Krise am deutschen Automarkt hält an

Die Pkw-Verkäufe in Deutschland sind in diesem Jahr um sechs Prozent gestiegen. Der Markt hat sich jedoch keineswegs erholt. Viele der Neuzulassungen gehen auf die Händler und Autobauer selbst zurück. Auch die angebotenen Rabatte sind weiterhin hoch, was den Gewinn der Autoindustrie schmälert.

Die Automobilindustrie befindet sich im Umbruch. Neue Antriebe, neue Konkurrenten und zahlreiche, erschwingliche Gebrauchtwagen machen den deutschen Automarkt zu einem schwierigen Pflaster. Immerhin 19 Prozent der Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen sind über 20 Jahre alt. Das Durchschnittsalter liegt derzeit bei etwa 10,4 Jahren. Rabattaktionen und Tageszulassungen helfen den Unternehmen, positive Wachstumsraten vorzuzeigen – jedoch zu einem hohen Preis.

Wie die aktuellen Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes zeigen, sind beispielsweise die Neuzulassungen im September um 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen: auf 298.000. Bei den deutschen Marken konnten vor allem Mini (+35,3 Prozent), Mercedes (+26 Prozent), Ford (+18,5) und Smart (+16,8  Prozent) punkten. Bei den internationalen Unternehmen erreichten Tesla und Alfa Romeo jeweils Wachstumszahlen von mehr als 130 Prozent.

Allerdings sind die Neuzulassungen nicht ohne Einschränkung zu werten. Nur 34,4 Prozent der neu zugelassenen Autos waren von privaten Nutzern. „Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 1.733.839 Neuwagen in den Verkehr gebracht – ein Zuwachs von +7,1 Prozent“, so das Kraftfahrtbundesamt. „Die Anzahl der privaten Zulassungen lag mit einem Anteil von 34,8 Prozent um +6,4 Prozent höher als im Vergleichszeitraum.“ Die Mehrheit der neu zugelassenen Autos entfällt daher auf Unternehmen und die Autoindustrie, also die Hersteller und Händler selbst. Als Tageszulassungen und jungen Vorführwagen können die Händler die Autos günstiger an private Käufer verkaufen.

In den ersten neun Monaten waren diese Neuzulassungen der Händler und Hersteller leicht von 29,4 im Vorjahreszeitraum auf 29,0 Prozent gesunken. Das ist jedoch insgesamt weiterhin ein sehr hohes Niveau. „Die Käufer finden also noch jede Menge an Tageszulassungen und jungen Gebrauchtwagen bei den Händlern, die mit Abschlägen von 25 Prozent und mehr auf die Listenpreise angeboten werden“, heißt es in der aktuellen Rabattstudie des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen, die den Deutschen Mittelstands Nachrichten vorliegt. Bei Audi betrug die Eigenzulassungsquote 22,3 Prozent, bei BMW 22,7 Prozent, bei Mercedes 24,2 und bei VW 24,5 Prozent. „Auch bezogen auf das Gesamtjahr 2016 hat Opel mit knapp 44 Prozent den größten Anteil unter den untersuchten 16 Marken gehabt.“

Tageszulassungen sind aber nicht die einzigen Umstände, die zeigen, wie umkämpft der deutsche Automarkt mittlerweile ist. Noch immer setzen die Händler und Hersteller auf Rabatte. „Der deutsche Automarkt wird künstlich gepusht“, so Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR-Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen in einem Gespräch mit den Deutschen Mittelstands Nachrichten zu Beginn des Jahres. „Der deutsche Automarkt ist der am stärksten rabattierte Automarkt der Welt“. Die neue Rabatt-Studie zeigt, dass die Händler beim Neuwagenkauf bei den „30 meistverkauften Neuwagen bei Geschäftsanbahnung über Internet-Vermittler in den ersten neun Monaten des Jahres 2016 in Durchschnitt 18,5 Prozent Nachlass“ auf den Listenpreis gewährt haben. Bei einem Durchschnittspreis für Neuwagen von 25.000 Euro entspricht diese einem Rabatt von 4.625 Euro.

Darüber hinaus gab es in den vergangenen neun Monaten 388 Sonderaktionen wie Rabatte bei Leasing- und Finanzierungsangeboten sowie Sondermodelle. „Der CAR-Rabatt-Index weist für die ersten neun Monate des Jahres 2016 einen Wert von 125 aus und für den September 2016 den noch leicht geringeren Wert von 123.“

Beispiele für Händlerrabatte bei Internet-Vermittlern gibt es zahlreiche:

„Im August wurden im Durchschnitt 24,5 Prozent Nachlass auf die Basis-Version des Ibizas geboten (…). Die höchsten Rabatte wurden für die Modelle Mitsubishi Space Star mit 30,7 Prozent, den Seat Ibiza mit 28,4 Prozent, den Hyundai I30 mit 28,1 Prozent und den Hyundai I10 mit 27,6 Prozent geboten. Die niedrigsten Rabatte gewährten die Händler bei den Modellen Kia Sportage und Smart Fortwo mit jeweils 11,0 Prozent und Audi A4 mit 12,9 Prozent.“

Kommentare

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  1. Dirk sagt:

    Da die Autos mittlerweile fast nur noch von Fachwerkstätten zu reparieren sind, wäre es sinnvoll die Autohersteller übernehmen diese. Dann bleibt das Geld auch im unternehmen und die weitere Tendenz Schrott zu verbauen spült noch mehr Geld in die Kassen.
    Alternativ kann ja die EZB anfangen Autos zu kaufen.

  2. Der Biehl sagt:

    Das ist doch schön so, hatte auch ein Ford Übernommen, der als Tageszulassung auf dem Händler zugelassen war, nach 3 Monaten 55% Rabatt zum Listenpreis. Die Inspektionskosten überschreiten jedoch den Zeitwert des Fahrzeuges, macht aber auch nichts, notfalls nehmen wir auch ein Motor auseinander und bauen den wieder zusammen.
    Da Benziner und Dieselautos so schlecht sind, gegenüber die Elektroautos sollte man Rabatte von 75% fordern, weil ja der Wertverlust eines jeden Fahrzeuges das nichts taugt sehr Hoch ist. Unabhängig von der Marke. Ich würde für ein Neuwagen der Golfklasse auch nicht mehr als 10000 Euro ausgeben.