Audi reduziert Forschung

Audi verschiebt im Rahmen seines Sparkurses Insidern zufolge Technologieprojekte am Firmensitz Ingolstadt

Unter anderem sei eine Teststrecke für autonomes Fahren, eine kleinteilige Batteriefertigung und der Bau von Versuchsträgern und Prototypen von den Einsparungen betroffen, sagten zwei mit den Audi-Plänen vertraute Personen am Montag. Ein Sprecher des Autobauers erklärte lediglich, anstehende Projekte auf dem IN-Campus – einem geplanten Technologiepark in Ingolstadt – würden auf absehbare Zeit verschoben. Näher äußerte er sich nicht dazu.

„Zukunftsprojekte wie der IN Campus sind immer bedeutend. Doch sie benötigen auch die nötigen Investitionen“, sagte ein Sprecher des Betriebsrats von Audi bezüglich der Verschiebung des IN-Campus. „Als Betriebsrat ist es eine unserer Kernaufgaben immer wieder auf Investitionen in den Standort zu pochen.“ Diese seien mitentscheidend für den weiteren Erfolg und würden letztendlich Beschäftigung sichern. „Deshalb sollte auch der IN Campus nicht auf unabsehbare Zeit verschoben werden.“ Um die Zukunftsfähigkeit des Standortes Ingolstadt zu erhalten, müssten mehr alternativ angetriebene Modelle in Ingolstadt produziert werden, so der Sprecher. „Diesen Antriebsarten gehört die Zukunft und diese muss dort stattfinden, wo das Herz von Audi heute bereits kräftig schlägt. “

Die Volkswagen-Tochter hatte bereits im Sommer erklärt, bei Programmen für konventionelle Fahrzeuge einsparen zu wollen. Doch die neuen Maßnahmen betreffen nun auch Projekte für Zukunftstechnologien. Unlängst hatte Audi wegen des Dieselskandals seine Rückstellungen aufgestockt. Die Hauptlast liegt zwar bei VW, doch auch Audi ist verwickelt.

In Folge des Dieselskandals bei Volkswagen hatte Ende September zudem ein weiterer hochrangiger Manager seinen Posten bei Audi geräumt: Der Entwicklungschef, Stefan Knirsch, lege seine Funktion mit sofortiger Wirkung nieder und verlasse das Unternehmen im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat. Der promovierte Maschinenbauer und Motoren-Experte war erst zu Jahresbeginn in den Audi-Vorstand aufgerückt. Nachdem die US-Anwaltskanzlei Jones Day, die im Auftrag von VW die Abgasaffäre aufarbeitet, Ungereimtheiten aufgedeckt hatte, wurde Knirsch vor knapp zwei Wochen kalt gestellt. Einen Nachfolger gebe es noch nicht, sagte ein Audi-Sprecher.

Auch wenn Knirschs Engagement als Technikvorstand sehr hoch gewesen sei, sei die Trennung unumgänglich gewesen, sagte Audi-Betriebsratschef Peter Mosch. „Wir haben von Anfang an klargestellt, dass wir bei der Aufklärung keine Rücksicht auf große Namen nehmen und handeln werden, wenn es nötig ist“, ergänzte der stellvertretende Aufsichtsratschef Berthold Huber. Die Arbeitnehmervertreter hatten demnach von Knirsch vor Amtsantritt eine umfassende Erklärung verlangt, um ausschließen zu können, dass er Kenntnis von den Abgas-Schummeleien hatte. „Die aktuellsten Untersuchungsergebnisse zeigen leider ein anderes Bild“, sagte Huber. „Deshalb musste es zu dieser Trennung kommen.“

Die Ungereimtheiten rund um Entwicklungschef Knirsch brachten in den vergangenen Tagen auch Audi-Chef Rupert Stadler erneut unter Druck. Der Manager wurde von den internen Ermittlern von Jones Day befragt; Insidern zufolge wurde aber nichts Belastendes gegen ihn gefunden. Stadler sitzt auch im Vorstand des VW-Konzerns. Erst im Dezember hatte der Audi-Lenker ein ähnliches Scherbengericht überstanden

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