Österreichs Pensionssystem ist zu teuer

Jeder vierte Euro des Haushalts fließt in die Pensionen

Österreichs Regierung schmückt sich im Vergleich mit anderen Euroländern gern mit seiner relativ niedrigen Verschuldung. Dem Think Tank Agenda Austria aber reicht das nicht. Eine aktuelle Analyse kommt zu dem Schluss, dass hinsichtlich des österreichischen Pensionssystems alles andere als von einer guten Haushaltsplanung geredet werden kann. Demnach fließt jeder vierte Euro aus der Haushaltskasse in die Pensionen. Die Differenz zwischen Ein- und Auszahlungen liegt mittlerweile bei 10,6 Milliarden Euro. „Das sind um etwa zwei Milliarden Euro mehr als jährlich für die Bildung ausgegeben wird“, so der Think Tank.

Doch das ist nicht genug. In den oben angegebenen Daten sind die Beamtenpensionen noch nicht enthalten. Der OECD zufolge ist das österreichische Pensionssystem noch immer eines der großzügigsten weltweit.

Und so sind die Bundesausgaben für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie in der Zeit von 2011 bis 2017 um 19,4 Prozent gewachsen. „Es führt kein Weg daran vorbei, dass die Österreicher später in (Früh-)Pension gehen müssen. Zudem braucht Österreich einen deutlich kostengünstigeren Föderalismus.“ Bezüglich der immensen Kosten, die das derzeitige Pensionssystem verursacht, ist die demografische Entwicklung bei Reformbemühungen unbedingt miteinzubeziehen. In Österreich liegt der Anteil der Älteren (80+) bei 5,0 Prozent. Vor zehn Jahren waren es noch 4,2 Prozent.

Damit liegt Österreich gemessen am Anteil der älteren Menschen an der Bevölkerung in der EU auf Rang 12. Erfolgt keine Reform des Pensionssystems werden die Ausgaben für die Pensionen in 30 Jahren dem Think Tank zufolge bereits 3 Mal so hoch sein.

„Schon jetzt werden aus dem Bundesbudget knapp zehn Milliarden Euro pro Jahr in das Pensionssystem gepumpt“, heißt es in der Analyse. „Finanziert werden die steigenden Zuschüsse vorerst über höhere Staatsschulden, letzten Endes müssen sie aber von den Steuerzahlern bezahlt werden.“ Ändert die Regierung nichts, sondert hält an ihrem bisherigen Reformweg fest, werden die Beiträge um mehr als die Hälfte bis 2045 steigen: auf 36 Prozent des Bruttolohns. Alternativ würde jeder Rentner ein Drittel weniger Rente kassieren oder der Bundeszuschuss müsste sich verdreifachen.

Würde man bis 2020 das Renteneintrittsalter auf 65 Jahre anheben, würden die Beiträge bis 2045 von 22,8 auf 31 Prozent steigen. Alternativ müssten die Durchschnittsrenten um ein Viertel gekürzt oder der Bundeszuschuss verdoppelt werden.

Eine wirkliche Alternative ist demnach dem Think Tank zufolge das schwedische Modell. Hier würde das Renteneintrittsalter jedes Jahr mit der Lebenserwartung mitwachsen. Derzeit erhöht sich die Lebenserwartung um drei Monate pro Jahr. In diesem Fall würden die Beiträge bis 2045 lediglich auf 26 Prozent steigen müssen und ab 2060 sogar wieder fallen. Alternativ müsste die Durchschnittsrente um neun Prozent gesenkt werden, um dann bis 260 wieder das derzeitige Niveau zu erhalten. Die dritte mögliche Konsequenz des schwedischen Modells wäre eine Erhöhung des Bundeszuschusses um das 1,6-fache bis 2045 und ab 2045 würde der Zuschuss auf einen niedrigeren Stand als heute sinken.

Kommentare

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  1. Alfred Beer sagt:

    lieber Haagadone,

    hier die wirklichen Werte der Ösi-Pensionen:
    2000 740 Euro
    2001 754 Euro
    2002 771 Euro
    2003 787 Euro
    2004 805 Euro
    2005 820 Euro
    2006 847 Euro
    2007 872 Euro
    2008 930 Euro

  2. Haagadone sagt:

    Wenn es stimmt,dass die Durchschnittsrente im Alpenparadies € 1.500,– beträgt,dann darf man sich nicht wundern. In der BRD beträgt sie gerade mal € 1.100,–. Hallo – noch Fragen?

  3. Dirk sagt:

    Aha ,ein Think Tank (woher kommen die Gelder zur Finanzierung dieser Organisation) will entweder das Rentenalter angehoben sehen (oder eine Finanzmarktgestützte Finanzierung initiieren ?).
    Dieser Think Tank soll nun die Agenda „Renteneintrittsalter erhöhen“ anstoßen. Natürlich nur für die, deren Arbeitskraft benötigt wird….