Schweizer Banken verschlafen wichtige Fintech-Trends

Eine Studie der Swisscom hat den Stand der Digitalisierung bei Schweizer Banken und deren Erwartung an die Zukunft untersucht. Dabei zeigt sich, dass viele Institute wichtige Trends im Bereich Fintech verschlafen.

Eine Studie von E-Foresight, dem Think Tank der Swisscom, beleuchtet die Frage, welche Fintech-Trends die Schweizer Banken verschlafen: Der tiefgreifende Wandel in der Bankenlandschaft zeigt sich auch in dieser Studie zur Einschätzung der heutigen und künftigen Nutzung von neuen Technologien, neuen Zugangsformen zum Kunden und zum Auftreten von neuen Marktteilnehmern im Zuge der zunehmenden Digitalisierung und des Aufkommens von immer wieder neuen technologisch gestützten Geschäftsmodellen.

Banken in der Schweiz waren lange Zeit durch ihr Geschäftsmodell geschützt und mussten weniger in neue Möglichkeiten und Technologien investieren. Dies zeigt sich darin, dass ausländische Banken in der Thematik der Digitalisierung bereits viel mehr Erfahrung sammeln konnten

Dabei hilft auch die Größe des Marktes. Die Schweiz mit ca. 8 Millionen Einwohnern ist schlicht zu klein und damit wenig attraktiv für viele ausländische FinTech-Start-ups. Dennoch entstehen auch hierzulande immer neue FinTech-Start-ups und beschleunigen den Veränderungsprozess. Mit ca. 180 Finech-Start-ups verfügt die Schweiz über eine vielfältige – bezogen auf Themen – Start-up-Landschaft im Finanzbereich.

Die Relevanz ist über alle Themen betrachtet nicht wesentlich gestiegen im Vergleich zu 2014, vielmehr konnten die Banken sich in den letzten beiden Jahren stärker mit den Themen beschäftigen und sich eine realistischere Meinung bilden. Gleichzeitig hinkt der Umsetzungsgrad der Relevanzeinschätzung in vielen Gebieten hinterher. Standardisierte Frontprozesse ermöglichen eine bedarfsgerechte Kanalintegration und die einheitliche Nutzung von digitalen Mitteln an allen Interaktionspunkten zum Kunden. Dies heißt jedoch nicht, dass dabei die Individualität der Kundenansprache verloren geht, sondern dass das Know-how der Bank und von deren Berater einheitlicher und verständlicher zum Tragen kommt und gleichzeitig die Ressourcen effizienter genutzt werden können.

Für Schweizer Banken und für die Schweiz ist der länderübergreifende Erfahrungsaustausch wichtig. Auch heute sind die Preise für Bankdienstleistungen in der Schweiz noch deutlich höher als im Ausland. Digitalisierung ermöglicht Preisanpassungen, welche auch Schweizer Banken durchführen müssen, sowie die Lancierung von umfassenderen Banking-Dienstleistungen. Hierbei sollten Banken insbesondere in die technologische Kooperation und das Partnermanagement investieren.

Banken müssen die Digitalisierung wirklich als Paradigmenwechsel verstehen und neben den technologischen Innovationen ihre eigenen kulturellen Gegebenheiten hinterfragen. Hierbei ist es immer entscheidend, das Gesamtbild der Bank im Blick zu haben und gleichzeitig schnell mit geeigneten Neuerungen am Markt zu reagieren. Nur so ist der Wechsel in das digitale Zeitalter des Bankings zu schaffen. Digitalisierung ist kein technologisches Thema – vielmehr eine grundlegende Veränderung der Werthaltung und der Serviceerbringung.

Folgende Prognosen stehen dabei an:

Schweizer Banken konzentrieren sich zu stark auf die Umsetzung von digitalen Lösungen nah an ihrem Kerngeschäft. Die Organisationen sind in der Breite noch nicht bereit, strategisch innovative Lösungen, welche mit Unsicherheiten verbunden sind, anzugehen. Banken werden jedoch zukünftig auch bankfernere Leistungen offerieren, um ihr bisheriges Kerngeschäft nachhaltig zu stärken und eine angemessene Profitabilität beizubehalten.

Der Wert von Daten wurde in der Gänze noch nicht erkannt und die Umsetzung datenbasierter Geschäftsmodelle steht erst am Anfang. In den nächsten Jahren schätzen wir jedoch, dass auch hierzulande erste Beispiele lanciert werden.

Kooperationen mit anderen zum Teil branchenfremden Unternehmen und Start-ups werden für die Banken zum Normalfall. Banken müssen das persönliche und unternehmerische Umfeld ihrer Kunden und Partner kennen und in die Leistungserstellung mit einbeziehen. Netzwerke konkurrieren mit Netzwerken und nicht mehr einzelne Banken oder Provider untereinander.

Branchenfremde Marktteilnehmer wie Messengerplattformen werden zukünftig, von bisherigen Zahlungsinstrumenten entkoppelt, nicht nur Payment-, sondern auch Kontofunktionen anbieten. Dann würden Banken im Bereich des Zahlungsverkehrs markant an Marktanteilen einbüßen. Banken sind bereits kurzfristig gezwungen, den Gap an Daten und Know-how über den Kunden über die Nutzung von externen Datenquellen zu kompensieren.

Der digitalisierte Anlageprozess (Robo-Advise) wird es ermöglichen, sehr standardisierte Anlagelösungen zu generieren. Aufgrund der regulatorischen Vorgaben und der Kundenbedürfnisse wird sich jedoch Robo-Advise nur mit geringer Komplexität, dafür aber breitflächig durchsetzen, da man nur so den regulatorischen Anforderungen gerecht werden kann.

Die End-to-End-Digitalisierung im Bereich Finanzieren (wie auch z.B. beim Vorsorgen) wird sich mit Ausnahme standardisierter Services wie dem Konsumkredit nur eingeschränkt durchsetzen, da die Endkunden auch künftig für seltene Geschäfte mit hoher Tragweite für das eigene Wohlbefinden eine persönliche Beratung suchen.

Kryptische Währungen wie Bitcoin, welche auf Blockchain basieren, werden sich in den nächsten 3-4 Jahren nicht flächendeckend durchsetzen. Dies gilt auch für den Einsatz von Blockchain für weitere Anwendungsbereiche von Anlegen und Finanzieren.

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