Österreichs Landwirte kämpfen mit sinkenden Einkommen

Die Situation der österreichischen Landwirte hat sich im vergangenen Jahr noch einmal drastisch verschärft. Die Einkommen sind stark gesunken, vor allem bei den Bergbauern. Lediglich der bessere Export von landwirtschaftlichen Produkten stützt die Branche derzeit.

Die Agrarindustrie in Österreich benötigt dringend eine Reform. Das vierte Jahr in Folge sind die Einkommen der Landwirte gefallen, die Fläche zur Bewirtschaftung wird kleiner – und mit TTIP wird die Konkurrenz noch weiter zunehmen. Der aktuelle Grüne Bericht 2016 zeigt, dass 2015 die Einkommen um insgesamt 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken sind. „Österreichs Bäuerinnen und Bauern müssen unter erschwerten Bedingungen arbeiten“, heißt es im Vorwort von Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter. „Der rasante technologische Fortschritt und die ständige Produktivitätssteigerung führen in vielen Teilen der Welt dazu, dass das Angebot schneller steigt als die Nachfrage.“ Zusätzlich verursache der Klimawandel immer extremere Witterungsverhältnisse.

Am stärksten gingen die Einkommen bei den Veredelungsbetrieben zurück: um 29 Prozent. Die forst- und landwirtschaftlichen Betriebe erreichten nur mehr ein Durchschnittseinkommen von 19.478 Euro. Die Einkommen der Arbeitskräfte sanken auf 15.847 Euro. Neben dem Rückgang der öffentlichen Gelder – der ÖPUL-Zahlungen – und höherer Kosten für Pachten, Düngemittel und Mieten gab es auch ganz konkrete wirtschaftliche Faktoren für die Einbußen. So waren die Erzeugerpreise für Milch gestiegen, während die Milchpreise und die Preise für Schweinefleisch drastisch gesunken sind. Gleichzeitig sorgte der heiße Sommer für geringe Erntemengen beim Sommergetreide.

Die anhaltenden Russland-Sanktionen erschweren die Situation der Landwirte weiter. Mehrmals hatte die Regierung aus diesem Grund versucht, die Beziehung zu Russland auf eigene Faust zu verbessern und ein Ende der Sanktionen zu erreichen. Deutsche Bauern klagen ebenfalls weiterhin über die Sanktionen. Der Deutsche Bauerverband (DBV) fordert eine Aufhebung des russischen Embargos auf landwirtschaftliche Produkte: Der Importstopp allein bringe eine Milliarde Euro pro Jahr Verlust, hinzu käme der hohe Preisdruck.

Es gab jedoch vereinzelt auch Entwicklungen, die der Branchen halfen. So waren Betriebe mit Dauerkulturen nicht von Einkommenseinbußen betroffen. Im Weinbau beispielsweise führten größere Erntemengen sogar zu einem Plus bei den Einkommen. Positive Entwicklungen gab es zudem im Export. Die Ausfuhren stiegen um 3,2 Prozent auf 10 Milliarden Euro.

Die Handelsabkommen mit den USA und Kanada könnten diese positive Entwicklung jedoch gefährden. In einer Untersuchung schätzt die Umweltschutzorganisation BUND, dass der Beitrag der Bauern zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der EU nach TTIP um 0,8 Prozent fallen könnte, während umgekehrt der Anteil der US-Landwirtschaft am BIP um 1,9 Prozent steigen würde. Der BUND warnt, bäuerliche Betriebe beiderseits des Atlantiks könnten unter die Räder kommen, Nutznießer wären Großbetriebe. Einer Studie des EU-Parlaments zufolge würden zwar die Exporte der Staatengemeinschaft um 56 Prozent steigen, die Exporte der USA würden aber um 116 Prozent zulegen.

Insgesamt wird es in der Landwirtschaft weiter zu Konsolidierungen kommen. Mit nur mehr 166.317 land- und forstwirtschaftlichen Betrieben ist die Zahl der Betriebe seit 2010 um vier Prozent gesunken. „Der Betriebsrückgang setzt sich zwar weiter fort, hat sich aber seit dem EU-Beitritt etwas verlangsamt“, heißt es dazu im Bericht. Die heimische Landwirtschaft ist generell eher klein strukturiert, der Trend zu größeren Betrieben hält jedoch an.

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