Esa fordert mehr Geld für Internationale Raumstation

Europas Raumfahrer werben bei der Politik um mehr Geld für ihre Missionen. Es geht unter anderem um die Zukunft der ISS.

Blick auf die Internationale Raumstation (ISS). (Foto: dpa)

Blick auf die Internationale Raumstation (ISS). (Foto: dpa)

Europas Raumfahrer haben laut dpa immense Finanzierungs-Wünsche. An diesem Donnerstag und Freitag treffen sich 22 Mitgliedsländer im Ministerrat von Europas Raumfahrtagentur Esa in Luzern, um darüber zu verhandeln. «Sie gehen mit einigem Optimismus dorthin. Dann macht das Treffen Sie immer pessimistischer. Und bevor das Treffen endet, gibt es dann eine Lösung», sagt Esa-Chef Jan Wörner im Vorfeld.

Es geht um viel Geld: 11 Milliarden Euro sollen Europas Raumfahrtprogramme in den kommenden Jahren kosten. So jedenfalls Wörners Vorschlag. Darin enthalten ist unter anderem die künftige Nutzung der Internationalen Raumstation ISS, die Finanzierung für den europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guyana, das geplante Weltraumteleskop Cheops, eine Raumsonde zur Erforschung der Sonne und die Suche nach einem «Staubsauger» für Weltraumschrott.

Eine wichtige Entscheidung fällt auch für das Prestigeprojekt ExoMars. Dort hat die Euphorie vor wenigen Wochen mit dem Absturz einer europäisch-russischen Sonde einen Dämpfer erhalten. Nach der Bruchlandung von «Schiaparelli» verrotten nun 600 Kilogramm Weltraumschrott im roten Marssand.

Frankreichs Raumfahrtchef Jean-Yves Le Gall zieht bei dem Thema die Stirn in Falten. «Bei ExoMars ist es normal, dass Fragen aufkommen, weil es Mehrkosten geben wird», sagt er. Die ursprünglich für 2018 geplante zweite Phase mit einem Marsrover wurde auf 2020 verschoben – deshalb fehlt ein dreistelliger Millionenbetrag.

Gute Nachrichten kann Europas Raumfahrt vor der Ministerkonferenz daher gut gebrauchen. Da kommt ein Europäer auf der ISS gerade recht. Fröhlich winkt der Franzose Thomas Pesquet bei einer Videokonferenz wenige Tage nach seiner Ankunft in der Schwerelosigkeit in die Kamera. «Ich hoffe, Kinder zu inspirieren», sagt er und erzählt von seinen ersten Eindrücken während ein aufblasbarer Globus um ihn herumschwirrt. Pesquet ist ein Star in Frankreich, ähnlich wie 2014 Alexander Gerst in Deutschland.

Vor Pesquets Start vom russischen Kosmodrom Baikonur ist Le Gall, Chef der französischen Weltraumbehörde CNES, guter Dinge. «Frankreich ist mit Deutschland der wichtigste Partner der Esa», sagt er über die Kräfteverhältnisse in Europa. «Etwa die Hälfte unseres Budgets fließt in die Esa, die Agentur wird zu rund 20 Prozent von Frankreich finanziert», sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Mit mehr als 850 Millionen Euro ist Deutschland der größte Beitragszahler der Esa, gefolgt von Frankreich mit mehr als 800 Millionen Euro.

«In der europäischen Raumfahrt läuft es derzeit gut, weil es in den deutsch-französischen Beziehungen gut läuft», ergänzt der Funktionär. Szene-Kenner teilen diese Einschätzung. Ein milliardenschwerer Zwist um die Zukunft des Raketenprogramms Ariane ist 2014 beigelegt worden.

Gut so, meinen Experten, denn es gebe viel zu tun. Als zentrales Thema bei der Konferenz in Luzern gilt die ISS. Die Hauptgeldgeber Russland und USA haben ihr Engagement bis 2024 zugesagt, nun ist die Esa am Zug – zunächst etwa 800 Millionen Euro hat Wörner dafür angemeldet. Auch für die Zeit nach 2024 muss ein Konzept her. Grundsätzlich infrage steht die ISS-Beteiligung wohl nicht: Er sehe dort kein besonderes Risiko, sagte Wörner.

Es gebe aber andere Programme, für die sein Herz schlage und wo die Unterstützung nicht sehr breit sei – zum Beispiel die Entwicklung eines wiederverwendbaren Raumfahrzeugs etwa für die Forschung in Schwerelosigkeit («Space Rider»). Er hoffe, nach dem Treffen verkünden zu können, «dass unsere Träume wahr geworden sind».

Generell sehen viele die Zukunft der Raumfahrt in einer Partnerschaft mit privaten Firmen. CNES-Chef Le Gall gibt sich offen – aber mit Einschränkung: «Man darf in Europa nicht glauben, dass die Wirtschaft die Raumfahrt komplett finanzieren wird, denn die Raumfahrt braucht starke öffentliche Haushalte.»

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