SNB verteidigt Niedrigzins

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihre Negativzinsen von minus 0,75 Prozent verteidigt.

Zwar stellten sie Herausforderungen für Banken und Versicherungen dar und könnten Risiken – etwa für die Finanzstabilität – nach sich ziehen, sagte SNB-Vizepräsident Fritz Zurbrügg auf einer Bloomberg-Veranstaltung, die SNB erfülle damit jedoch ihr Mandat der Preisstabilität. Negativzinsen seien ein globales und langfristiges Phänomen. Um ihr Mandat zu erfüllen, interveniert die Zentralbank zudem bei Bedarf am Devisenmarkt: Dort kauft sie Fremdwährungen, um damit den Franken zu schwächen. Dieser sei aus Sicht der SNB weiterhin deutlich überbewertet.

Ähnlich äußerte sich auch SNB-Chef Thomas Jordan. Negativzinsen machen für die Schweiz „definitiv Sinn“, sagte er Bloomberg. Sowohl im Bereich der Kreditvergabe als auch im Bereich der Wechselkurse gebe es derzeit keine Probleme. Das zeigt sich auch bei den Zinsraten für Staatsanleihen. „Wir haben traditionell deutlich niedrigere Zinsraten als Länder der Eurozone“, so Jordan. Zwischendurch habe sich der Abstand mal verringert, „aber wir konnten den Abstand durch die Einführung der Negativzinsen wieder stark ausbauen. Derzeit liegen die Zinsraten für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei Minus 0,48 Prozent. Bei Zweijährigen liegt die Zinsrate sogar noch niedriger: bei Minus 1,06.

Trotz der bisherigen Eingriffe sei die SNB jedoch noch nicht am Ende ihrer Kräfte, sollte sich die Situation noch einmal verschlechtern. „Wir sind sehr weit mit den Negativzinsen gegangen, aber wir haben immer noch Raum für mehr, wenn es notwendig ist“, so Jordan weiter. Zu einem regelrechten Bargeldhorten der Bürger sei es aufgrund der Niedrigzinsen nicht gekommen. Zwar habe es im vergangenen Jahr einen Anstieg gegeben, doch dieser habe sich inzwischen stabilisiert.

UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber hat die weit verbreiteten Negativzinsen kritisiert. Dieses Notenbank-Mittel sei eine extreme Maßnahme für extreme Rahmenbedingungen, sagte der Manager während einer Bloomberg-Veranstaltung in Zürich. „Sie sind da, um die Krise zu bekämpfen. Dafür waren sie sinnvoll. Heute – lange nach der Krise – sind sie ganz klar nicht mehr angemessen“, kritisierte der ehemalige Bundesbank-Präsident. Weber ist darüber hinaus designierter Präsident des globalen Bankenverbands Institute of International Finance (IIF), wo er sein Amt im Januar antritt.

Die Schweizerische Notenbank nahm er von seiner Kritik aus. Sie hat mit minus 0,75 Prozent eines der tiefsten Zinsniveaus der Welt. Doch die SNB versuche mit ihrer Geldpolitik nicht, die Wirtschaft anzukurbeln, sondern lediglich die Attraktivität des Franken zu mindern, sagte Weber. Allerdings könne auch sie mit ihren Maßnahmen nicht ewig weitermachen. Die UBS ist der weltweit größte Vermögensverwalter.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *