Wirtschaft fürchtet Trump-Sieg bei US-Wahlen

Trumps Schuldenpolitik und seine protektionistischen Ansichten stoßen auf breite Skepsis

Aktuell liegt Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton zwölf Prozent vor Donald Trump. Doch ein wirklicher Trend für die US-Wahlen im September lässt sich letztlich noch nicht ableiten. Firmen wandern ab, die Industrie stirbt, die Wirtschaft blutet aus: Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump zeichnet ein düsteres Bild der Konjunktur in den Vereinigten Staaten. Sollte er das Rennen machen, will er eine Mauer an der Grenze zum langjährigen Handelspartner Mexiko hochziehen. Zudem sollen Steuererleichterungen dafür sorgen, Amerikas Wirtschaft zu kurieren. Nach Ansicht seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton beschwört er damit eine Rezession herauf, die den mühsam in Gang gebrachten Aufschwung am Arbeitsmarkt abwürgen würde. Die erhitzte Debatte macht deutlich: Beim Rennen um das Weiße Haus steht eine Richtungswahl an, wie die Wirtschaftsmacht Nummer eins die Folgen der Globalisierung bewältigen soll.

Der mögliche Ausgang der Wahlen ist nicht nur für die Amerikaner selbst ein Thema. In anderen Ländern wie auch in zahlreichen internationalen Organisationen wird der Wahlkampf verfolgt. Je nachdem, ob die Republikaner den nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten stellen oder eben die Demokraten, wird sich möglicherweise einiges hinsichtlich der Rolle der USA in der NATO, beim IWF und bei der Weltbank ändern.

Die Ungewissheit über den Wahlausgang war auch beim jährlichen Treffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington zu spüren. „Es ist erschreckend“, sagte ein hoher Beamter mit Blick auf einen Sieg Trumps der FT. Trump würde die USA in die Pleite führen, den Dollar zum Kollabieren bringen und die globale Wirtschaft an den Rand einer Krise wie in den 1930er Jahren führen.

Hintergrund sind Trumps Äußerungen zu einer Neuverhandlung der Schuldenpolitik seines Landes. Aber auch der Protektionismus der USA, der durch angedrohte Strafzölle auf chinesische und mexikanische Waren verstärkt werden würde, hat den IWF aufhorchen lassen. Bei dem jährlichen Treffen hatte IWF-Chefin Christine Lagarde entsprechend auf einen der Gründerväter, John Maynard Keynes verwiesen. Dieser sagte einmal, dass die Schwierigkeit meist „nicht so sehr darin liege, neue Ideen zu entwickeln, sondern den alten zu entkommen“, zitiert ihn Lagarde. „Wenn unsere Gründer heute hier sein könnten, wären sie überaus besorgt“, so die IWF-Chefin. „Sie teilten die Überzeugung, dass der Handeln und die Offenheit für diejenigen, die sie umarmen, von Vorteil sind.“

Zwar wird Trump explizit nicht genannt, doch bei dem Treffen wie auch in dem zuletzt veröffentlichten Bericht des IWFs ist Trump zwischen den Zeilen zu lesen. So benannte ihn der IWF in seinem Bericht neben der Brexit-Entscheidung und der Unsicherheit über den Ausgang der US-Wahlen als größte unmittelbare Sorge hinsichtlich der Entwicklung der Weltwirtschaft. Aber auch die Zunahme populistischer Parteien in der EU bereitet der Organisation Sorgen. Auch diese treiben die Kritik an dem internationalen Handel und der Globalisierung voran.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass es so viel Skepsis bezüglich dieser Werte gegeben hat, wie wir sie heute sehen“, so Suma Chakrabarti, Chef der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Und der Chef der WTO, Roberto Azevêdo, sagte, dass Protektionismus für Wirtschaften, die mit geringem Wachstum konfrontiert sind, die „falsche Medizin“ wäre. „Das ist Art von Medizin, die dem Patienten selbst schadet.“

„Ein zentrales Thema Trumps ist die Behauptung, dass die USA im internationalen Handel benachteiligt werden und deshalb viele gut bezahlte Jobs verloren gehen“, sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Der Republikaner wolle deshalb aus der mit Kanada und Mexiko gebildeten Nordamerikanischen Freihandelszone (Nafta) aussteigen. „Solche brachialen Eingriffe in den Außenhandel wären selbst für eine Wirtschaft von der Größe der amerikanischen riskant.“ Auch Handelsabkommen wie die von Washington bereits unterzeichnete Transpazifische Partnerschaft TPP oder das geplante Abkommen mit Europa (TTIP) würden von einem Präsidenten Trump blockiert und wären damit „klinisch tot“.

Bei den Steuern sehen Clinton wie auch Trump Handlungsbedarf, wollen den Hebel jedoch an unterschiedlichen Stellen ansetzen: Mit 35 Prozent belastet der US-Fiskus Firmen weit höher als es in anderen Industrienationen der Fall ist. Trump möchte die Bundessteuer auf Unternehmensgewinne auf 15 Prozent drücken. „Die Effekte für den US-Aktienmarkt wären enorm. Höhere Gewinn- und Wachstumsraten und letztendlich auch attraktivere Bewertungen wären die Folge“, meint Ökonom Rolf Kuster von der VP Bank

Kommentare

Dieser Artikel hat 2 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Slackstick sagt:

    Mit anderen Worten: Die größte Gefahr für die Weltwirtschaft ist laut IWF die DEMOKRATIE.

  2. Joe sagt:

    Na hoffentlicht fürchtet die Wirtschaft richtig