Clinton und Trump liefern sich schonungslosen Schlagabtausch

Schonungsloser Schlagabtausch, gespickt mit persönlichen Angriffen: In ihrem ersten TV-Duell haben sich die US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump gegenseitig eklatante Charakterschwächen vorgeworfen und damit die Befähigung für das höchste Staatsamt abgesprochen. Immer wieder fielen sich die Kandidaten gegenseitig ins Wort, Moderator Lester Holt verlor streckenweise die Kontrolle über die Debatte.

Die Demokratin warf ihrem Widersacher bei der Debatte am Montagabend (Ortszeit) fehlende Faktenkenntnis und Selbstkontrolle vor: Trump erzähle „verrücktes Zeug“ und lebe in seiner „eigenen Realität“. Auch bezeichnete sie den Republikaner als Sicherheitsrisiko: Ein Mann, der sich von einem Tweet – einer Kurznachricht im Internetdienst Twitter – provozieren lasse, „sollte seine Finger nicht irgendwo in Nähe der Atomcodes“, also die Befehlsgewalt über die US-Atomwaffen haben.

Der Republikaner wiederum bezeichnete die Ex-Außenministerin als „typische Politikerin“, die für „viel Gerede und wenig Taten“ stehe. Er hielt ihr vor, für das Präsidentenamt nicht das notwendige „Durchhaltevermögen“ zu besitzen. Die frühere First Lady, Senatorin und Ministerin bringe zwar „Erfahrung“ mit, aber dies sei „schlechte, schlechte Erfahrung“.

Der Immobilienmilliardär attackierte Clinton insbesondere wegen ihrer E-Mail-Affäre, also der Nutzung von privaten Servern für ihre dienstliche Kommunikation während ihrer Zeit als Außenministerin. Er forderte sie auf, die von ihr gelöschten 30.000 E-Mails aus dieser Zeit nachträglich zu veröffentlichen. Im Gegenzug werde er dann den Forderungen nachkommen, seine Steuererklärungen zu veröffentlichen.

Clinton bezeichnete ihren damaligen Umgang mit den E-Mails erneut als „Fehler“. Zugleich bewertete sie Trumps bisherige Weigerung, entgegen der für die Präsidentschaftskandidaten geltenden Gepflogenheiten seine Steuererklärungen zu veröffentlichen, als Beleg dafür, dass der Baulöwe „irgendetwas zu verbergen“ habe.

Möglich sei etwa, dass der Großunternehmer schon seit Jahren keine Einkommensteuer mehr an die Bundesbehörden bezahlt habe, spekulierte Clinton. Trump schien dies sogar zu bestätigen, indem er konterte, hätte er diese Steuern gezählt, wären die Gelder „verschwendet“ worden.

Besonders heftig wurde die Debatte auch, als die Demokratin ihrem Rivalen vorhielt, seine politische Laufbahn auf eine „rassistische Lüge“ gegründet zu haben, indem er Zweifel an der Herkunft von Präsident Barack Obama gesät habe. Trump hatte erst kürzlich anerkannt, dass der erste afroamerikanische Präsident in den USA geboren wurde. Auch beschuldigte Clinton den Rechtspopulisten der Frauenfeindlichkeit: Dieser habe Frauen als „Schweine, Chaotinnen und Hündinnen“ beschimpft.

Ein Teil der Debatte drehte sich auch um die Außenpolitik. Trump beschuldigte Clinton, für das Aufkommen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) mitverantwortlich zu sein, indem sie einen übereilten US-Truppenabzug aus dem Irak unterstützt habe. Auf diese Weise habe sie dazu beigetragen, dass der Nahe Osten heute ein „totales Chaos“ sei. Clinton wiederum warf dem Republikaner unter anderem vor, leichtfertig mit der Frage der Verbreitung von Atomwaffen umzugehen.

Die beiden Präsidentschaftskandidaten gerieten auch bei Wirtschaftsthemen heftig aneinander. Clinton warb für eine Verringerung der Einkommensschere zwischen Arm und Reich. Trump warf sie vor, mit seinen massiven Steuerabbauplänen die Reichen begünstigen zu wollen. Der Republikaner prangerte vor allem die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland an und forderte die Neuverhandlung von Handelsabkommen.

Trotz seiner heftigen Angriffe auf Clinton verzichtete Trump jedoch auf beleidigendes Vokabular, wie er es sonst oft verwendet. Seine Rivalin sprach er höflich mit „Ministerin Clinton“ an, sie wiederum nannte ihn „Donald“. Trump hatte zuletzt in den Umfragen stark aufgeholt und vor der Debatte etwa gleichauf mit Clinton gelegen. Die weiteren Debatten sind für den 9. und 19. Oktober vorgesehen. Gewählt wird am am 8. November.

 

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