Brexit: Außenhandel erwartet Einbußen

Der Außenhandelsverband rechnet trotz eines bislang stabilen Wachstums in der Euro-Zone mit erheblichen Auswirkungen des Brexit-Votums auf die deutsche Wirtschaft.

„Der politische und wirtschaftliche Flurschaden ist gewaltig. Unabhängig vom Brexit mussten wir schon im ersten Halbjahr eine deutliche Abkühlung in diesen wichtigen bilateralen Wirtschaftsbeziehungen verzeichnen“, sagte Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Großbritannien ist Deutschlands drittwichtigster Absatzmarkt mit Exporten von 89 Milliarden Euro. „Wuchsen im vergangenen Jahr unsere Ausfuhren nach Großbritannien noch um 12,3 Prozent, so waren es im ersten Halbjahr dieses Jahres nunmehr nur noch 0,5 Prozent“, erklärte Börner.

Besonders die Unsicherheit über das Wie und Wann des britischen Ausstiegs aus der Europäischen Union werde sich in den nächsten Monaten lähmend auf die Wirtschafts- und Handelsbeziehungen auswirken, sagte der Außenhandelspräsident. „Solange dies unklar bleibt, ist davon auszugehen, dass einige, sicher nicht nur deutsche Unternehmen, ihre Investitionspläne zumindest vorläufig auf Eis legen. Zudem verteuert der Wertverlust des britischen Pfunds unsere Exporte erheblich.“ Schlimmer wiege noch, dass sich die Briten eben deutlich weniger leisten könnten. „Die Briten sind die Ersten, die unter den wirtschaftlichen Folgen zu leiden haben.“ Hochrechnungen zufolge müsse sich England auf bis zu 30 Prozent Verminderung des Wohlstands bis 2030 einstellen.

In einer DIHK-Umfrage im Juli, direkt nach dem Referendum, gaben die Mehrheit der Unternehmen an, dass sie mit einer Zunahme nicht-tarifärer Handelshemmnisse rechnen (73 %). Politische und rechtliche Unsicherheit sowie die Zunahme tarifärer Handelshemmnisse waren die zweit- und drittgrößte Sorge deutscher Unternehmen.

„Zwei Drittel der Unternehmen rechnen während der voraussichtlich zweijährigen Verhandlungsphase zumindest noch mit einem konstanten bilateralen Handel“, so die Autoren der Umfrage. „Nach einem vollzogenen Austritt aus der EU erwartet jedoch mittelfristig rund die Hälfte der Unternehmen sinkende Ausfuhren und einen Rückgang der Importe aus dem Vereinigten Königreich.“ Das Vereinigte Königreich ist Deutschlands drittwichtigster Exportmarkt und fünftwichtigster Handelspartner.

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