Emmi will Schweiz mit Fertig-Fondue erobern

Emmi kämpft mit einem schwindenden Umsatz. Deswegen wagt sich das Unternehmen nun an das Heiligste.

Die Schweiz ohne Fondue ist gar nicht denkbar. Die Tradition des gemeinsamen aus einem Topf Essens mit einer je nach Region noch unterschiedlichen Käsemischung ist fest verankert im Selbstverständnis der Schweiz. Doch ausgerechnet der größte Milchverarbeiter der Schweiz versucht nun, mit einem Fertig-Fondue den eigenen Umsatz zu steigern. Ursprünglich nur für den amerikanischen Markt entwickelt, soll das mikrowellenfähige Fondue-Menü jetzt im Mutterland des Fondues punkten. In den USA bot Emmi ein 50 Dollar Party-Fondue im Football-Style an.

Emmi kämpft derzeit mit einem sinkenden Umsatz. Dieser sank im ersten Halbjahr um 3,8 Prozent, vor allem im Heimatmarkt des Unternehmens: In dem Land, in dem jeder Schweizer jährlich etwa 13 Kilogramm Käse pro Person isst. Sieben Mal mehr als der Weltdurchschnitt. In der Schweiz ging der Umsatz innerhalb eines Jahres von 874,2 auf 853,2 Millionen Schweizer Franken zurück. Auch die niedrigeren Preise für Käse aus den Nachbarländern Deutschland und Frankreich spielen dabei eine Rolle. Die Aufwertung des Frankens ist in dem Emmi-Geschäft deutlich spürbar.

In den USA hingegen stieg der Umsatz von 387,3 auf 416,4 Millionen Schweizer Franken. Hier baut Emmi das Geschäft weiter aus. Im Mai hat das Schweizer Unternehmen das Käseunternehmen Cowgirl Creamery Corporation und die dazugehörende Tomales Bay Foods akquiriert. „Emmi erwirtschaftet heute 44 Prozent ihres Umsatzes im Ausland: ein Drittel mit Exporten aus der Schweiz und zwei Drittel mit lokal, durch ihre Tochtergesellschaften hergestellten Produkten.“

„Wir müssen weg von dieser Schweizer Berghütten-Atmosphäre, weil diese etwas altmodisch ist“, sagte Urs Riedener von Emmi der Nachrichtenagentur Bloomberg. Es zeige sich, dass Fondue altmodisch geworden ist und dass man dafür immer das entsprechende Equipment benötige. Das hindert viele Menschen daran, öfter Fondue zu essen.

Mit dem Fertig-Fondue will man etwas Schwung in die Tradition bringen und so in der Schweiz wieder die Verkäufe ankurbeln. Das Fondue wird dabei jedoch nicht das einzige überarbeitete Produkt von Emmi bleiben. Im September kündigte Emmi einen neuen Porridge an. Der nach eigenen Angaben erste „fixfertige Haferbrei“ aus dem Kühlregal. Im Oktober soll der neue Haferbrei durch die Marke Onken vertrieben werden.

„Porridge hat den Mief abgestreift und ist definitiv in der Trend-Küche angekommen. Und früher wie heute gilt: Porridge ist gesund“, so Emmi. Im Gegensatz zu anderen Porridge-Produkten wirbt Emmi damit, dass weder Milch noch Wasser zum Brei hinzugefügt werden müssten.

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