Schiffskrise beschert NordLB Milliardenverlust ein

Die NordLB steuert wegen der Belastungen durch die Schiffskrise auf den höchsten Verlust ihrer Geschichte zu.

Die drittgrößte deutsche Landesbank warnte am Donnerstag, dass sie 2016 vor Steuern ein Minus von mehr als einer Milliarde Euro erwartet. Solche Verluste seien „sehr schmerzhaft“, sagte NordLB-Chef Gunter Dunkel, der am Jahresende abtritt. „Sie können sich vorstellen, dass ich mir ein anderes letztes Jahr vorgestellt habe.“ 2017 werde das Hannoveraner Geldhaus, das mehrheitlich dem Land Niedersachsen gehört, wieder in die schwarzen Zahlen zurückkehren.

Die Krise in der Schifffahrt, die seit über acht Jahren unter Überkapazitäten leidet, hat sich zuletzt wegen des schwächeren Wachstums in China und der Pleite der südkoreanischen Reederei Hanjin nochmals verschärft. Durch die Hanjin-Insolvenz seien die Preise für Container-Schiffe weiter unter Druck geraten, sagte NordLB-Riskovorstand Thomas Bürkle, der 2017 die Nachfolge von Dunkel antritt. Ein Ende der Talfahrt sei aktuell nicht in Sicht. Deshalb sei auch in den kommenden Jahren mit hohen Belastungen durch faule Schiffskredite zu rechnen. In den ersten neun Monaten 2016 hat sich die Risikovorsorge im Kreditgeschäft der NordLB mehr als vervierfacht auf 1,65 Milliarden Euro. Vor Steuern fiel deshalb ein Verlust von 624 Millionen Euro an.

Großen Anteil daran hat die kriselnde Tochter Bremer Landesbank, an der die Hannoveraner derzeit 55 Prozent halten. Die Bremer warnten bereits am späten Mittwochabend, dass bei ihnen 2016 ein hoher dreistelliger Millionen-Verlust anfallen wird. Die NordLB will die Bremer Landesbank zum Jahresende komplett schlucken. An dem Ende August vereinbarten Deal werde sich wegen der tiefroten Zahlen der Bremer nichts ändern, betonte Bürkle.

Bei der NordLB fiel die harte Kernkapitalquote bei voller Umsetzung der strengeren Basel-III-Regeln in den ersten neun Monaten um 0,7 Prozentpunkte auf 11,5 Prozent. Das Institut steht damit schwächer da als viele Konkurrenten. Bei der BayernLB, die eine ähnliche Quote aufweist, möchte der Mehrheitseigener Bayern nach Reuters-Informationen die Kapitalpolster stärken. Die NordLB sieht dafür dagegen keinen Bedarf, wie der künftige Vorstandschef Bürkle betonte. „Wir sehen nicht die Notwendigkeit, über externe Hilfe nachzudenken.“ Im Notfall will die NordLB lieber den Abbau von Risikopositionen beschleunigen.

Bei der angepeilten Reduktion ihres Schiffsportfolios hat die Bank seit Jahresanfang bereits Fortschritte gemacht. Der Bestand sank von 19 auf 17 Milliarden Euro, bis Jahresende sind 16 Milliarden Euro angepeilt. Ein geplanter 1,3 Milliarden Euro schwerer Verkauf von Schiffsdarlehen an den Finanzinvestor KKR und einen Staatsfonds sei dabei noch nicht berücksichtigt, erklärte Bürkle. An dem KKR-Deal werde weiter „mit Hochdruck gearbeitet“. Er sei optimistisch, dass er bis Jahresende eingetütet werde.

Auch andere Geldhäuser wollen wegen der Flaute auf hoher See Schiffskredite losschlagen – unter anderem die Deutsche Bank, die Commerzbank und die HSH Nordbank . Die HSH muss auf Druck der EU-Kommission bis 2018 verkauft oder abgewickelt werden. Die NordLB ist zuversichtlich, ein solches Szenario verhindern zu können, da die Geschäfte außerhalb der Schifffahrt gut laufen – etwa mit Firmenkunden und der Immobilienbranche. „Die Bank ist nicht nur Schiffe“, betonte Bürkle. Schiffskredite machten nur rund 15 Prozent des gesamten Kreditportfolios aus.

 

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