Negativzinsen: UBS-Ökonom warnt vor „Bankrun“ der Sparer

Der Chefökonom der UBS warnt vor einem Bankrun der Sparer, falls Schweizer Banken Negativzinsen der SNB weitergeben

Viele Schweizer halten hohe Geldbeträge in bar. (Foto: Flickr/Jeff/CC BY ND 2.0)
Viele Schweizer halten hohe Geldbeträge in bar. (Foto: Flickr/Jeff/CC BY ND 2.0)

Die Anlageexperten der UBS warnen vor einer Weitergabe von Strafzinsen an Kleinsparer. „Das ist eine heikle Gratwanderung der Banken“, sagte der Chefökonom für die UBS in der Schweiz, Daniel Kalt, laut Reuters. Im Kleinkundengeschäft könnten die Institute die Negativzinsen nicht weitergeben. „Sonst haben sie einen Bankrun“, warnte Kalt. Die Institute fürchten ein solches Szenario, bei dem Bankkunden massenweise Bargeld abheben.

Banken müssen für ihre Einlagen bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ab einem gewissen Freibetrag eine Strafgebühr von minus 0,75 Prozent bezahlen. Damit will die SNB verhindern, dass noch mehr Anleger in den sicheren Hafen Schweiz flüchten und der Franken weiter an Wert gewinnt – denn das bremst die Exporte.

Doch für Banken bedeuten die Negativzinsen hohe Kosten: Viele Anleger lassen wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten lieber die Finger von Aktien oder Anleihen und halten ihr Erspartes in bar. „Cash – so wie es die Banken anbieten, ist ein subventioniertes Asset, weil wir die Negativzinsen nicht weitergeben können. Deshalb ist Cash für die Banken ein gewisses Problem“, sagte Kalt.

Unlängst hatte die PostFinance – eine der größten Banken der Schweiz – für ihre Kunden daher Negativzinsen ab einem Barvermögen von einer Million Franken angekündigt. Ansonsten verlangt die Alternative Bank Schweiz eine Strafgebühr von ihren Kunden. Andere Institute scheuen bisher vor einer Gebühr für Kleinsparer zurück, haben das aber in einigen Fällen nicht ausgeschlossen.

Unbeeindruckt von der Möglichkeit der Strafzinsen tragen die Europäer ihre Ersparnisse weiterhin auf die Bank, wie eine Erhebung kürzlich ergeben hat. Der größte Teil der Ersparnisse wird demnach auf Konten geparkt. Bemerkenswert ist, dass an zweiter Stelle der Vermögensanlage das Halten von Bargeld steht. Dies verweist auf eine erhöhte Vorsicht der Bürger, weil es Bargeld ermöglicht, die eigenen Ersparnisse aus dem Geldkreislauf der Banken zu ziehen.

Kommentare

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  1. FDominicus sagt:

    Wäre gut wenn die Bankkunden es wirklich machten. Ich bezweifele es.