Spekulation: Thyssen verhandelt über Verkauf von Brasilien-Werk

Thyssenkrupp treibt Insidern zufolge Pläne zum Verkauf seines verlustreichen Stahlwerks in Brasilien voran.

Der Konzern verhandele mit dem Stahlkonzern Ternium, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gespräche seien weit fortgeschritten, ein offizielles Angebot gebe es aber noch nicht.

Thyssenkrupp hatte 2012 angekündigt, die Anlage zu verkaufen. Sie soll mit rund 2,2 Milliarden Euro in den Büchern stehen, der Konzern wollte sich dazu nicht äußern. Einige Analysten haben den Wert auf unter drei Milliarden Dollar (rund 2,7 Milliarden Euro) beziffert. Ternium sei zu einem Deal bereit, wenn der Preis deutlich unter der Marktvorstellung liege, sagte ein Insider.

Thyssenkrupp bekräftigte, dass das Werk keine strategische Bedeutung für den Konzern habe und mittel- bis langfristig abgestoßen werden solle. Daher seien Gespräche mit interessierten Parteien normal. Von Ternium war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Mit einem Verkauf des Werks würde Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger einen Schlussstrich unter die von seinem Vorgänger Ekkehard Schulz gestartete Stahloffensive in Amerika ziehen. Die Kosten für zwei Anlagen – neben Brasilien ein Werk in den USA – waren auf über zwölf Milliarden Euro explodiert. Insbesondere der Bau des Brasilienwerks war von Pleiten, Pech und Pannen begleitet. Die Anlage fuhr Milliardenverluste ein. Trotz operativer Verbesserungen schrieb das Werk mit rund 3700 Beschäftigten auch in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen operativen Verlust von 100 Millionen Euro. Das Stahlwerk in den USA hatte Thyssenkrupp 2014 für gut eine Milliarde Euro an ein Konsortium um ArcelorMittal und Nippon Steel verkauft.

Ternium sei an der Anlage interessiert, um womöglich die eigene Produktion in Brasilien auszubauen, sagten zwei Insider. Vor einigen Monaten habe es schon mal Gespräche gegeben, die aber ins Stocken geraten waren. Über die neuen Verhandlungen hatte am Dienstag zunächst das „Wall Street Journal“ berichtet.

Thyssenkrupp kann über den Verkauf frei entscheiden, seitdem das Unternehmen im April auch noch den Minderheitsanteil daran von dem brasilianischen Rohstoffkonzern Vale übernommen hatte.

Kommentare

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  1. Tschick Tschaikowski sagt:

    Thyssen würde verhandeln, wenn es dann einen Interessenten gäbe.
    Den sucht man krampfhaft seit 5 Jahren.

  2. Dirk sagt:

    Das passt in das Schema der deutschstämmigen Konzerne:
    die Verluste in der Vergangenheit hat man getragen, aber die Gewinne in der Zukunft überlässt man anderen.
    Die Frage wäre grundsätzlich, ob die Entscheider hier noch für das Unternehmen arbeiten oder schon für Andere.