Arbeitslosenquote steigt: Wirtschaft ist gefordert

Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist erneut leicht gestiegen. Die Tendenz ist jedoch auf dem richtigen Weg.

Erneut steigt die Arbeitslosigkeit Ende Oktober mit einem Plus von 1.100 Personen (im Vorjahresvergleich), die arbeitslos oder in AMS-Schulungen sind. Das leichte Minus in der Arbeitslosenquote (0,1 Prozent-Punkte im Vorjahresvergleich) bedeutet daher noch lange keine Entwarnung am Arbeitsmarkt, so eine Auswertung der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). „Dieser leicht positive Trend am Arbeitsmarkt ist allein der weiter deutlich steigenden Beschäftigung zu verdanken“, so Martin Gleitsmann , Leiter der sozialpolitischen Abteilung der WKÖ. „Das zeigt, dass nur spürbare Beschäftigungsimpulse für unsere Wirtschaft das beste Rezept gegen den nach wie vor kranken österreichischen Arbeitsmarkt sein können.“ Alarmzeichen muss in diesem Zusammenhang auch das ständige Abrutschen Österreichs im EU-weiten Ranking sein. Nach den zuletzt verfügbaren Zahlen gehört Österreich (+0,5 Prozent-Punkte im Vorjahresvergleich) zu den wenigen Ländern mit steigender Arbeitslosigkeit. Diese Entwicklung ist äußerst besorgniserregend und verlangt nach raschen und wirksamen Taten“, so Gleitsmann.

Positiv ist die Beschäftigungsentwicklung in Österreichs Betrieben. „Ein Plus von 57.000 Beschäftigten im Vorjahresvergleich zeigt, was die Betriebe trotz schwierigster Rahmenbedingungen leisten. Die von der Regierung zuletzt beschlossenen Investitionsanreize kommen gerade zur richtigen Zeit ebenso wie die Senkung der Lohnnebenkosten um 0,4 Prozent zu 2017. Notwendig sind hier aber weitere Schritte zur Entlastung von Betrieben“, betont Gleitsmann.

Erfreulich ist der neuerliche Anstieg an gemeldeten offenen Stellen (+28,2 Prozent). Jetzt ist es wichtig, dass diese freien Jobs auch besetzt werden können. „Wenn passende Fachkräfte nicht verfügbar sind, braucht es Weiterbildungen, die direkt in den Betrieben ansetzen und damit dem Bedarf der Wirtschaft entsprechen. Der erst kürzlich im Verwaltungsrat beschlossene Ausbau jener Ausbildungen, die direkt in den Betrieben ansetzen und theoretische und praktische Ausbildungsteile kombinieren, ist der richtige Weg. Auf diese Weise werden die Betriebe mit den dringend nötigen Fachkräften versorgt und die Job suchenden Menschen mit jenen Qualifikationen ausgestattet, die sie am Arbeitsmarkt entsprechend verwerten können,“ so Gleitsmann. „Es ist erfreulich, dass sich auch die Bundesregierung erst kürzlich im Ministerratsvortag ausdrücklich zu diesem Schritt, dem Ausbau der betriebsnahen Weiterbildungen, bekannt hat.“

Die Beschäftigung von Personen, die über 50 Jahre alt sind steigt jedoch seit Jahresbeginn. Das ist eine Steigerung um 5,1 Prozent im Vorjahresvergleich und damit eine überdurchschnittlich gute Entwicklung. „Es zeigt sich, dass die im letzten Jahr gesetzten Maßnahmen, insbesondere der verstärkte Einsatz der Eingliederungsbeihilfe, der richtige Schritt war, um ältere Arbeitssuchende wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren,“ so Gleitsmann.

Die steigende Arbeitslosigkeit bringt das Arbeitsmarktbudget sehr unter Druck. Der aktuell im Begutachtungsverfahren befindliche Gesetzesentwurf, mit dem das Arbeitsmarktservice einen erweiterten Zugriff auf das Melderegister erhält, um die missbräuchliche Inanspruchnahme der Arbeitslosenversicherung besser bekämpfen zu können, wird seitens der WKÖ sehr begrüßt. „Eine wirksame Arbeitsmarktpolitik verlangt nach wirksamen Kontrollen. Es ist wichtig, dass dem AMS dazu auch die richtigen Werkzeuge in die Hand gegeben werden, um Missbrauch zu verhindern“, so Gleitsmann.

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