Studie: Investoren kritisieren Lohntransparenz in der Schweiz

Die Transparenz der Vergütungspolitik von Schweizer Unternehmen wird von Investoren kritisiert. Laut einer Studie ist die Mehrheit sogar der Ansicht, dass sich die Managementlöhne nicht an der Leistung orientieren.

Die Transparenz der Vergütungspolitik von Schweizer Unternehmen wird von Investoren kritisiert, berichtet die Nachrichtenagentur AWP. Laut einer Studie des unabhängigen Schweizer Stimmrechtsberaters SWIPRA ist die Mehrheit sogar der Ansicht, dass sich die Managementlöhne nicht an der Leistung orientieren. Vor diesem Hintergrund sei eine Abstimmungspflicht für Investoren kritisch zu beurteilen, heißt es in der am Montag veröffentlichten Studie.

Eine Mehrheit von 53,6 Prozent der Investoren ist offenbar der Meinung, dass das Management nicht anhand der gebotenen Leistung bezahlt wird. Demnach steht für Pensionskassen, Vermögensverwalter und Fondsgesellschaften die Vergütung des Managements von kotierten Schweizer Unternehmen „in keinem vernünftigen Verhältnis zur ausgewiesenen Leistung“, so die Studie.

Dies liege vorwiegend an der Kommunikation bzw. an der unzureichenden Offenlegung. Demnach seien nur 8,9 Prozent der Investoren mit den verfügbaren Informationen zufrieden. Zudem käme erschwerend hinzu, dass eine deutliche Mehrheit der Investoren (67,3 Prozent) und Unternehmen (74,7 Prozent) das Thema variable Vergütungen als zunehmend komplex einstufe. Ein internationaler Vergleich zeige zudem, dass sich ein großer Graben zwischen der Schweiz und dem Ausland ergebe. Eine große Mehrheit von 66,7 Prozent aller Investoren beurteilen die verfügbaren Informationen bezüglich leistungsorientierter Vergütung im Ausland als „gehaltvoller“ als in der Schweiz.

Eine weitere zentrale Erkenntnis der Studie zeige außerdem, dass ein überwiegender Teil der Schweizer Investoren ihrer Stimmrechtsausübung wenig Wert beimisst und sich zudem nicht am direkten Austausch mit Unternehmen beteiligt. In der Schweiz seien lediglich die Hälfte der Vermögensverwalter und nur 22,6 Prozent der Pensionskassen der Ansicht, dass sie mit ihren Stimmrechten im Unternehmen Wert schaffen und Einfluss nehmen können, heißt es weiter.

Bei internationalen Investoren sei dies anders: 100 Prozent der befragten internationalen institutionellen Vermögensverwalter suchen den bilateralen Austausch mit den Unternehmen. Die Größe der Investoren erklärt diesen markanten Unterschied nur teilweise. Alexander Wagner, Professor am Swiss Finance Institute und der Universität Zürich sowie Stiftungsratspräsident von SWIPRA: „Nur wer mitredet, kann mitbestimmen. Durch das größere Engagement der internationalen Investoren wächst ihr Einfluss auf die Corporate Governance-Landschaft in der Schweiz und die Ergebnisse an den Generalversammlungen weiter.“

Eine Abstimmungspflicht für Schweizer Vermögensverwalter sei vor diesem Hintergrund kritisch zu beurteilen, meint Barbara Heller, Geschäftsführerin von SWIPRA. „Ein Stimmzwang birgt die Gefahr, dass Investoren die Traktanden an Generalversammlungen auf möglichst einfache Art und Weise beurteilen werden“, wird Heller in der Mitteilung zitiert.

Eine knappe Mehrheit der institutionellen Anleger (52 Prozent) attestiert den Kleinaktionären in der Schweiz zudem einen zu geringen Schutz. Die Unternehmen hingegen empfinden mit 83,8 Prozent den Schutz der Kleinaktionäre als klar angemessen. Im Zusammenhang mit Aktionärsrechten hat SWIPRA die Frage aufgeworfen, ob Beteiligungspapiere mit einer vom Prinzip „one share one vote“ abweichenden Aktienstruktur weiterhin in einen Leitindex gehören oder nicht. 64,0 Prozent der Vermögensverwalter sind der Meinung, dass solche Titel nicht in einem Leitindex vertreten sein sollten, insbesondere wenn die frei handelbaren Aktien weniger als 50 Prozent der Stimmrechte vertreten.

Bei den Unternehmen stößt eine allfällige Praxisänderung mehrheitlich auf Ablehnung (51,3 Prozent). Angesichts der Wahrnehmung, institutionelle Aktionäre würden sich nur an kurzfristigen Interessen orientieren, wurde der Vorschlag einer Loyalitätsdividende in die laufende Revision des Schweizerischen Aktienrechts eingebracht. Diese soll die Möglichkeit schaffen, Aktionären mit längeren Haltefristen zusätzliche Dividenden zu zahlen. Dieser Ansatz wird nur von einer Minderheit der Investoren (21,8 Prozent) und Unternehmen (21,3 Prozent) unterstützt.

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