Deutsche Stahlindustrie: Lage bleibt auch 2017 ernst

Die Lage der Stahlindustrie wird auch im kommenden Jahr ernst bleiben. Der Preisdruck aus China wird vermutlich ebenso anhalten wie der Produktions-Rückgang bei Rohstahl.

Die seit Jahren kriselnde Stahlindustrie in Deutschland blickt etwas zuversichtlicher auf die Geschäftsentwicklung im kommenden Jahr, berichtet Reuters. Die Nachfrage nach Walzstahl, einem der Hauptprodukte der Branche, werde hierzulande 2017 wohl um ein bis zwei Prozent anziehen nach einem Plus von einem Prozent im laufenden Jahr, erklärte die Wirtschaftsvereinigung Stahl am Montag. In den ersten acht Monaten dieses Jahres hätten die Bestellungen für den Werkstoff insgesamt im Schnitt um fünf Prozent zugelegt. Treiber waren vor allem die Bau- und Automobilindustrie. Eine Entwarnung wollte Verbandspräsident Hans Jürgen Kerkhoff aber nicht geben: „Die wirtschaftliche Lage der Stahlunternehmen in Deutschland ist weiterhin ernst.“

Der Branche um Thyssenkrupp, Salzgitter und Weltmarktführer ArcelorMittal machen der Preisdruck durch chinesische Billigimporte, Überkapazitäten und immer schärfere Klimaschutzauflagen zu schaffen. Zwar seien die chinesischen Stahlimporte in die Europäische Union (EU) in den ersten acht Monaten etwas gesunken, sagte Kerkhoff. Sie seien aber immer noch doppelt so hoch wie 2013. Die von der EU in diesem Jahr verhängten Anti-Dumpingzölle auf einige Stahlsorten aus China seien völlig unzureichend. China stehe nicht nur für die Hälfte der weltweiten Stahlproduktion, sondern auch für zwei Drittel der globalen Überkapazitäten von rund 660 Millionen Tonnen.

In den vergangenen Jahren haben die Hersteller in Deutschland ihre Produktion gedrosselt. In diesem Jahr rechnet der Stahlverband mit einem Rückgang der Rohstahlproduktion auf 42,5 Millionen Tonnen von 42,7 Millionen Tonnen im Jahr zuvor. 2007 waren es noch 48,5 Millionen Tonnen. Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger hat sich angesichts der Krise für Zusammenschlüsse in der Schwerindustrie ausgesprochen. Er verhandelt seit Monaten über eine mögliche Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata Steel – allerdings bislang ohne Ergebnis.

Thyssenkrupp & Co sehen sich auf wegen der Klimaschutzauflagen der EU im Nachteil gegenüber der Konkurrenz aus Fernost. So rechnet der Stahlverband damit, dass durch die ab 2021 geplante Verschärfung des Handels mit Verschmutzungsrechten zum Ausstoß von Kohlendioxid der Branche im Schnitt Zusatzkosten von jährlich einer Milliarde Euro entstehen. Allein Thyssenkrupp befürchtet Zusatzbelastungen von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr. Die Branche hofft, dass die Pläne noch entschärft werden. „Nach den bisherigen Vorschlägen hätten wir ab 2021 zusätzliche Kosten in einer Höhe zu tragen, die wir nicht erwirtschaften und nicht am Markt kompensieren können“, hat Thyssenkrupp-Stahlchef Andreas Goss gewarnt.

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