Schweizer Handel hat Probleme bei Umsetzung der Digitalisierung

Die Schweizer Handelsunternehmen haben die Digitalisierung als Megatrend erkannt, jedoch noch nicht umgesetzt.

Schweizer Handelsunternehmen haben die Chancen der Digitalisierung erkannt. Die Umsetzung im Betrieb stößt bei vielen von ihnen jedoch auf große Widerstände. Dies geht aus einer Studie von Handel Schweiz hervor, zu der 3.700 Firmen befragt wurden. „96 Prozent der befragten Unternehmen sind überzeugt, dass die Digitalisierung das Handelsgeschäft verändert. 91 Prozent treiben gerade ein Projekt der digitalen Kundenbindung voran, um zum Beispiel auf Social Media oder in Online-Communities präsent zu sein – umgesetzt haben dies jedoch bisher nur 59 Prozent. Überhaupt liegt noch der Knackpunkt in der Umsetzung der Digitalisierung. Neun von zehn Firmen haben damit Schwierigkeiten“, heißt es in der Studie.

Die Gründe dafür sind laut Handel Schweiz vielfältig. In drei von fünf Unternehmen sind es die technischen Voraussetzungen, in jedem zweiten die Fachkräfte und das Wissen über die Möglichkeiten der Digitalisierung. Mit aufwendigen internen Abstimmungen kämpft rund jedes zweite Unternehmen. Fast ebenso viele sehen sich von branchenfremden Geschäftsmodellen oder von digitalen Plattformen wie Galaxus bedroht. Digitale Plattformen haben die Nase vorn bei den Themen Pricing (75 Prozent), Zugang zu den Kunden (50 Prozent), beim Sortiment (39 Prozent) und in der Logistik (30 Prozent). Trotzdem nutzt nur eines von fünf Handelsunternehmen solche Plattformen als Chance für den eigenen Vertrieb. Seit Jahren sammelt der Handel Kundendaten, doch nur jedes fünfte Unternehmen nutzt die entsprechenden Technologien zur Auswertung. 70 Prozent der befragten Firmen nutzen keine digitalen Services wie QR-Code oder digitale Coupons.

Jedem zweiten Handelsunternehmen in der Schweiz fehle zudem das digitale Know-how, um der Konkurrenz im Online-Handel Paroli bieten zu können. Daher sieht der Verband 250.000 Arbeitsplätze bedroht. „Neun von zehn Unternehmen haben Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Digitalisierung. Falls sich das Tempo der digitalen Evolution nicht beschleunigt, sind aktuell bis zu 250.000 Arbeitsplätze im Schweizer Handel bedroht. Dabei ist das Wissen über die Möglichkeiten der Digitalisierung ebenso zentral wie die Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschäftsmodell und dem Mehrwert für Kunden“, erklärte Kaspar Engeli, Direktor von Handel Schweiz.

Nahezu die Hälfte der befragten Unternehmen fühlt sich durch branchenfremde Anbieter bedroht. So tauchten etwa ausländische Direktanbieter plötzlich auf und machten sich in Märkten breit, berichtet Finanz und Wirtschaft. Aber das sei ja genau das Merkmal der Digitalisierung und des Internets: „Jeder hat jederzeit die Möglichkeit, sehr rasch in jeden beliebigen Markt einzusteigen“, so Engeli. Zudem sieht jedes zweite Unternehmen die digitale Konkurrenz wie Amazon als Bedrohung. Dies korreliere mit der Tatsache, dass 77 Prozent der Firmen diese Plattformen nicht nutzen. „Das Unbekannte als latente Bedrohung“, fasst Engeli die Einstellung zahlreicher Händler zusammen. Laut Engeli gibt es aber keine pauschalen Rezepte, um bei der digitalen Evolution mitzuhalten. Jede Firma sei selbst gefordert, geeignete Lösungen umzusetzen.

Beim Detailhändler Volg etwa setze man stark auf Themen wie Frischeprodukte für den täglichen Bedarf, führte Ferdinand Hirsig, Leiter Division Detailhandel/Energie bei der Fenaco, bei der Vorstellung der Studienergebnisse aus. Man mache sich die Digitalisierung dabei vor allem bei der Logistik zunutze. So seien etwa die Kassen der einzelnen Filialen durch ein neues Kassensystem mit der Zentrale vernetzt. Der Werkzeug-Händler Brütsch/Rüegger Tools habe dagegen schon Ende der 90er Jahre als einer der ersten seiner Branche auf Digitalisierung gesetzt, betont der Geschäftsführer Martin Wirth. „Digitalisierung ist der Lebensnerv“ der Gruppe. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben europäischer Branchenführer bei der elektronischen Bestellabwicklung.

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