Studie warnt vor Europas Internet-Abhängigkeit von US-Unternehmen

Vor einer zu großen Abhängigkeit der europäischen Wirtschaft von US-Unternehmen wie Apple, Google und Microsoft haben Experten der Internet Economy Foundation (IEF) in Berlin sowie der Beratungsfirma Roland Berger gewarnt.

„Europa spielt in der Plattformökonomie derzeit fast nur als Absatzmarkt und Entwicklungsstandort eine Rolle“, teilte der IEF-Vorsitzende Friedbert Pflüger im Vorfeld einer Konferenz am Montag in Berlin mit.Dort sollte die Studie „Fair Play in der digitalen Welt – Wie Europa für Plattformen den richtigen Rahmen setzt“ vorgestellt und mit Experten diskutiert werden. „Weniger als fünf Prozent des weltweiten Börsenwerts digitaler Plattformen entfallen heute auf europäische Unternehmen“, berichtete Pflüger. Neben den US-Unternehmen seien auch asiatische Plattformbetreiber den europäischen weit voraus.

Um das zu ändern, schlagen die IEF und Roland Berger einen Zehn-Punkte-Plan vor. Er soll eine Aufforderung an die Politik sein, mehr zur Förderung europäischer Digitalanbieter zu tun. „Damit auch Europa von den positiven gesamtwirtschaftlichen Effekten digitaler Plattformen profitieren kann, brauchen wir mehr Wettbewerb und faire Chancen für alle Marktteilnehmer, egal ob Weltkonzern oder Start-up“, erklärte Philipp Leutiger von Roland Berger.

Zu den Forderungen gehören die Schaffung eines „echten“ digitalen EU-Binnenmarkts, die Gründung einer Europäischen Digitalagentur und finanzielle Förderung innovativer Start-ups. Auch mit der konsequenten Durchsetzung bestehender Wettbewerbsregeln lasse sich „schon viel erreichen“, erklärte Pflüger.

Die Studie bezeichnet digitale Plattformen als „ein flexibles Konzept, das sich nicht zuletzt wegen der Dynamik von Märkten und Technologien ständig weiterentwickelt“. Internet-Suchmaschinen zählen ebenso dazu wie beispielsweise Softwareentwicklung, Markt- und Handelsplätze, soziale Netzwerke, Onlinespiele, Kommunikationsdienste, Browser und Betriebssysteme.

Gemessen an ihrem Börsenwert sind mit Apple, der Google-Mutter Alphabet, Microsoft und Amazon aktuell die vier größten Unternehmen der Welt digitale Plattformen. Unter den Top 10 befinden sich mit Facebook und Tencent noch zwei weitere Unternehmen, die vollständig auf netzwerkbasierte Geschäftsmodelle setzen.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte Ende Mai ein „Grünbuch“ vorgelegt, um mit Experten Regeln für die fortschreitende Digitalisierung zu erarbeiten. Auch die EU widmet sich in ihrer „Digitalen Agenda“ dem Thema. Die Studie von IEF und Roland Berger will einen Beitrag zu diesen Diskussionen liefern.

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