Deutsche Autobauer im Visier: Türkei erhöht Steuern auf Importmarken

Die türkische Regierung hat die Besteuerung von Autos geändert. Die Änderung betrifft vor allem deutsche Autobauer .

Die Türkei ist für deutsche Automarken kein unwichtiger Markt. (Foto: Flickr/Ago 70/CC by nc nd 2.0)

Die Türkei ist für deutsche Automarken kein unwichtiger Markt. (Foto: Flickr/Ago 70/CC by nc nd 2.0)

Für die deutschen Autobauer könnte der Absatz eigener Autos in die Türkei zukünftig deutlich geringer ausfallen. Der türkische Finanzminister Naci Ağbal hat vergangene Woche bezüglich der Besteuerung von Autos Änderungen angekündigt. War bis dato die Größe des Motors eines Autos ausschlaggebend für die Steuern, die ein Eigentümer in der Türkei zahlen musste, ist nun nur mehr der Kaufpreis entscheidend. Bis jetzt war es demnach möglich für einen Luxuswagen mit einem kleinen Motor weniger Steuern zu zahlen als für einen Luxuswagen mit großem Motor. Sie werden derzeit noch besteuert wie Modelle für den Massenmarkt, die in der Türkei von Herstellern wie Toyota und Renault sowie von Gemeinschaftsunternehmen von Ford, Ford Otosan, und Fiat, Tofas, gebaut werden.

Da nun jedoch der Kaufpreis für die Höhe der zu entrichtenden Steuern entscheidend ist, spielt die Größe des Motors keine Rolle mehr. Fahrzeuge, die zwischen umgerechnet knapp 11.000 Euro (40.000 Lira) und etwa 19.000 Euro (70.000 Lira) kosten, verteuerten sich mit der Entscheidung um rund drei Prozent, sagte Finanzminister Naci Agbal. Alle Fahrzeuge unter einem Preis von 11.000 Euro zögen keine höheren Steuern nach sich.

Die heimische Branche dürfte davon indirekt profitieren, weil sie vor allem günstigere Modelle herstellt, die nicht von der Anhebung der Sonderverbrauchssteuer betroffen sind. Das Nachsehen könnten dagegen deutsche Konkurrenten haben wie BMW, Mercedes, Volkswagen und die Tochter Audi.

Die deutschen Autobauer sind in der Türkei stark vertreten. Neben Nutzfahrzeugen, die diese direkt in der Türkei herstellen, werden auch zahlreiche Autos in die Türkei importiert. So liegt der Marktanteil der deutschen Pkw in der Türkei bei über 44 Prozent, wie Eckehart Rotter vom Verband der Automobilindustrie (VDA) den Deutschen Mittelstands Nachrichten sagte. Mit 20.000 Verkäufen im Geschäftsjahr 2015 gehörte die Türkei für AUDI zu „unseren Top-15-Märkten weltweit“, so Oliver Scharfenberg, Pressesprecher Finanz und IT von Audi, zu den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Auch in diesem Jahr sei man weiter auf Wachstumskurs.

Insgesamt konnten die Neuzulassungen am türkischen Pkw-Markt von Januar bs Oktober um ein Prozent auf 553.100 gesteigert werden. Wobei die Pkw-Exporte von Januar bis September um 3 Prozent auf 138.900 Einheiten zurückgegangen sind. Die Exporte von Nutzfahrzeugen (kleiner 6t) schrumpften sogar um 15 Prozent. Der neue Vorstoß der Regierung könnte die Exporte deutscher Autos weiter schmälern.

BMW ist nach eigenen Angaben seit 1984 über einen Importeur in der Türkei vertreten. MINI Fahrzeuge werden seit 2000 in der Türkei vertrieben, so Christine Graeber. Entsprechend aufmerksam wird die Situation in der Türkei beobachtet. Zu einer genaueren Einschätzung bezüglich des neuen Vorstoßes der türkischen Regierung wollten sich Audi, BMW oder der VDA nicht äußern. „Die Steuererhöhung in der Türkei ist erst seit dem 25.11.2016 gültig. Daher ist es noch zu früh, eine Aussage zur Absatzentwicklung von Mercedes-Benz Pkw in der Türkei zu treffen“, sagte eine Sprecherin von Mercedes den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Finanzminister Agbal betonte, höhere Steuereinnahmen seien nicht das Ziel der Maßnahme. Er verspricht sich davon aber dennoch ein Plus von gut 820 Millionen Euro (drei Milliarden Lira) für den klammen Staatshaushalt.

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