probleme, die versprochenen Erträge für die Kunden zu erzielen.

Die Negativzinsen sind nicht das einzige Instrument der SNB, um die Währung zu schwächen. Sie verkauft darüber hinaus Franken, um dieses Ziel zu erreichen. Die Zentralbank sei „bei Bedarf weiterhin am Devisenmarkt aktiv“, bekräftigte die SNB. Ein starker Franken macht Produkte der Schweizer Exportindustrie auf den Weltmärkten teurer.

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