E-Mobilität: Schweizer setzen auf Kooperation China

China ist der größte Automarkt der Welt. Um im Bereich der Elektromobilität Fuß zu fassen, ist China ein idealer Ansprechpartner.

Im vergangenen Jahr gelang es China, zum größten Markt für Elektroautos zu werden. Die sauberen Automobile erfreuen sich großer Beliebtheit. Allein im vergangenen Jahr sind in China dreimal so viele Elektroautos verkauft worden wie ein Jahr zuvor, wie die aktuellen Zahlen des Center of Automotive Management (CAM) zeigen. 188.000 Elektroautos wurden demnach dort verkauft. Damit löste China die USA als größten E-Automarkt ab. In den USA gingen die Verkäufe sogar um drei Prozent zurück. In China haben Steuererleichterungen und Fördergelder den Verkauf von E-Autos in den letzten Jahren angetrieben.

Aufgrund der hohen Nachfrage und der Entwicklung weg von Verbrennungsmotoren will China seine Marktposition in Europa ausbauen. Dafür hat der chinesische Konzern AVIC Jonhon eine Zusammenarbeit mit dem Schweizer Unternehmen Juice Technology in Sachen Elektromobilität beschlossen. Ziel ist es, zusammen neue EC- und DC-Ladestationen zu entwickeln.

Juice Technology vertreibt in Europa und in Asien sowie Australien seit zwei Jahren Ladestationen für Elektroautos. Der Juice Booster 2 beispielsweise gilt als weltweit kleinste mobile Ladestation und ist für den eCarTec-Award 2016 nominiert. Jonhon gehört zum chinesischen Luftfahrtkonzern AVIC. Das Unternehmen ist Zulieferer von Ladestationen, Kabelbäumen, Steckern etc.

In China selbst werden nicht nur Elektro-Autos aus anderen Ländern importiert. Das Land hat mittlerweile auch eigene Produkte zu bieten. Die Rede ist unter anderem von Elektrobussen oder auch eigenen Autos wie das selbstfahrende Elektro-Auto LeTV. Die Türen des Konzeptautos lassen sich gegenläufig öffnen, das Lenkrad ist versenkbar, über eine App wird das Auto per Sprachsteuerung gelenkt. Zusatzfunktionen wie Sitze, die sich an die Passform der Fahrenden anschmiegen, und eine futuristische Front, die über ein eigenes Display verfügt, setzen auf den beim chinesischen Konsument gern gesehenen Komfort. Viele Informationen in technischer Hinsicht sind bisher noch nicht bekannt. Das Auto soll eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 210 Kilometer pro Stunde erreichen können.

Auch das Joint Venture Future Mobility plant, E-Autos in China herzustellen. Dafür wurde selbst der ehemalige BMW-Manager Carsten Breitfeld an Bord geholt. „Uns schwebt von Anfang an Massenproduktion und mehr als ein Modell vor – eine Familie von Modellen“, sagte Breitfeld, der bei BMW zuletzt das Elektroauto-Team leitete und seine engsten Mitarbeiter mit nach China nahm. Zu seinem neuen Team gehören auch frühere Mitarbeiter von Tesla selbst, dem Google-Mutterkonzern Alphabet und Mercedes. Hinter Future Mobility stehen unter anderem der chinesische Technologiekonzern Tencent sowie der Apple-Zulieferer Hon Hai Precision Industries.

Die Schweiz ist generell ein interessanter Ort für Chinas Unternehmen mit Blick auf Kooperationen und Zukäufe. Im vergangenen Jahr tätigten sechs chinesische Unternehmen in der Schweiz Käufe oder beteiligten sich an Schweizer Unternehmen, wie die Handelszeitung schreibt. Europaweit liege die Schweiz damit auf dem neunten Rang, wie eine im Februar veröffentlichte Studie zeige. Für rund 2,7 Milliarden Franken kaufte die chinesische HNA im vergangenen Juli den Flughafen-Dienstleister Swissport. Im Februar ging zudem der weltgrößte Sportrechtehändler Infront Sports & Media aus Zug für rund 1,05 Milliarden Euro an die chinesische Wanda-Gruppe.

Experten zufolge wird die Serie an Übernahmen und Beteiligungen in den kommenden Jahren sowohl in der Schweiz als auch in Europa generell an Fahrt aufnehmen. Während im Jahr 2005 noch 34 Firmen in Europa von Chinesen übernommen wurden, waren dies 2015 bereits 179, wie aus einer Studie des Beratungsunternehmens EY hervorgeht.

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