Demografie belastet Österreichs Mittelstand

Österreich gehört zu den Ländern mit den meisten älteren Menschen in der Europäischen Union.

Derzeit sind fast 27 Millionen Bürger der Europäischen Union 80 Jahre und älter, sieben Millionen mehr als noch 2005. Damit ist der Anteil der älteren Bevölkerung in der EU 2005 auf 5,3 Prozent gestiegen. Zwar hat die sich Zahl der Frauen im Alter von 80 Jahren und mehr reduziert, doch noch immer machen sie zwei Drittel der Älteren in der EU aus, so die europäische Statistikbehörde Eurostat.

In Österreich liegt der Anteil der Älteren bei 5,0 Prozent. Vor zehn Jahren waren es noch 4,2 Prozent. Damit liegt Österreich gemessen am Anteil der älteren Menschen an der Bevölkerung in der EU auf Rang 12. Der mit Abstand höchste Anteil gemessen an der Einzahl der Einwohner findet sich in Italien, gefolgt von Griechenland, Spanien und Frankreich. Irland und die Slowakei haben mit kaum über drei Prozent den geringsten Anteil.

„Die Lebenserwartung steigt im Durchschnitt um zwei Jahre pro Jahrzehnt. Derzeit liegt sie bei 77,7 Jahren bei Männern und 83,1 Jahren bei Frauen“, so die Wirtschaftskammer (WKO). Ohne Zuwanderung würde die österreichische Bevölkerung stagnieren oder langfristig schrumpfen. Die Menschen werden älter und haben gleichzeitig weniger Kinder. Auf den Mittelstand kommen mit dieser Entwicklung einige Herausforderungen zu. Die Unternehmen müssen sich auf eine alternde Belegschaft einstellen und könnten mittelfristig Probleme haben, ausreichend Nachwuchskräfte zu finden.

In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass vermehrt Möglichkeiten geschaffen werden, um älteren Menschen und Müttern den Einstieg in den Beruf zu erleichtern. Hier kommt auch noch einmal der Aspekt der Migration zum Tragen. Dies führt einerseits zu neuen erforderlichen Strukturen, wenn es um potentielle Einstellung geht, aber auch um neue Arbeitsfelder hinsichtlich deren Pflege oder Betreuung. Gleichzeitig darf zukünftig die wachsende Zielgruppe der 50 Plus nicht mehr außer Acht gelassen werden. Im Gegenteil, diese wird in den kommenden Jahren immer stärker an Bedeutung gewinnen.

Problematisch wirkt sich die demografische Entwicklung auch hinsichtlich der Nachfolge in mittelständischen Unternehmen aus. 80 Prozent der nationalen Unternehmen befinden sich in Familienbesitz. Nicht einmal jeder hundertste potenzielle Familien-Nachfolger will in das Familienunternehmen einsteigen. Damit ist Österreich im internationalen Vergleich eines der Schlusslichter. Zum Vergleich: Auch in Deutschland klagen die Mittelständler über fehlende Nachfolger, aber hier betrifft es nur jedes vierte Unternehmen. So wollen Studenten familiengeführter Betriebe eher Karriere in einem anderen privatwirtschaftlichen Unternehmen oder in einer eigenen Neugründung machen. Und wenn sie sich dennoch entschließen, später in das Unternehmen einzutreten, erwarten sie hohe „Familienrabatte“ beim Kauf des Familienunternehmens, wie eine aktuelle Analyse von Ernst & Young zeigt.

Durchschnittlich erwarten Nachfolgegenerationen weltweit, das familieneigene Unternehmen ungefähr für die Hälfte jenes Preises zu erstehen, zu dem es ein externer Käufer erhalten würde. „In Österreich verlangen die potenziellen Nachfolger ein besonders großes Entgegenkommen: Ein gewünschter Preisnachlass von rund 59 Prozent bedeutet ex aequo mit Deutschland Platz vier“, heißt es in der Analyse.

„Gegenüber 2005 ist der Anteil der Menschen ab 80 bis zum Jahr 2015 in allen Mitgliedstaaten außer Schweden gestiegen“, so Eurostat. Die Alterung der Bevölkerungsstruktur in den anderen EU-Ländern sei zumindest teilweise eine Folge der gestiegenen Lebenserwartung. „Während ein 80- Jähriger im Jahr 2004 im Durchschnitt noch 8,4 Jahre zu leben hatte, lag 2014 die Lebenserwartung für Menschen dieses Alters bereits bei 9,5 Jahren.“

Kommentare

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  1. Jacobi sagt:

    Selbst wenn die Prognose stimmen sollte, ist eine unkontrollierte Zuwanderung Unqualifizierter auch keine Lösung….

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Grauenhaft naiv, kurzsichtig diese Demografi-Debatte.
    Diese basiert auf dem naiv Irrationalen Irrglauben,
    Volkswirtschaften könnten Linear ins unendliche wachsen.
    Wo ist der rational nüchterne Sachverstand geblieben???