Österreichs niedrige Telekom-Investitionen gefährden Standort

Trotz zunehmender Digitalisierung ist Österreich in Sachen Telekom-Investitionen in den 21 Industriestaaten das Schlusslicht.

Gemessen am BIP liegt die nationale Investitionsquote hier bei lediglich 0,23 Prozent, wie eine aktuelle WIFO-Studie nun berechnet hat. Hinter der Schweiz liegen Dänemark und Italien auf Platz zwei und drei. Im internationalen Vergleich hat Neuseeland mit 0,61 Prozent die höchste Investitionsquote gemessen am BIP. Deutschland befindet sich auf Rang 19 von 21.

Im Pro-Kopf-Vergleich zeigt sich ein ähnliches Bild: „Um den EU-Schnitt zu erreichen, müssten sie um etwa 30 Prozent steigen“, schreibt WIFO-Forscher Klaus Friesenbichler. Wollte man in Österreich den Wert der USA erreichen, müsste sogar eine Steigerung um 280 Prozent erfolgen. Mit diesen niedrigen Investitionen gehen auch die nationalen, niedrigen Durchdringungsraten einher. Vor allem im Segment der höchsten Übertragungsraten tue sich eine Kluft zu vielen Vergleichsländern auf, so die Studie.

„Dass leistungsfähige Datennetze nur eingeschränkt verfügbar sind, bedeutet einen Standortnachteil für Österreich. Falls die Investitionstätigkeiten weiterhin so verhalten bleiben, wird dieser in den kommenden Jahren noch größer“, sagt Friesenbichler. Vor allem der ländliche Raum leide unter niedrigen Durchdringungsraten. Für viele Unternehmen mache das diese Regionen weniger attraktiv.

Nachteilig wirkt sich in diesem Zusammenhang auch die fehlende Entscheidung hinsichtlich der Ausgestaltung des österreichischen Telekomsektors aus. „Das derzeitige Hybridmodell zwischen staatlich und privatwirtschaftlich dominierten Modellen birgt Unsicherheiten für alle Akteure und verzögert den Netzausbau, so Friesenbichler. Die wirtschaftspolitischen Absichten sollten rasch geklärt werden, um Planungssicherheit zu gewährleisten. Zusätzliche Investitionen im Umfang von einer Milliarde Euro ergaben Effekte von bis zu 1,2 Milliarden Euro an verbundener Wertschöpfung und eine Auslastung für 14.700 Beschäftigte. „Die Effekte sind im Rahmen realistischer Investitionssummen skalierbar.“

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