Konkurrenz für Bahn: Startup bietet Zug-Fernreisen an

Neben Fernbussen versuchen auch Verkehrsunternehmen auf der Schiene der Deutschen Bahn Paroli zu bieten. Mitte Dezember startet der erste Fernzug von Locomore - einem Anbieter, der sich per Crowdfunding die nötige Basisfinanzierung von gut einer halben Million Euro gesichert hat.

Die AFP berichtet über das Bahnunternehmen Locomore:

Wo wird Locomore fahren?

Das Unternehmen startet auf der Strecke von Stuttgart über Frankfurt am Main und Hannover nach Berlin. Unterwegs sind weitere Halte geplant, beispielsweise in Heidelberg, Darmstadt, Kassel und Göttingen. Die Strecke soll täglich gefahren werden: früh morgens von Stuttgart nach Berlin und von dort am frühen Nachmittag wieder zurück nach Stuttgart.

Wann startet der Betrieb?

Losgehen soll es am 14. Dezember – also kurz nach dem Fahrplanwechsel bei der Deutschen Bahn. Ursprünglich wollte Locomore seinen ersten Fernzug zwischen Neckar und Spree schon im September auf die Schiene setzen. Dieser Termin konnte jedoch nicht eingehalten werden, weil noch nicht alle Verträge unter Dach und Fach waren.

Wie will sich Locomore von Fernbussen und von der Deutschen Bahn abheben?

Das Bahnunternehmen will vor allem schneller als die Konkurrenz auf der Straße sein. Während der Reise sollen die Passagiere in Businessabteilen mit Tischen, Steckdosen und WLAN in Ruhe arbeiten oder sich mit Reisenden mit ähnlichen Interessen in Themen-Abteilen zusammenfinden können – mit dem sogenannten Social Seating. Gegenüber der Deutschen Bahn will Locomore vor allem mit günstigen Preisen punkten.

Wie teuer sollen die Fahrkarten sein?

Das hängt vom Buchungszeitpunkt und der Strecke ab. Auf kürzeren Strecken sollen Tickets bereits ab sieben Euro zu haben sein, auf mittleren Strecken ab 130 Euro, auf langen ab 22 Euro. Bei der Deutschen Bahn kostet eine Reise von Stuttgart nach Berlin ohne Vergünstigungen 142 Euro; mit BahnCard 50 sind es 71 Euro. Locomore schreibt sich auf die Fahnen, „immer unterhalb der Hälfte des Normalpreises der Deutschen Bahn“ zu bleiben.

Mit wie vielen Fahrgästen rechnet Locomore?

Ziel des Unternehmens ist es, jeden Tag rund 700 Fahrgäste zu befördern. Dabei will Locomore nicht zwangsläufig der Deutschen Bahn Kunden abspenstig machen, sondern auch aus dem Auto, Flieger und Fernbus Passagiere gewinnen.

Welche Alternativen gibt es im Fernverkehr noch zur Deutschen Bahn?

Im Fernverkehr, der anders als der Regionalverkehr von den Anbietern eigenwirtschaftlich ohne Zuschüsse betrieben werden muss, ist die Deutsche Bahn nach wie vor unangefochten die Nummer eins. Alternative Anbieter beschränken sich auf einzelne Strecken und fahren häufig nicht jeden Tag. So ist der Hamburg-Köln-Express (HKX), zu dessen Gründungsmitgliedern auch Locomore gehörte, nur zwischen Freitag und Montag unterwegs. Der Interconnex zwischen Leipzig und Rostock stellte seinen Betrieb im Dezember 2014 aus Kostengründen ein.

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  1. Hans von Atzigen sagt:

    Langsam aber sicher wird das Verkehrssystem Eisenbahn gegen die Wand gefahren.
    Die Eisenbahn braucht längst überfällig eine Tiefgreifende Modernisierung.
    Im Güter und Personentransport.
    Im Personentransport machen Haltestellen unter 50 Km wenig Sinn.
    Dafür sollten die Reisegeschwindigkeiten deutlich steigen.
    So um die 300 Kmh sollten das mindestens sein.
    ( Ervordert auch eine grundsätzlich Technische Weiterentwiklung)
    Im Güterverkehr machen Bahnhöfe unter in etwa 300 Km ebenfalls wenig Sinn.
    Dazu müsste der Umschlag der Güter erheblich mittels technischer Weiterentwicklung der Umladeverfahren deutlich beschleunigt werden.
    Personen und Güterzüge sollten zwecks optimierter Nutzung der Trassen
    mit den gleichen Geschwindigkeiten unterwegs sein.
    Bei den Bahnen in ganz Europa mangelt es an Innovation.
    Da steckt schlicht zuviel Nostalgie aus dem 19.Jahrhundert
    in diesem grundsätzlich zukunftsträchtigen Verkehrssystem.
    Die Bahn ist der Ideale Verkehrsträger im Segment zwischen
    Strasse und Flugzeug.
    Dieses Segment kann die Bahn nur mit einer umfassenden
    Modernisierung langfristig ervolgreich besetzen und halten.