Ausländische Konzerne sehen Schweizer Wirtschaftsstandort in Gefahr

Eine Studie des Unternehmensberaters KPMG zeigt, dass viele Standortvorteile der Schweiz im internationalen Wettbewerb gefährdet sind.

Viele multinationale Unternehmen sind wegen Standortfaktoren wie attraktiven Steuermodellen und einem liberalen Arbeitsrecht in die Schweiz gekommen. Diese sehen nun viele gemäß einer Studie des Unternehmensberaters KPMG in Gefahr, wie die Handelszeitung berichtet. Insbesondere die stockende Umsetzung der Unternehmenssteuerreform III (USR) führe zu mangelnder Planungssicherheit und bedrohe die Standortqualität für global tätige Firmen.

Rund 14 Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts wird von internationalen Unternehmen erwirtschaftet, erklärt Martin Naville, CEO der Swiss-American Chamber of Commerce, vor den Medien anlässlich der Veröffentlichung der Studie. Neben der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative und der Regulierung des Arbeitsmarktes sei für diese Firmen vor allem eine rasche Umsetzung der USR III von fundamentaler Bedeutung.

Einer der Hauptgründe für die Ansiedlung von multinationaler Konzern in der Schweiz ist laut einer Publikation von KPMG das Steuerregime, berichtet die Bilanz. Doch nur noch 42 Prozent der rund 850 befragten internationalen Unternehmen gaben an, dass das Schweizer Steuersystem auch in Zukunft einen wichtigen Standortvorteil darstellen wird. Die restlichen Unternehmen sind der Meinung, dass in Zukunft restriktivere internationale Besteuerungsstandards der EU und der OECD übernommen werden, so die Studienautoren.

Ein berechenbares und wettbewerbsfähiges Steuersystem sei daher zentral, um die Standortattraktivität zu erhalten. „Der Standortwettbewerb kann nicht durch Steuerwettbewerb gewonnen werden“, so Güdel, „er kann dadurch nur verloren werden“. Die aktuellen Steuerstrukturen seien demnach der Hauptgrund, warum internationale Unternehmen sich in der Schweiz ansiedeln, ergänzt Arturo Bris, Direktor des IMD World Competitiveness Center.

Die Vorhaben der USR III komme bei den multinationalen Unternehmen zwar prinzipiell gut an, ein Teil der Befragten zweifle aber an einer effektiven Umsetzung der Reform. Die restlichen Unternehmen sind der Meinung, dass in Zukunft restriktivere internationale Besteuerungsstandards der EU und der OECD übernommen werden, so die Studienautoren.

Nur 47 Prozent der multinationalen Konzerne glauben zudem, dass die Schweiz den Wettbewerbsvorteil eines liberalen Arbeitsrechts in den nächsten drei Jahren noch behalten kann. Fast 30 Prozent gaben sogar an, dass zunehmende Regulierung der Arbeitsverhältnisse die Geschäftstätigkeit in der Schweiz in Zukunft erschweren werde. Vor allem die künftige Erfassung der Arbeitszeit ist den Unternehmern ein Dorn im Auge.

Das Lohnniveau sei zudem eine weitere Herausforderung für die Geschäftstätigkeit in der Schweiz, berichtet die Handelszeitung. Rund 60 Prozent der multinationalen Unternehmen sehen das hohe Kostenniveau kritisch. Zwar seien die Löhne für Führungskräfte in der Schweiz im internationalen Vergleich auf ähnlichem Niveau, jedoch habe die Vergütung im mittleren Kader über die letzten Jahre im Vergleich zu anderen Wirtschaftsstandorten stärker zugenommen als die Arbeitsproduktivität.

Fast die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, dass sich dieser kostenseitige Nachteil durch den starken Schweizer Franken verschärft. Rund 47 Prozent zeigen sich laut Studie besorgt über die Belastung der hiesigen Wirtschaft durch den hohen Wechselkurs. Trotzdem sehen die Unternehmen eine erneute Anbindung des Schweizer Franken an den Euro mehrheitlich nicht als Option.

Ein weiterer wichtiger Punkt, wo die Schweiz bald zurückfallen wird, ist laut der Studie die Innovationskraft. Doch nur 44 Prozent der befragten Firmen glauben, dass ihre Unternehmen aufgrund des Standortes Schweiz innovativer werden. Lediglich 30 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass die Schweiz mit ihren Universitäten und Hochschulen auch in Zukunft einen wesentlichen Standortvorteil darstellen.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *