Schweizerische Nationalbank: Banken müssen sich für Zinsanstieg rüsten

Die Schweizerische Nationalbank warnt vor steigenden Leitzinsen. Schon heute müssten sich Banken auf dieses Szenario vorbereiten, um ihre Schulden zurückzahlen zu können.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) warnt Banken und Kreditnehmer vor mittelfristig steigenden Zinsen. „Auch wenn ein starker Zinsanstieg in der kurzen Frist unwahrscheinlich ist, besteht hier mittelfristig großer Spielraum für eine substanzielle Korrektur nach oben“, sagte SNB-Vizepräsident Fritz Zurbrügg laut Redetext auf einer Veranstaltung in Bern. Wenn die Zinsen stark zulegten, könnte das zu hohen Verlusten bei Banken führen. „Es ist daher zentral, dass Kreditnehmer und Banken die Möglichkeit eines starken Zinsanstiegs in der mittleren Frist nicht ausschließen und sicherstellen, dass sie in der Lage sind, eine solche Entwicklung finanziell zu verkraften“, sagte Zurbrügg.

Aktuell seien die Negativzinsen jedoch weiter nötig, um den Franken zu schwächen. „Die Wirkung des Negativzinses auf den Wechselkurs ist gegenwärtig von entscheidender Bedeutung für die Erfüllung unseres geldpolitischen Auftrags“, sagte Zurbrügg. Zwar könnten die Nebenwirkungen der tiefen Zinsen die Finanzstabilität beeinträchtigen. Diese Risiken seien derzeit aber tragbar. Die Zinsen in der Schweiz zählen mit minus 0,75 Prozent zu den niedrigsten in der Welt.

In den vergangenen Wochen hatte der Euro deutlich tiefer gegenüber dem Schweizer Franken notiert und war sogar bis auf unter 1,07 Franken abgesackt. Einen eindeutigen Grund für die jüngste Talfahrt der eidgenössischen Währung gab es nach Ansicht von Experten nicht. „Es ist möglich, dass die SNB interveniert“, sagte IG-Bank-Marktanalyst Andreas Ruhlmann. Die Notenbank könnte sich mit Devisenkäufen für mögliche Marktturbulenzen im Zuge des Verfassungsreferendums in Italien rüsten.

Der Franken gilt als sicherer Hafen und ist daher bei Investoren besonders in turbulenten Zeiten gefragt. Die SNB will eine Verteuerung der Landeswährung jedoch verhindern, weil das die Exporte und damit die Wirtschaft bremst. Um den Franken zu schwächen, hat die Zentralbank in den vergangenen Jahren für hunderte Millionen Fremdwährungen gekauft.

Sie hatte angekündigt, auch rund um das Italien-Referendum für Interventionen bereit zu stehen, sollte das nötig sein. Die Italiener stimmen am Wochenende über Verfassungsänderungen ab, durch die das Regieren erleichtert werden soll. Ministerpräsident Matteo Renzi hat sein politisches Schicksal an das Ergebnis geknüpft.

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.