Schweizer Industrie setz so viele Roboter wie nie ein

Die Schweizer Industriebetriebe setzen so viele Roboter ein wie noch nie. Die Zahl der Neuanschaffungen erreichte im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand. Im Vergleich zu anderen Ländern bleibt aber noch viel Luft nach oben.

In der Schweiz werden so viele Industrieroboter eingesetzt wie noch nie. Dies geht aus dem Jahresbericht des Branchenverbandes International Federation of Robotics (IFR) hervor. Demzufolge stieg die Zahl der Bestellungen im vergangenen Jahr um 13 Prozent und erreichte mit 734 Robotern einen neuen Höchstwert. Auf 10.000 Arbeiter in der verarbeitenden Industrie kommen in der Schweiz inzwischen 119 Roboter. Insbesondere die Pharma-, Lebensmittel-, Maschinen- und Elektroindustrie sind für Roboterhersteller die besten Kunden. Insgesamt sind in der Schweiz 6258 Industrieroboter im Einsatz – auch das ein neuer Rekord.

Im Vergleich zu anderen Ländern hinkt die Schweiz aber immer noch etwas hinterher. Die höchst Roboterdichte mit über 500 Robotern auf 10.000 Arbeiter weist Südkorea auf, gefolgt von Singapur mit knapp 400 und Japan mit rund 300 Robotern auf je 10.000 Arbeiter. In Europa führen Deutschland (300:10.000) und Schweden (über 200:10.000) die Rangliste an. Weltweit belegt die Schweiz den 26. Rang, in Europa landet die Schweiz auf Platz 11.

Nach Kontinenten geordnet werden in Europa die meisten Roboter eingesetzt. „Im Rennen um die Automation in der Fertigung ist Europa derzeit die führende Region: 65 Prozent jener Länder, die eine überdurchschnittlich Roboterdichte aufweisen, finden sich in der EU. Die stärksten Treiber des Wachstums der Robotik-Industrie finden sich allerdings in China. Unseren Schätzungen zufolge werden im Jahr 2019 rund 40 Prozent aller Roboter auf der Welt nach China verkauft“, heißt es in dem Bericht.

Gestützt wird die hohe Nachfrage nach Robotern der IFR zufolge insbesondere von dem starken Franken, der Zukäufe im Ausland billiger macht. Generell wird die weltweite Nachfrage nach Industrierobotern vor allem von neuen Automatisierungskonzepten sowie der rasant zunehmenden Digitalisierung der Produktion (Industrie 4.0) angetrieben.

„Die Anzahl der Industrieroboter wird bis 2019 auf etwa 2,6 Millionen steigen. Das ist etwa eine Million mehr als im bisherigen Rekordjahr 2015. Auf Sektoren verteilt sind derzeit rund 70 Prozent der Roboter in der Auto-, der elektrischen und der Metall- und Maschinenindustrie eingesetzt. Im vergangenen Jahr konnte die Nachfrage aus der Elektroindustrie mit einem Anstieg von 18 Prozent am stärksten zulegen. Auf die Metallindustrie entfielen 16 Prozent und auf den Autosektor etwa 10 Prozent.

In einer Analyse hatte das Beratungsunternehmen Deloitte kürzlich die Auswirkungen der Automatisierung auf den Schweizer Arbeitsmarkt beleuchtet. Demzufolge haben Tätigkeiten, die kaum durch den Einsatz von Robotern ersetzt werden können, in den vergangenen 25 Jahren zugenommen während andere Arbeitsbereiche stark Stellen abgebaut haben. In den kommenden Jahrzehnten könnte rund die Hälfte der Arbeitsplätze automatisiert werden.

Insgesamt wurden in den vergangenen 25 Jahren mehr Stellen geschaffen als verdrängt. Automatisierung dürfte deshalb auch in Zukunft mehr Chancen als Risiken bieten, prognostiziert Deloitte. Dies gelte insbesondere für Branchen, die sich stark auf Kreativität, soziale Interaktion und hochwertige Dienstleistungen fokussieren. Um die Potentiale optimal nutzen zu können, müssten Unternehmen ihre Geschäftsprozesse frühzeitig umstellen.

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  1. Ameeon sagt:

    Schönes Bild … ich meine da einen Tesla Model S zu erkennen mit seiner Aluminium-Karosserie. Und wer sorgt für den Zusammenbau? Amerikanisches Programmierkönnen kombiniert mit deutscher Ingeneurskunst … also die roten Roboter stammen von der deutschen Firma KUKA bzw. eigentlich stammten, denn KUKA gehört seit einigen Wochen den Chinesen.

    Dass die Aktionäre mit ihren kurzfristigen Gewinnabsichten nichts gegen die Übernahme haben ist klar, sobald sie mehr für ihre Aktien bekommen. Aber dass Deutschland bzw. die EU hier nicht strategischer denkt und diesen Technologietransfer zulässt, erstaunt mich schon ein wenig.

    Grundsätzlich ergeben sich ja auch Chancen hinsichtlich neuer Absatzmärkte … aber langfristig weiß man halt nicht, welche Ziele hier verfolgt werden, denn die Entscheidungsgewalt liegt nun wo anders.